B.O.A.-NACHRICHTEN
 last update: boa München, Mi. 24.04.2002 - 14:00 
  [ Übersicht ] [ Ticker ] [ Medien-Termine ] [ Medien-Nachrichten ]
 

.
  zur Übersicht
Mi. 24.04.2002      

Der Verantwortung gegenüber den armen Ländern bewusst werden

DGB verlangt stärkeres Engagement von IWF und Weltbank gegen Finanzkrisen

Wirtschatftsnobelpreisträger Stiglitz wirft Internationalem Währungsfonds Versagen vor

Deutscher Gewerkschaftsbund: Industrieländer sollen in ihren
     Armutsbekämpfungsprogrammen eine verstärkte Krisenprävention für
     Entwicklungsländer aufnehmen. Investoren in Verantwortung nehmen,
     wenn durch ihr Verhalten Staaten in Zahlungsschwierigkeiten geraten.
Nobelpreisträger Stiglitz: IWF hat in den Entwicklungsländern nichts
     als Chaos angerichtet. Proteste auf den Straßen sind sehr wichtig, um
     zu zeigen, was falsch läuft.
Studie: "Globale Finanzen und menschliche Entwicklung"
 
 
 
 
 
 
 
 
 

°

[ zurück ]   [ Ticker ]   [ nach oben ]   

Verhütung von internationalen Finanzmarktkrisen stärker in den Vordergrund rücken

Mi.24.04.02 - Anlässlich der Frühjahrstagung von Internationalem Währungsfond (IWF) und Weltbank am vergangenen Wochenende in Washington forderte DGB-Vorstandsmitglied Heinz Putzhammer die deutsche Bundesregierung am Freitag in Berlin dazu auf, die Verhütung von internationalen Finanzmarktkrisen stärker in den Vordergrund zu rücken. Dazu gehören eine Insolvenzordung für zahlungsunfähige Länder und eine andere Politik des IWF. Gerade die jüngsten Ereignisse des Staatsbankrotts Argentiniens haben die bittere Erkenntnis gebracht, dass die Rezepte des Internationalen Währungsfonds oftmals direkt in die Krise führen. "Argentinien war früher das Vorzeigemodell des IWF und steht heute vor einem Scherbenhaufen", kritisierte Putzhammer die Arbeit des IWF. "Würde es heute schon eine Insolvenzordnung für Staaten geben, wäre der Neuanfang für Argentinien einfacher", so Putzhammer. Die Lasten solcher Krisen müssten jetzt noch vorwiegend die Arbeitnehmer in den betroffenen Ländern bezahlen, während die Kapitalgeber vom IWF freigekauft würden.

Deshalb müssen die Industrieländer in ihrem Armutsbekämpfungsprogramm auch eine verstärkte Krisenprävention für Entwicklungsländer aufnehmen. Der DGB hat in einem Leitantrag für den DGB-Bundeskongress, der Ende Mai in Berlin stattfindet, einige Reformvorschläge formuliert. So müssen im Rahmen einer Insolvenzordnung auch die Investoren in die Verantwortung genommen werden, wenn durch ihr Verhalten Staaten in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Als marktwirtschaftlichen Instrumente für die Begrenzung von Schwankungen auf dem globalen und offenen Finanzmarkt sieht der DGB Maßnahmen wie härtere Eigenkapitalvorschriften für Banken, ein Kredit- bzw. Unternehmensregister bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, eine Aufsicht der Finanz- und Steueroasen und vor allem die Einführung einer Devisenumsatzbesteuerung (Tobin-Steuer).

"Der Bundesfinanzminister und seine Kollegen aus den reichen Ländern müssen sich ihrer Verantwortung gegenüber den armen Ländern dieser Welt bewusst sein. Es geht nicht an, die Entwicklungsländer einem instabilen Casino-Kapitalismus auszusetzen und nur die Anleger aus den Industrieländern auf Kosten der Allgemeinheit zu schützen. Aufgabe der internationalen Finanzinstitute ist es, für mehr Stabilität und Sicherheit gerade in den ärmeren Ländern zu sorgen", sagte Putzhammer.

