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Mo. 04.03.2002       

Pflichterfüllt und gehorsam

Jugendlichen Arbeitnehmern fehlt es an politischer Bildung
Jugendstudie der Universität Tübingen für die IG Metall

Den jungen Leuten gehen politische Kenntnisse, kritische Haltung und
     gesellschaftliches Engagement weitgehend ab. Die meisten haben ein
     ausgeprägtes Konkurrenzbewusstsein. Zu diesem Ergebnis kommt eine
     im Auftrag der IG-Metall erstellte Jugendstudie der Universität Tübingen.

Kurzfassung der IG Metall Jugendstudie.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Große Leistungsbereitschaft,
mangelhaftes politisches Bewusstsein

Jugendstudie der Universität Tübingen für die IG Metall

Mo. 04.03.02 - Die Arbeit steht bei der Mehrheit der Jugendlichen in Deutschland an erster Stelle ihrer Prioritätenliste. Dies geht aus der am Mittwoch in Stuttgart veröffentlichten Jugendstudie der IG Metall hervor. Die Jugendlichen von heute wähnten sich keineswegs in einer "Spaßgesellschaft, sagte der Erziehungswissenschaftler Josef Held von der Universität Tübingen. Der Wissenschaftler hatte für die repräsentative Untersuchung bundesweit 1.042 jugendliche Arbeitnehmer im Alter zwischen 16 und 27 Jahren mit dem Schwerpunkt auf Industrie und Handwerk befragt. Fast die Hälfte von ihnen hat die Realschule, ein Drittel die Hauptschule besucht. Siebzehn Prozent waren auf einem Gymnasium.

Bei der Befragung gaben 55 Prozent der jungen Leute an, dass bei ihnen die Arbeit im Vordergrund steht. Sie nehmen ihre Arbeit ernst und versuchen, sie möglichst "professionell" zu verrichten. Den Angaben zufolge sind 69 Prozent der Umfrageteilnehmer mit ihrem gewählten Beruf zufrieden. Politisches Bewußtsein, kritische Haltung und gesellschaftliches Engagement gehen den jungen Leuten weitgehend ab, dafür ist ihnen an Kommunikationsfähigkeit und sicherem Auftreteten gelegen. Ihre Kenntnisse von Politik sind so mangelhaft, dass sie an "politischer Verwahrlosung grenzen. Zu diesem Ergebnis kommt die Tübinger Forschungsgruppe von Josef Held.

Die meisten der Befragten versicherten, dass ihnen Arbeit wichtiger sei als Freizeit und das sie das Leistungsprinzip schätzten. Ihre eigene Zukunft sähen die jungen Leute positiv, die gesellschaftliche Zukunft dagegen düster. Aussagen wie "Ich werde es schon schaffen, aber die anderen werden Schwierigkeiten haben", ließen auf ein ausgprägtes Konkurrenzbewusstsein schließen.

Der offene Rassismus bei Jugendlichen sei im Vergleich zu einer ähnlichen Studie von 1993 zwar zurückgegangen. Im gleichen Zeitraum sei aber die Zustimmung zu Nationalismus und Unterordnung gestiegen: Drei Viertel der jungen Arbeitnehmer legen Wert auf Pflichterfüllung und Gehorsam gegenüber Autoritäten, und noch mehr wünschen, dass gegen "abweichende Gruppen und Störer" härter vorgegangen wird. Gleichzeitig schätzt die Mehrheit der Befragten aber die Demokratie und die Möglichkeit zu rebellischen Protestdemos.

Ihren politischen Standort, ob rechts oder links, fand Held heraus, könnten die wenigsten Jugendlichen bestimmen. Viele könnten auch mit "rechts" und "links als politischen Begriffen nichts anfangen. Die politische Kultur habe Schaden genommen, politische Diskussionskultur werde in den Schulen nicht mehr gepflegt. Weshalb Held die Jugend für "politisch verwahrlost" hält, belegt er an folgendem Beispiel: Zwei weibliche Lehrlinge hätten Sympathie für die rechtsradikalen Republikaner bekundet, aber über die Partei nichts gewußt. Ein Mädchen habe gesagt, dies sei eine kleine Partei, und sie sei für die Kleinen, weil auf denen immer herumgehackt werde. Solche und ähnliche Antworten habe er öfter zu hören bekommen.

"Die Abneigung gegenüber Politik und das geringe Wissen vieler Jugendliche muss nicht nur uns Gewerkschaften, sondern die gesamte demokratische Gesellschaft alarmieren", sagte das geschäftsführende Vorstandsmitglied der IG Metall Erwin Vitt. Nicht die Jugendlichen seien dafür verantwortlich, sondern die Gesellschaft.

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Kurzfassung der IG-Metall-Jugendstudie

Im Auftrag der IG Metall in Baden-Württemberg hat das Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Tübingen ein Jugendforschungsprojekt durchgeführt. Titel des Forschungsstudie: "Neue Orientierungen und Engagementformen jugendlicher Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen und ihre Bedeutung für die Jugendarbeit". Die Studie kann als Zip-Datei ( 7293 kByte) vom Netz heruntergeladen werden:
http://www.bw.igm.de/zope/news/jugend/20020218-190613/20020218-191150
 
 

(Quellen: ap, igm, faz, spiegel-online)

 
 

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