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 last update: boa München, Di. 05.03.2002 - 14:00 
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Di. 05.03.2002       

Noch lange nicht vorbei

Afghanistankrieg dauert fünf Monate nach Beginn immer noch an

Massive Luft- und Bodenoffensive der Alliierten Streitkräfte in Ostafghanistan.
Deutsche Soldaten der Spezialtruppe KSK beteiligt. USA erleiden schwerste Verluste seit Kriegsbeginn. Reservisten-Einheiten für Auslandseinsätze der Bundeswehr geplant.

Bundesverteidigungsministerium macht keine Angaben über Art und Umfang
     der Beteiligung deutscher KSK-Kräfte. Unerwartet starker Widerstand der
     Taliban- und El-Kaida-Kämpfer. Acht US-Soldaten bei Kämpfen getötet
     US-Präsident: "Wir befinden uns in einer gefährlichen Phase dieses Krieges".
Amerikaner von Großoffensive überrascht.
USA setzen neue Benzinbomben im Afghanistankrieg ein.
US-Verteidigungsminister: Vielleicht zehntausende amerikanische Soldaten
     nach Afghanistan.
Reservisten-Einheiten für Auslandseinsätze der Bundeswehr geplant.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Luft- und Bodenoffensive gegen Taliban- und El-Kaida-Kämpfer

Deutsche Soldaten der Spezialtruppe KSK beteiligt. Bundesverteidigungsminister Scharping weigert sich, Angaben über den Einsatz zu machen. USA erlitten bisher schwerste Verluste seit Beginn des Afghanistankriegs.

Di. 05.03.02 - Die USA und ihre Verbündeten haben im Osten Afghanistans eine Offensive gegen mutmaßliche Kampfgruppen der Taliban und El Kaida gestartet, die sich nach US-Angaben dort neu formieren wollen. Die Soldaten der Anti-Terror-Allianz seien auf den erbittertsten Widerstand seit Kriegsbeginn gestoßen, berichteten US-Medien. Neun US-Soldaten seien bei den heftigen Kämpfen mit Taliban- und El-Kaida-Kämpfern getötet worden, sagte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Montag in Washington. Die meisten US-Soldaten starben am Montag bei dem Abschuss eines amerikanischen Chinook-Hubschraubers und einem anschließenden Feuergefecht. Ein zweiter Hubschrauber wurde beschossen, konnte aber aus dem Kampfgebiet entkommen. Bereits am Samstag war ein amerikanischer Soldat im Gefecht getötet worden. Trotz Verlusten werde die Operation "Anaconda" fortgesetzt, sagte der Oberbefehlshaber des Afghanistan-Feldzugs, Tommy Franks, in Florida. US-Präsident George W. Bush hat nach dem Tod der US-Soldaten bei der jüngsten Offensive in Afghanistan seine Entschlossenheit zur Fortsetzung des Krieges bekräftigt. Bush bedauerte den Tod der Soldaten. Vor Schülern im US-Bundesstaat Minnesota sagte er, die Nation sei entschlossen sich selbst und die Freiheit um jedem Preis zu verteidigen. Das sei eine noble und gerechte Sache. "Sie (die Freiheit) ist ein zu wertvolles Geschenk, als dass sie den Terroristen überlassen werden könnte." Die El Kaida werde überall bekämpft werden, sagte Bush weiter. Der Präsident fügte an: "Wir befinden uns in einer gefährlichen Phase dieses Krieges." Unterdessen korrigierte das US-Verteidigungsministerium die Zahl der getöteten amerikanischen Soldaten auf sieben.

US-Verteidigungsminister Rumsfeld bestätigte, dass die USA bei der Großoffensive von Deutschland, Dänemark, Frankreich, Norwegen, Australien und Kanada unterstützt werden. Er wollte sich jedoch nicht dazu äußern, in welcher Form diese Länder an der Operation teilnehmen. Diese Information sei Sache der betroffenen Länder, sagte Rumsfeld. Rumsfeld kündigte für die kommenden Tage eine Fortsetzung der Offensive an.

