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 last update: boa München, Mi. 20.02.2002 - 14:00 
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Mi. 20.02.2002       

Kampf um genetische Ressourcen

Entwicklungsländer gründen Allianz gegen Biopiraterie
Indien richtet Datenbank über traditionelles Naturwissen ein

Mexiko, China, Brasilien, Indien, Indonesien, Costa Rica, Kolumbien, Ecuador,
     Kenia, Peru, Venezuela und Südafrika bilden Bündnis zur Abwehr von Biopiraterie.
Indien: Informationssystem soll das traditionelle Wissen der Bevölkerung
     über Pflanzen und Tiere sowie über die heilende Wirkung natürlicher Substanzen
     enthalten.
Fünf Jahre lang fochten indische Wissenschaftler vor dem Europäischen
     Patentamt gegen ein Patent auf das Öl des Neem-Baums. Im Mai 2000 wurde der
     US-Firma Grace das Patent wieder aberkannt. Trotzdem kein Grund zum Jubeln.
Ein ungewöhnlicher Fall von Biopiraterie in Brasilien
Die Biodiversitätskonvention
Linkliste zum Thema Biopiraterie, Biodiversität etc
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Allianz gegen Biopiraterie

Mi. 20.02.02 - Zwölf Entwicklungsländer mit besonders großer Artenvielfalt haben eine Allianz gegen Biopiraterie gebildet. Die Mitglieder wandten sich bei der Unterzeichnung des Gründungsabkommens am Montag in Mexiko-Stadt gegen die Versuche von Unternehmen in Industriestaaten, den genetischen Reichtum von Tier- und Pflanzenarten in ihren Ländern zu patentieren und daraus kommerzielle Exklusivrechte abzuleiten. "Bisher haben unsere Nationen keinen Nutzen aus diesem großen Reichtum gezogen", erklärte der mexikanische Umweltminister Victor Lichtinger. Auf die zwölf Ländern der Allianz entfallen 70 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten. Zu dem Bündnis gehören Mexiko, China, Brasilien, Indien, Indonesien, Costa Rica, Kolumbien, Ecuador, Kenia, Peru, Venezuela und Südafrika.

Das Treffen in Mexiko diente der Vorbereitung des UN-Kongresses von Ende August in Johannesburg zum Thema nachhaltige Entwicklung. Dort wollen die zwölf Länder Druck machen, dass die Frage der Patente auf Tiere und Pflanzen und der daraus hervorgehenden Registrierung von Produkten und Heilmitteln international geregelt wird. Die zwölf Länder haben sich zum Ziel gesetzt, ihre Artenvielfalt zu schützen. "Das ist unsere gemeinsame Verantwortung gegenüber der Menscheit", sagte Lichtinger. (Quelle: ap)

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Indien richtet Informationssystem
über traditionelles Naturwissen ein

Mi. 20.02.02 - Im kommenden Juni geht in Indien eine Datenbank in Betrieb, mit deren Hilfe die Patentansprüche transnationaler Konzerne abgewehrt werden sollen. Das Informationssystem wird das traditionelle Wissen der Bevölkerung über Pflanzen und Tiere sowie über die heilende Wirkung natürlicher Substanzen enthalten. Das sagte Ragunath Mashelkar, Direktor des indischen Rates für Wissenschaftliche und Industrielle Forschung, während der Jahrestagung einer US-Wissenschaftler-Vereinigung in Boston.

Mit der Datenbank sollen Fälle wie die Patentierung der antibakteriell wirkenden Substanzen des Neembaumes durch den US-Konzern Grace unmöglich gemacht werden. Die Patentierung durch westliche Konzerne führt häufig dazu, dass die Preise für traditionelle Verfahren extrem steigen oder einheimische Bauern Lizenzgebühren für den Anbau von Pflanzen bezahlen müssen. Die Unternehmen melden ihre Patente in der Regel mit dem Hinweis darauf an, dass es sich bei den alten Verfahren oder Substanzen um eine neue Erfindung handele. Dass dies nicht stimmt, lässt sich bisher oft schlecht nachweisen, weil das traditionelle Know-how den Patentämtern der Industrieländer nicht zugänglich ist. Die neue Datenbank soll die Informationen ab Mitte des Jahres zur Verfügung stellen.

Das Informationssystem wird auch Angaben über natürliche Heilverfahren enthalten, die den Präparaten der Pharmaunternehmen überlegen sind. Ein traditionelles Mittel gegen Magengeschwüre wirkt nach Angaben des indischen Wissenschaftlerrates zum Beispiel doppelt so schnell wie das beste Medikament aus den Forschungslabors der großen Firmen. Mashelkar geht davon aus, dass bald weitere Länder des Südens ähnliche Datensätze aufbauen, um der Biopiraterie etwas entgegenzusetzen. (Quelle: taz)

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Die Auseinandersetzung um das Neembaum-Patent

Fünf Jahre lang fochten indische Wissenschaftler vor dem Europäischen Patentamt (EPA) gegen ein Patent auf das Öl des Neem-Baums. Im Mai 2000 wurde der US-Firma Grace das Patent schließlich wieder aberkannt. Damit gab die Patentbehörde den Einsprüchen der Wissenschaftler statt, die das Patent als "geistigen Diebstahl" und "Biopiraterie" bezeichnet hatten. Zur Gruppe der Kläger gehörte auch die Trägerin des Alternativen Nobelpreises, die indische Physikerin Vandana Shiva.

