B.O.A.-NACHRICHTEN
 last update: boa München, Fr. 22.02.2002 - 14:00 
  [ Übersicht ] [ Ticker ] [ Medien-Termine ] [ Medien-Nachrichten ]
 

.
  zur Übersicht
Fr. 22.02.2002       

800 Millionen Menschen leiden weltweit an Hunger

Ökolandbau als Weg aus der Welthungerkrise
Greenpeace: Trend entgegenwirken, dass weltweit operierende
Konzerne die Agrarmärkte beherrschen

Studie belegt wichtige Rolle des ökologischen Landbaus
     bei der Bekämpfung des Hungers in Entwicklungsländern.
     Ruf nach Förderung einer Landwirtschaft, die lokale, soziale
     und kulturelle Strukturen der Region, sowie das traditionelle
     Wissen der Bauern berücksichtigt.

WTO-Abkommen "TRIPS" zwingt Entwicklungsländer, die
     Interessen multinationaler Saatgutkonzerne durchzusetzen.
     Mexikanischen Bauern könnte es passieren, dass sie für
     den Anbau heimischer Pflanzen Lizenzgebühren zahlen müssen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

°

[ zurück ]   [ Ticker ]   [ nach oben ]   

Ökolandbau in Entwicklungsländern
Weg aus der Welthungerkrise

Greenpeace verlangt Förderung einer Landwirtschaft, die lokale, soziale und kulturelle Strukturen der Region, sowie das traditionelle Wissen der Bauern berücksichtigt.

Fr. 21.02.02 - Ökologische Landwirtschaft spielt bei der Bekämpfung des Welthungers eine tragende Rolle. Dies belegt die neue von Greenpeace in Auftrag gegebene Studie "The Real Green Revolution" des Wissenschaftlers Nick Parrott von der Cardiff University in Großbritannien. Demnach werden schon heute in vielen Entwicklungsländern mit ökologischer Landwirtschaft Erträge erzielt, die weit über denen aus der herkömmlichen Landwirtschaft liegen. Vor allem in Gebieten, in denen die Felder unter schwierigen Bedingungen aber mit traditionellen Methoden - ohne Chemikalien oder Gentechnik -bewirtschaftet werden, verzeichnen die Bauern enorme Ernteerfolge.

Greenpeace veröffentlichte die Studie am Donnerstag vor einer Woche gemeinsam mit IFOAM (International Federation of Organic Agriculture Movements) auf der internationalen Messe für Naturkost (Biofach 2002) in Nürnberg . Dabei warnte Greenpeace vor der Gefahr, dass große Agrarkonzerne mit Patenten auf Pflanzen und Saatgut den Bauern die landwirtschaftliche Produktion zunehmend diktieren und forderte, besonders in den Entwicklungsländern die ökologische Landwirtschaft finanziell zu fördern.

"Entgegen der weit verbreiteten Meinung belegt die Studie, dass ökologische Landwirtschaft auch in den Entwicklungsländern sehr gut funktioniert," erklärt Oliver Knowles, Sprecher von Greenpeace England. "Deshalb müssen wir umso mehr dem Trend entgegenwirken, dass weltweit operierende Konzerne die Agrarmärkte beherrschen. Das Welthungerproblem lässt sich nicht mit Genpflanzen bekämpfen, sondern mit der Förderung einer Landwirtschaft, die lokale, soziale und kulturelle Strukturen der Region, sowie das traditionelle Wissen der Bauern berücksichtigt."

Die Studie nennt zahlreiche Beispiele, die den Erfolg der ökologischen Landwirtschaft in Entwicklungsländern belegt. So fällt die Baumwollernte der Bauern in Madhya Pradesh/Indien durchschnittlich um 20 Prozent höher aus, als die ihrer Nachbarn mit konventionellem Baumwollanbau. In Madagaskar ließ sich die Reisernte aus dem Anbau mit ökologischen Methoden der SRI (System of Rice Intensification) sogar verdoppeln.

Weltweit wird mehr als ein Viertel des Bodens landwirtschaftlich genutzt. Doch in den vergangenen 50 Jahren degradierten zwei Drittel dieser Fläche durch Erosion, Versalzung und Nährstoffabbau. Maßgeblich dazu beigetragen hat die von den Agrarkonzernen propagierte "Grüne Revolution", die die Hungersnot in den Entwicklungsländern durch Hochertragssorten, Kunstdünger, Pestiziden und neuerdings durch den Einsatz von Gentechnik bekämpfen sollte. Stattdessen werden jedoch die Grundlagen für unsere Ernährung wie fruchtbare Böden, sauberes Wasser und viele Tier- und Pflanzenarten zerstört. Weltweit leiden über 800 Millionen Menschen an Hunger.

Die Original-Studie "The Real Green Revolution"gibt es als PDF-Datei unter:
http://www.greenpeace.de/GP_DOK_3P/BRENNPUN/F0107N11.PDF

Webseite zum Thema Hunger:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/n0101220.htm#0101220

°

[ zurück ]   [ Ticker ]   [ nach oben ]   

Ausbeutung der Landwirte

WTO-Abkommen "TRIPS" zwingt Entwicklungsländer, die Interessen multinationaler Saatgutkonzerne durchzusetzen. Mexikanischen Bauern könnte es passieren, dass sie für den Anbau heimischer Pflanzen Lizenzgebühren zahlen müssen.