Bis zu 1000 amerikanische und andere ausländische Elitesoldaten seien beteiligt, meldete die "Washington Post". Darunter sind Mitglieder des deutschen Kommandos Spezialkräfte (KSK). Das Bundesverteidigungsministerium machte keine genaueren Angaben zu Art und Umfang des KSK-Einsatzes. Der Bundestag hat dem Einsatz von bis zu 100 KSK-Soldaten für den Anti-Terror-Kampf unter US-Kommando zugestimmt. Daneben beteiligt sich Deutschland an der internationalen Schutztruppe für Kabul (ISAF), die unter britischer Befehlsgewalt steht und nicht in die Kämpfe eingreifen soll.

Das Bundesverteidigungsministerium hat indirekt die Teilnahme deutscher Elite-Soldaten bestätigt und zugleich die Informationspolitik der Amerikaner kritisiert. Der Sprecher von Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD), Franz Borkenhagen, sagte am Montag in Berlin: "Ich drücke mich sehr zurückhaltend aus. Ich hätte mir gewünscht, dass die Information über den Einsatz deutscher Kräfte in diesem Rahmen zu dem heutigen Zeitpunkt nicht in der Form bekannt gegeben worden wäre."

Borkenhagen begründete das Schweigen der Bundesregierung zu solchen Einsätzen mit dem Schutz der Soldaten des "Kommandos Spezialkräfte» (KSK) und Operationen. Es sei "außerordentlich sinnvoll, derartige Operationen mit dem entsprechende Schutzgrad zu versehen".

Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Helmut Wieczorek (SPD), hatte den Einsatz zuvor im Deutschlandfunk als überraschend früh bezeichnet. "Mit einem Einsatz haben wir schon gerechnet. Allerdings kam er zeitlich für uns doch auch überraschend."

Auch das dänische Verteidigungsministerium verweigerte kategorisch jede Stellungnahme. Hingegen bestätigte die norwegische Verteidigungsministerin Kristin Krohn Devold, dass eigene Elitesoldaten beteiligt sind. Sie seien besonders wegen ihrer Fähigkeit zum Kampf in Winterterrain nach Afghanistan entsandt worden.

Der norwegische Stabssprecher Dag Aamoth sagte zur Offensive: "Die norwegischen Spezialeinheiten nehmen an andauernden Kampfhandlungen teil, bei denen Einheiten der Koalition versuchen, mehrere hundert Mann der El Kaida niederzukämpfen. Es handelt sich um eine koordinierte Operation von Luft- und Bodentruppen, die zähen Widerstand zu überwinden haben."

Die Offensive sei bereits vor einiger Zeit gestartet worden, erklärte ein Militärsprecher auf dem US-Stützpunkt Kandahar am Samstag. Die Operationen finden im Bezirk Arma statt, 30 Kilometer südöstlich von Gardes, Richtung pakistanischer Grenze. Dort haben amerikanische Flugzeuge in der Nacht zum Samstag schwere Angriffe geflogen. Die Männer der Taliban und der Kaida wehrten sich mit Raketen und anderen schweren Waffen.

Über 500 bewaffnete Moslem-Extremisten und deren Familien würden in dem Gebiet vermutet, meldete AIP unter Berufung auf die Provinzregierung. Der Bezirk Arma steht, wie am Freitag aus dem US-Verteidigungsministerium verlautete, unter Beobachtung, seit amerikanische Luftangriffe Ende vergangenen Jahres die Macht der Taliban und der Kaida über Afghanistan bis auf vereinzelte Widerstandsnester brachen.

Das Gebiet ist nach US-Auffassung einer der denkbaren Fluchtorte der Kaida- und Taliban-Chefs Osama bin Laden und Mullah Mohammad Omar. Bin Laden ist seit den Anschlägen Staatsfeind Nummer eins der USA. Omar hatte ihm und seiner Kaida als geistliches Oberhaupt Afghanistans Jahre lang Gastrecht gewährt.

US-Kampfflugzeuge setzten am Montag ihre Angriffe auf die Bergfestung Schahi Kot bei Gardes fort. Langstreckenbomber des Typs B-52 und Kampfbomber des Typs F-16 warfen Bomben ab. Auch französische Kampfflugzeuge haben sich an der Luftoffensive beteiligt. Das teilte das Verteidigungsministerium in Paris am Montagabend mit. Flugzeuge des Typs Mirage 2000 und Super-Etendard hätten innerhalb der letzten 24 Stunden Angriffe auf drei El-Kaida-Ziele in der Nähe der Stadt Gardes geflogen, hieß es in einer Erklärung. Die Operation dauere an. Bislang beschränkte sich die Rolle der französischen Streitkräfte in Afghanistan weitgehend auf humanitäre Unterstützung, Aufklärungsarbeit und Hilfe bei der Logistik. Es sei das erste Mal, dass französische Kampfflugzeugen an Angriffen in der Region teilgenommen hätten, sagte ein Ministeriumssprecher.

