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Mo. 15.04.2002      

"Die Umwelt ist chemieverseucht und lebensfeindlich"

Kinder werden immer kränker
Hormongift in nahezu allen Lebensmitteln

Weltgesundheitsorganisation: Kinder sind die Hauptopfer der steigenden
     Umweltverschmutzung. Zahl der Asthmatiker und Allergiker steigt stark an.
Jülicher Forschungsgruppe weist erstmals in zahlreichen Lebensmitteln
     bestimmte Abbauprodukte so genannter Tenside nach, die das Hormonsystem
     stören, besonders in der Frühphase der Embryonalentwicklung.
Studie "Endocrine-Disrupting Nonylphenols Are Ubiquitous in Food".
Chemie und Umwelt - Risiken und Effekte.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Kinder sind erhöhten Gesundheitsrisiken durch Umweltgifte ausgesetzt

Mi.17.04.02 - Eine neue Studie der Weltgesundheitsorganisation und der Europäischen Umweltagentur zeigt: Kinder leiden immer mehr unter der Umweltverschmutzung. Sie reagieren besonders empfindlich auf giftige Substanzen in ihrer Umwelt.

Kinder sind besonders anfällig für Umweltgefahren, da sich ihr Organismus noch im Aufbau befindet. Sie reagieren äußerst empfindlich auf spezifische Chemikalien und nehmen durch Mundkontakt mit Spielzeug, Sand und Erde oft gefährliche Substanzen auf. Außerdem atmen, trinken und essen Kinder im Verhältnis zum Körpergewicht mehr als Erwachsene. So gelangen mehr Gifte in ihren Organismus. "Kinder sind mehr als 15.000 synthetischen Chemikalien ausgesetzt, die fast alle in den letzten 50 Jahren entwickelt wurden", sagt Domingo Jiménez-Beltrán, Exekutivdirektor der Europäischen Umweltagentur.

Als besonders bedrohlich für die Gesundheit von Kindern erwiesen sich der Studie zufolge auch Straßenverkehr, Regen, Strahlung und Luftverschmutzung. Die Anzahl der an Asthma und Allergien erkrankten Kindern nimmt stark zu. In der Nähe von stark befahrenen Straßen verdoppelt sich das Risiko von Atmungsproblemen. In einigen Gegenden zeigt schon eines von drei Kindern asthmatische Symptome. Der ständige Lärm führt außerdem zu Leseschwächen und mangelnder Konzentrationsfähigkeit. Alarmierend sind auch die Unfallstatistiken: Drei von zehn Todesfällen bei Kindern werden im Straßenverkehr verursacht, in Nordeuropa sind Autounfälle sogar die häufigste Todesursache.

Die Studie stellt außerdem große Unterschiede in den verschiedenen Regionen Europas fest. So ist in Westeuropa die Wahrscheinlichkeit zehn Mal höher, dass Kinder an Allergien und Asthma erkranken als in Osteuropa.

"Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, sondern Organismen in der Entwicklung", sagt Erik Petersen vom Ökologischen Ärztebund. "Die Umwelt ist chemieverseucht und lebensfeindlich", so Petersen. Der ökologische Ärztebund, eine Dachvereinigung von Organsiationen rund um das Thema Gesundheit und Umwelt, hat eine "Kinder-Agenda" aufgestellt. Darin fordert der Bund, Rußfilter in Dieselautos gesetzlich vorzuschreiben. Wichtig, so Petersen, sei auch eine Deklarationspflicht für Kosmetika, Nahrungsmittel, Kleidung und Spielzeug. Eltern sollten in der Lage sein, sich über die Inhaltsstoffe eines Produkts zu informieren. Ausgerechnet Spielzeug verursacht oftmals Krankheiten. Trotz mehrmaliger Beratungen konnte sich die EU noch nicht auf ein generelles Verbot PVC-haltiger Weichmacher in Beißringen, Bauklötzen und Puppen einigen. Giftige Quietscheentchen und Puppen sind weiter erlaubt, wenn sie das Label "Nicht in den Mund nehmen" tragen. Eine besondere Herausforderung für die unter Dreijährigen.
 