Im vergangenen November hat die Vollversammlung der Welternährungsorganisation FAO in Rom eine Konvention beschlossen. Ein Ziel dieser Übereinkunf ist der Schutz der Entwicklungsländer vor Biopiraterie. Die Details dieser Konvention sind ungeklärt.

Sehr präzise dagegen sind die Bestimmungen des "Übereinkommens über handelsbezogene Aspekte der Rechte des geistigen Eigentums" (Trade Related Intellectual Property Rights [TRIPS] ), Dieses Abkommen im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO aus dem Jahre 1994 verpflichtet alle Mitglieder, für Patentschutz zu sorgen. Eingeschlossen sind Patente auf Leben. Damit sollen die Entwicklungsländer gezwungen werden, die Interessen der multinationalen Saatgutkonzerne bei der Vermarktung und Nachbauregelung neuer Sorten zu sichern. Bis spätestens 2005 müssen danach selbst die ärmsten Länder per Gesetz den unlizensierten Nachbau und Handel von Saatgut verbieten.

Bei der Uruguay-Runde Anfang der neunziger Jahre, in der TRIPS ausgehandelt wurde, war es für die Patentlobby ein Leichtes, die Staaten der Dritten Welt auf ihre Linie zu verpflichten. Lakonisch schildert etwa der Rechtswissenschaftler Nripen L. Mitra an der India University in Bangalore, wie damals einer Hand voll skeptischer Dritte-Welt-Juristen ein ganzes Geschwader US-Patentrechtsexperten gegenüberstand, das bis an die Zähne mit perfekt ausgearbeiteten Entwürfen bewaffnet war. Als Gegenleistung zu der Verpflichtung, ein Patentgesetz oder alternativ ein Rechtsschutzsystem "eigener Art" (sui generis) zu verabschieden, konnten die Experten der Entwicklungsländer nur Zeit herausschinden, bis zum Jahr 2005: "Die zogen uns damals ziemlich über den Tisch."

In den Ursprungsgebieten der Nutzpflanzen – und diese liegen praktisch nur in Ländern der Dritten Welt – haben die lokalen Sorten die größte genetische Vielfalt. Wenn nun Pflanzenzüchter zum Beispiel nach einer Maissorte fahnden, die gegen einen bestimmten Schädling resistent ist, dann suchen sie am besten in Mexiko. Sollten sie fündig werden und sich ein entsprechendes Resistenz-Gen patentieren lassen, dann müssten künftig die Bauern in Mexiko für ihr Gen Lizenzgebühr zahlen.

Moderne westliche Züchtungen können zusätzlich so genannte Terminatorgene enthalten und damit unfruchtbar sein. Das heißt, der Bauer, der eine solche Sorte verwendet, kann nicht – wie das weltweit üblich ist – von der Ernte einen Teil für die neue Aussaat behalten (das sogenannte Bauernprivileg) , sondern muss jedes Jahr erneut bei den Saatgutherstellern kaufen. Auch dürften Dorfgemeinschaften nicht mehr Sorten untereinander austauschen und weiterzüchten. Dies sei ein Mittel zur Ausbeutung der Landwirte, klagte Bauernaktivist Wilson Campos jüngst beim Weltsozialforum im brasilianischen Porto Alegre.

Mittlerweile haben die Saatgutkonzerne ihre genetisch veränderten (transgenen) Sorten weit verbreitet: Ein Viertel der Anbaufläche liegt derzeit in der Dritten Welt. Vor allem Kleinbauern in China und Südafrika nutzen gentechnisch veränderte Baumwolle. Die landwirtschaftspolitisch weltweit aktive Organisation Grain kritisiert, mit den Genpflanzen werde eine schon jetzt problematische Struktur aufrechterhalten: Monokulturen und der Abbau der genetischen Vielfalt könnten sich sogar noch zuspitzen, meint Grain-Sprecher Henk Hobbelink. In Europa spielen transgene Sorten noch keine Rolle.

Die konventionelle Landwirtschaft, auf die auch die Gentech-Industrie setzt, hat – global gesehen – kaum Zukunft. In den vergangenen 50 Jahren degradierten zwei Drittel der landwirtschaftlich genutzten Flächen der Erde durch Erosion, Versalzung und Nährstoffabbau. Maßgebliche Ursache war die "Grüne Revolution" mit Hochertragssorten, Pestiziden und Kunstdünger.
 
 

(Quellen: ots, sz, zeit, boa-archiv)

 
 

Entwicklungsländer gründen Allianz gegen Biopiraterie
Der Versuch transnationaler Konzerne, den genetischen Reichtum anderer Länder zu patentieren und daraus kommerzielle Exklusivrechte abzuleiten, soll abgewehrt werden. Hintergrundberichte zum Thema Biodiversität und Biopiraterie.
[ mehr... ]
 
 


[ zurück ]   [ Ticker ]   [ nach oben ]   


  zur Übersicht


 

PicoSearch

| Nachrichtenticker |

 | kunst&kult | philosophie | wissenschaft | gesellschaft | diverses | öko | medien | links

| home | home(no frame) |

B.O.A.-Künstlerkooperative
Gabelsbergerstr.17, D-80333 München, Telefon/Fax : 089- 280621,
boa-kuenstlerkooperative@t-online.de


FastCounter by bCentral