Die USA begannen am 7. Oktober mit ihren Luftangriffen gegen die Kaida und die Taliban. Sie werfen El-Kaida-Chef Osama bin Laden vor, die Anschläge vom 11. September in New York, Washington und Pennsylvania organisiert zu haben. Die Taliban und ihr geistliches Oberhaupt Mullah Mohammad Omar gerieten ins Visier, weil sie Bin Laden nicht auslieferten. Seit dem 21. Dezember regieren in Kabul die Taliban-Gegner.

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Amerikaner von Großoffensive überrascht

Di. 05.03.02 - Der Tod eines US-Soldaten hat die Amerikaner jetzt schmerzlich daran erinnert, dass der Krieg in Afghanistan noch lange nicht vorbei ist. Für viele überraschend begann nach wochenlangen kleineren Scharmützeln plötzlich dort die größte von US- Truppen angeführte Bodenoffensive seit Beginn des Krieges vor fünf Monaten. Zwar hatte das Pentagon immer wieder gewarnt, dass der Krieg in Afghanistan noch lange gehen könne, aber so recht geglaubt hatte es kaum noch jemand in den USA.

Erstmals hatte sich Präsident George W. Bush auch Kritik an seiner Kriegsführung in Afghanistan anhören müssen. Der demokratische Oppositionsführer Tom Daschle warf der Regierung in der vergangenen Woche vor, ihre Ziele aus den Augen verloren zu haben. "Wir müssen Osama bin Laden und die anderen Führer des El-Kaida- Netzwerks finden, andernfalls haben wir versagt", erklärte Daschle zum Ärger der Republikaner, die ihn empört attackierten. Bush selbst wies die Kritik gelassen zurück. Die meisten Amerikaner hätten Geduld und wüssten, dass es lange dauern könne, einen Mann zu suchen, der sich in einer Höhle versteckt halte.

Daschle traf aber offensichtlich auch den Nerv des Pentagon. Das US-Militär war nach der massiven und letztendlich nicht sonderlich erfolgreichen Offensive in der Höhlenregion Tora Bora frustriert, dass ihre afghanischen Stellvertretertruppen so viele El-Kaida-Führer durchs Netz schlüpfen ließen. Weder Osama bin Laden noch einer seiner wichtigen Stellvertreter konnte gefasst werden.

Diesmal will das Pentagon deshalb sicher stellen, dass aus der mutmaßlichen El-Kaida-Bastion in den unzugänglichen Bergen nahe Gardes an der Grenze zu Pakistan keine Top-Terroristen entkommen können. Die Gefangennahme eines engen Vertrauten Osama bin Ladens wäre endlich ein Durchbruch im Kampf gegen den internationalen Terrorismus.

Für diesen Durchbruch ist das Pentagon auch erstmals bereit, mehr Bodentruppen einzusetzen und damit das Risiko einzugehen, dass mehr Amerikaner getötet werden. Die bisherige Strategie war es immer gewesen, die afghanischen Stellvertretertruppen aus der Luft zu unterstützen und auch alle anderen gefährlichen Operationen wie das Durchsuchen der Höhlen weitgehend den Afghanen zu überlassen.

Damit konnten die USA den fast unglaublichen Erfolg vorweisen, dass in einem fünfmonatigen Krieg nur zwei US-Soldaten im feindlichen Feuer starben und auch nur wenige verletzt wurden. Doch Bush hatte die Amerikaner immer darauf vorbereitet, dass es in dem Krieg mehr Tote geben könnte.

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USA setzen neue Benzinbomben im Afghanistankrieg ein.

Das US-Militär hat im Afghanistan-Krieg erstmals eine neue, besonders starke Benzinbombe eingesetzt. Die 900 Kilogramm schwere "Thermobaric"-Bombe wurde nach amerikanischen Medienberichten im Dezember erstmals im US-Bundesstaat Nevada getestet. Sie ist vor allem zur Bekämpfung feindlicher Truppen gedacht, die sich in Höhlen oder Bunkern versteckt halten.