 

Weitere Informationen zur Studie der Weltgesundheitsorganisation und der Europäischen Umweltagentur sind im Internet abrufbar unter:
http://reports.eea.eu.int/environmental_issue_report_2002_29/en
 
 

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Hormongift in nahezu allen Lebensmitteln

Mi.17.04.02 - Jülicher Forscher haben nach eigenen Angaben in zahlreichen Lebensmitteln hormonell wirksame Substanzen gefunden, die normalerweise in Reinigungsmitteln und Pestiziden zum Einsatz kommen. Besonders betroffen sind Äpfel und Tomaten.

Die Forscher wiesen erstmals bestimmte Abbauprodukte so genannter Tenside nach. Diese "Nonylphenole" könnten das menschliche Hormonsystem beeinflussen und würden für Missbildungen, Fruchtbarkeitsstörungen und Krebs mit verantwortlich gemacht, teilte das Forschungszentrum Jülich mit. Ob die in den Lebensmitteln gefundenen Mengen allerdings gefährlich seien, stehe nicht fest. Grenzwerte für diese Stoffe existierten nicht, da sie bislang nicht nachweisbar gewesen seien.

Dank eines neu entwickelten Analyse-Verfahrens könnten Lebensmittel erstmals auf Nonylphenole untersucht werden, sagte der Chemiker Prof. Klaus Günther, der Leiter des Projekts. Die Forscher fahndeten in 60 Lebensmitteln nach den Industriechemikalien. In sämtlichen Nahrungsmittelgruppen entdeckten sie Spuren davon. Besonders hohe Konzentrationen seien in Tomaten und Äpfeln nachgewiesen worden. Auch in Muttermilch und Säuglingsnahrung seien Spuren gefunden worden. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Stoffe in allen Lebensmitteln vorhanden seien. Zu den vermuteten Verursachern zählten Pestizide.

Nach Berechnungen der Forscher nimmt ein Erwachsener täglich 7,5 Mikrogramm (millionstel Gramm) Nonylphenole mit der Nahrung auf. Welche Folgen dieser Wert für die Gesundheit habe, sei noch nicht abschätzbar. Mit den Jülicher Ergebnissen lägen nun aber erstmals verlässliche Zahlen vor, die Toxikologen als Grundlage für weitere Untersuchungen dienen könnten, hieß es. Die Untersuchungen sind im Fachblatt "Environmental Science & Technology" (Bd. 36, S. 1676 http://pubs.acs.org/journals/esthag/ ) veröffentlicht.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte eine grundlegende Reform des Chemierechts zum Schutz der Verbraucher. "Ob Tomaten, Äpfel, Brot oder Bier - in offenbar allen unseren Lebensmitteln steckt das Dauergift Nonylphenol", kommentierte Greenpeace- Chemieexperte Manfred Krautter. Dies belege einen fahrlässigen Umgang mit Dauergiften in der EU. Tenside zu Nonylphenol abgebaut.

Nach Angaben der Jülicher Forscher werden weltweit jährlich etwa 600.000 Tonnen Tenside auf Basis von Nonylphenol in Haushalt und Industrie eingesetzt. Diese Substanzen würden wegen ihrer Fett lösenden Eigenschaften beispielsweise für Reinigungsmittel geschätzt und in der Papierindustrie verwendet.

Auch in Lebensmittelverpackungen, Pestiziden, Druck- und Wandfarben kommen die Stoffe Greenpeace zufolge vor. In der Natur würden diese Tenside zu Nonylphenol abgebaut, erläuterte Krautter. Diese Verbindung aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff kann den Jülicher Angaben zufolge grundsätzlich das Hormonsystem stören, besonders in der Frühphase der Embryonalentwicklung.
 

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"Endocrine-Disrupting Nonylphenols Are Ubiquitous in Food"
Die Untersuchung der Jülicher Forschungsgruppe ist im Internet abrufbar unter:

http://pubs3.acs.org/acs/journals/doilookup?in_doi=10.1021/es010199v
 

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Chemie und Umwelt - Risiken und Effekte
Unerwartete Wirkungen von Chemikalien in der Umwelt:

http://www.boa-muenchen.org/linde.peters/chemgef1.htm
 
 

(Quellen: dpa, ap, bbv.net, taz, greenpeace)

 
 

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