Die Amerikaner hatten sich das Öl des Baumes als Pflanzenschutz patentieren lassen, obwohl indische Bauern das Neem-Öl schon seit Jahrhunderten gegen Pflanzenschädlinge verwenden. Der Konzern W.R. Grace habe das Verfahren nicht erfunden, in Indien sei es längst bekannt gewesen, begründet die Einspruchskammer des EPA den Widerruf des Patents. Das Patent hätte es der Firma Grace unter anderem gestattet, bei indischen Exporteuren von Neem-Produkten Lizensen zu kassieren.

In den USA ist das Patent trotz der Entscheidung des EPA weiterhin gültig und in Europa existieren 20 weitere Neem-Patente. Überdies ist der Fall Neem-Baum eine rare Ausnahme. Meist wissen indigene Völker oder ihre Regierungen nicht einmal, dass ihre traditionellen Methoden und Pflanzen von multinationalen Konzernen gestohlen und patentiert wurden. In fast allen Fällen gilt: Wo kein Kläger ist, gibt es auch keinen Richter. Weder das internationale Abkommen zum Schutz geistigen Eigentums im Welthandel (Trips) noch die EU-Richtlinie über Biopatente sehen Strafen für Bio-Piraten vor.

Weitere Informationen zum Einspruchsverfahren gegen das Neem-Patent EP 0 436257 unter:
http://www.boa-muenchen.org/linde.peters/neem01.htm

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Ein ungewöhnlicher Fall von Biopiraterie in Brasilien

Acre liegt an der Grenze nach Peru und Bolivien. In dem Bundesstaat, der halb so groß ist wie Deutschland, leben eine halbe Million Menschen, davon achttausend Indígenas. Die Regenwälder dort sind noch fast unberührt. Rio Branco, die Hauptstadt von Acre, ist der Tatort eines ungewöhnlichen Kriminalfalles: Des ersten Falles von Biopiraterie in Brasilien.

Giselle Mubarak, Staatsanwältin in Rio Branco, schildert die Anfänge: "Wir leiteten das Verfahren auf Grund einer Strafanzeige einer indigenen Gruppe ein. Sie gaben an, dass eine Organisation namens ,Selvaviva' seit Jahren in ihrem Reservat tätig sei, ihre medizinischen Heilpflanzen sammele, anpflanzen lasse und katalogisiere. Die indianische Gemeinschaft sei für ihre Arbeit in der Plantage nicht entlohnt worden." Der Strafanzeige liegt ein Prospekt von Selvaviva - „lebender Dschungel" - bei. In portugiesisch, englisch und deutsch wird der Pharmaindustrie das indianische Know-How zur Auswertung feilgeboten. Weiter wird damit geworben, dass mit Spendengeldern mehrere Gesundheitszentren für die Indianer eingerichtet worden seien, mit Krankenpflegern, Medikamenten und Impfstoffen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergaben allerdings, dass davon nichts wahr sei; Selvaviva verfolge nur ein Ziel: Die Aneignung des traditionellen Wissens der lokalen Bevölkerung. Der einzige Begünstigte war ein gewisser Rüdiger von Reininghaus, wohnhaft in einer Kleinstadt nahe der Metropole São Paulo, gegen den die Staatsanwaltschaft von Rio Branco ein Strafverfahren eröffnete...
Weiter unter: http://www.ila-bonn.de/artikel/234biopiraterie.htm

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Die Biodiversitätskonvention

Die genetischen Ressourcen dieser Welt sind ungleich verteilt, denn ein wichtiger Teil der biologischen Vielfalt befindet sich in den Ländern des Südens. Schon seit Jahrhunderten bedienen sich deshalb Wissenschaft und Industrie des Nordens der pflanzlichen Wirkstoffe aus dem Regenwald – ohne jedoch um Erlaubnis zu bitten oder dafür zu bezahlen. Während der Kolonialzeit war diese Ausbeutung Teil des Systems. Der Biopiraterie soll nun mit der Biodiversitätskonvention (Artenschutzabkommen), welche 1992 in Rio ausgehandelt wurde, endlich ein Ende gesetzt werden. Die Biodiversitätskonvention übergibt die Kontrolle der genetischen Ressourcen den einzelnen Staaten und schreibt eine faire und ausgewogene Teilung des Nutzens der biologischen Ressourcen vor. Das heisst, dass auch die Ursprungsländer – und nicht nur die Unternehmen, welche das Material kommerziell verwerten – vom Reichtum der Natur profitieren sollen. Leider ist auch neun Jahre nach der Unterzeichnung der Konvention die Umsetzung noch kaum fortgeschritten.

Trotz Biodiversitätskonvention geht an die Herkunftsländer, die fast alle auf der südlichen Erdhalbkugel liegen, bislang kaum ein Pfennig. Dadurch verliert die Dritte Welt jährlich über fünf Milliarden Dollar, heißt es in einem Bericht der Vereinten Nationen. (Quellen: evb.ch, df)

Die Biodiversitätskonvention im Wortlaut:
http://www.biodiv.org

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Linkliste zum Thema Biopiraterie, Biodiversität etc.:
http://www.evb.ch/links.cfm?folder=118&link=ul5

Informationen zum Thema Biopatente und Biopiraterie
finden sich auch auf den folgenden Homepages:
http://www.evb.ch/index.cfm?page_id=444
http://www.keinpatent.de
http://www.blauen-institut.ch
http://www.greenpeace.de
 
 

(Quellen: ap, taz, boa-archiv)

 
 

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