Die Bombe mit der offiziellen Bezeichnung «BLU-118/B» ist extrem zielgenau und dringt besonders tief in Höhlenkomplexe ein. Dort entzünden sich mit Benzin gefüllte Sprengköpfe, die in gewaltigen Feuerbällen explodieren und damit den Sauerstoff aus dem Höhlenkomplex förmlich aufsaugen. Wer nicht unmittelbar durch die Explosion getötet wird, stirbt den Erstickungstod.

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US-Verteidigungsminister: Vielleicht zehntausende
amerikanische Soldaten nach Afghanistan

Di. 05.03.02 - Angesichts zunehmender Spannungen zwischen rivalisierenden Stammesführern in Afghanistan wächst nach einer Analyse des US-Geheimdiensts CIA die Gefahr eines Bürgerkriegs. Besonders problematisch seien schwelende Konflikte im Norden des Landes zwischen Usbeken und Tadschiken, hieß es am Donnerstag aus Kreisen der Behörde. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld schloss in Washington nicht aus, dass die USA möglicherweise Bodentruppen mit zehntausenden Soldaten in das Land entsenden, um die Sicherheitslage zu stabilisieren.

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Reservisten-Einheiten für Auslandseinsätze
der Bundeswehr geplant

Di. 05.03.02 - Das Bundesverteidigungsministerium plant nach einem Bericht der "Saarbrücker Zeitung" (Freitagausgabe), komplette Einheiten ausschließlich aus Reservisten für bis zu sechsmonatige Kriseneinsätze im Ausland aufzustellen.

Diese so genannten nicht aktiven Einheiten müssten "kurzfristig aktiviert werden können", zitiert das Blatt den stellvertretenden Generalinspekteur der Bundeswehr, Rainer Feist. Eine Gesetzesänderung solle ermöglichen, "dass Reservisten auch gegen den Willen ihres Arbeitgebers eingezogen werden können".

Über den möglichen Umfang der Reservisten-Einheiten machte Feist, der auch Beauftragter für die Reservisten der Bundeswehr ist, keine Angaben. Er nannte Einheiten mit "Pionieren, Spezialisten für die ABC-Abwehr oder die Wasseraufbereitung" als Beispiele für die "völlig neue Funktion» der Reservisten. Soldaten können sich nach ihrer aktiven Dienstzeit freiwillig zu Auslandseinsätzen melden.

Der Vorsitzende des Deutschen Reservistenverbandes, der saarländische CDU-Bundestagsabgeordnete Helmut Rauber, bestätigte der Zeitung die Existenz der Pläne. "Ohne Reservisten sind die Auslandseinsätze schon längst nicht mehr durchführbar", wird Rauber zitiert.Die Vorlagen müssten jedoch im Verteidigungsausschuss noch beraten und dem Kabinett vorgelegt werden.
 
 

(Quellen: ap, dpa, rtr)

 
 

Mo.24.12.01
Nach elf Wochen Krieg in Afghanistan wahrscheinlich 5000 getötete Zivilisten
Wissenschaftler der Amerikanischen Universität von New Hampshire haben alle verfügbaren Quellen über die zivilen Opfer des Krieges zusammengetragen und penibel ausgewertet. US-Luftwaffe bombardiert weiter Ziele in Afghanistan.
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Mi.15.01.02
Ludger Volmer hält stärkeres Militär-Engagement Deutschlands für unausweichlich
Volmer, Mitglied der Grünen und Staatsminister im Auswärtigen Amt, fordert von den Anhängern des Pazifismus wegen der "neuen Bedrohung" durch den internationalen Terrorismus ein Umdenken.
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Mo.25.02.02
Anti-Terror-Krieg: Blair und Bush beraten über Pläne für Irak-Angriff
Angeblich soll bei dem Treffen die Phase Zwei im Kampf gegen Terrorismus abgeschlossen werden. Deutsche Soldaten befinden sich in Aghanistan im Kampfeinsatz gegen Al Qaida.
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Fr.01.03.02
Evangelische Kirche gegen Militarisierung der Politik
Aufforderung an Bundesregierung, bei US-Angriff auf Irak den Einsatz deutscher Truppen in Kuwait zu beenden. USA setzen Plan zum Sturz Saddams bereits um.
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