Die Erklärung der internationalen Gewerkschaften zur Frühjahrstagung von IWF und Weltbank ist im Internet abrufbar unter: http://www.dgb.de/idaten/erklaerung-iwfwb.pdf

°

[ zurück ]   [ Ticker ]   [ nach oben ]   

Nobelpreisträger Stiglitz verlangt umfassende Reform des Währungsfonds

Mi.24.04.02 - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat nach Ansicht des Wirtschaftsnobelpreisträgers Joseph Stiglitz "in den Entwicklungsländern nichts als Chaos angerichtet". Im Interview mit der "tageszeitung" (taz, 16.4.2002, Seite 4) wirft Stiglitz dem IWF vor, er habe die Finanzkrisen 1998 in Asien und Russland und jetzt in Argentinien nicht nur verschärft, sondern auch ausgelöst. "Der Fonds zwang den Ländern die falschen Ratschläge auf. Kurze Zeit später war die Krise da", sagt der ehemalige Chefökonom bei der Weltbank und intime IWF-Kenner.

Stiglitz verlangt eine umfassende Reform des Währungsfonds. Vor allem müsse sich die Verteilung der Stimmrechte ändern. Die Entwicklungsländer hätten zu wenig Einfluss, kritisiert Stiglitz, die USA hingegen viel zu viel: "Es geht nicht, dass ein einziges Land ein Vetorecht hat und alles blockieren kann."

Der Nobelpreisträger fordert, "dass neben Finanzministern und Zentralbankchefs auch die Regierungschefs an der IWF-Spitze sitzen sollen, "weil sie die Gesamtinteressen ihrer Länder vertreten".

Der Druck für eine IWF-Reform müsse "von außen" kommen, sagt der Nobelpreisträger: "Die Proteste auf den Straßen sind sehr wichtig, um zu zeigen, was falsch läuft."

Stiglitz: "Die Proteste bei der WTO-Tagung in Seattle 1999 haben zum ersten Mal bestimmte Problem ins öffentliche Bewusstsein gerufen. Die Medien waren damals überhaupt nicht auf diese Proteste vorbereitet. Und vier Monate später, beim nächsten Treffen des IWF inWashington, war es dann schon so, dass die Medien die Proteste vorweggenommen haben. Und als die Demos tatsächlich stattfanden, haben Newsweek und Time Magazine Hintergrundartikel geschrieben - darüber, was der IWF in den Entwicklungsländern macht."

Das taz-Interview mit Steglitz ist im Internet abrufbar unter:
http://www.taz.de/pt/2002/04/16/a0102.nf/text.name,askyDZeBd.n,3
 
 

Stiglitz wurde international auch über Fachkreise hinaus bekannt, als er seinen Posten als Chefökonom bei der Weltbank (Februar 1997 bis Jahresende 1999) im Streit über die harte Finanzpolitik des Internationalen Währungsfonds (IWF) während der Finanzkrise in Asien (1998) auf Druck der amerikanischen Regierung verließ [ http://www.dse.de/aktuell/stiglitz.htm ]. Zuvor hatte er den IWF öffentlich kritisiert.

Im Jahr 2001 erhielt Stiglitz zusammen mit den US-Professoren George Akerlof, und A. Michael Spence den Ökonomie-Nobelpreis. Mit dem Preis würdigte das Nobelkomitee Forschungen über Märkte mit asymetrischen Informationen. Die drei US-Wissenschaftler hatten in den siebziger Jahren unabhängig voneinander untersucht, wie Teilnehmer auf einen Markt operieren, denen ungleiche Informationen vorliegen. Sie studierten beispielsweise die Auswirkungen der Tatsache, dass der Käufer eines Konsumproduktes weit weniger über dessen Qualität weiß als der Hersteller. Umgekehrt kann ein Lebensversicherer die Gesundheit eines potenziellen Versicherungsnehmers deutlich schlechter einschätzen als dieser selbst.

Die Erkenntnisse des Forscher-Trios bildeten der "Kern der modernen Forschung über Information und Märkte", erklärte das Komitee. Die Anwendungen der Forschungen beträfen traditionelle Agrarmärkte ebenso wie moderne Finanzmärkte.

Stiglitz hat einen Lehrstuhl an der Columbia-Universität in New York.

IWF:
http://www.imf.org/

Weltbank:
http://www.worldbank.org/

Veranstaltungshinweis:
09. bis 12. Mai 2002 in Frankfurt/Main: "Tatort Globalisierung: Internationalismus nach Seattle, Genua und dem 11. September". 25. Bundeskongreß der BUKO (Bundeskoordination Internationalismus).
Information: http://www.buko.info/buko25/buko25.html
 
 

(Quellen: taz, ots, spiegel)

 
 

°

[ zurück ]   [ Ticker ]   [ nach oben ]   

Globale Finanzen und menschliche Entwicklung

Eine von der Katholischen Kirche in Auftrag gegebene Studie zum Thema Globalisierung ist sowohl von den Globalisierungsgegnern Attac als auch vom Chef-Volkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, gelobt worden. In der im Januar vorgestellten Studie "Globale Finanzen und menschliche Entwicklung" wird ein Maßnahmenkatalog zur besseren Regulierung der internationalen Finanzmärkte gefordert. Peter Wahl vom Netzwerk der Globalisierungsgegner Attac-Deutschland lobte die in der Studie vorgeschlagenen Kapitalverkehrskontrollen für ärmere Länder. Damit sollen kurzfristige Bewegungen großer Geldmengen erschwert werden. Dies sei eine interessante Alternative zur gegenwärtigen Politik des Internationalen Währungsfonds (IWF). Wahl begrüßte den Vorschlag, dass die EU als größter IWF-Anteilseigner dort ein stärkeres Gegengewicht zur angelsächsischen Finanzmarktpolitik setzen solle. Der "Shareholder-Value"-Gedanke, wonach vor allem der Aktienkurs die Unternehmenspolitik bestimmt, fördert der Studie zufolge die Kurzsichtigkeit in der Wirtschaft. Deutsche-Bank-Ökonom Walter sprach in diesem Zusammenhang von der Unkultur des "Sharehopper-Value"-Prinzips, bei dem die Aktionäre nur hinter kurzfristigen Gewinnen her seien. Walter betonte, dass eine Marktwirtschaft generell nur mit Regulierung funktioniere. Deshalb seien Zentralbanken für die Finanzmärkte unersetzlich. Der Glaube an den "puren Markt" der sich selbst reguliere, sei illusionär. Vielmehr müssten Staaten, aufgeklärte Bürger und die Kirchen zusammenarbeiten, um die globale Wirtschaft zu steuern. Es sei wohltuend, dass die Kirchen nicht nur predigten, sondern sich auch wissenschaftlich mit den Problemen der Globalisierung auseinander setzen. (Quelle: partisan.net, 21.01.02)

Die von der Sachverständigengruppe "Weltwirtschaft und Sozialethik"
erstellte Studie "Globale Finanzen und menschliche Entwicklung"
ist im Internet abrufbar unter:

http://dbk.de/schriften/DBK7.WissArbeitsgruppe/WAg-Br012.rtf
 
 


Do.21.03.02
Tobin-Steuer ist laut BMZ-Studie machbar
Wissenschaftler widerlegt Einwände gegen Steuer auf spekulative Devisentransfers.
[ mehr... ]

Di.19.02.02
Argentinien-Krise spitzt sich zu
Protest gegen die im Zuge der schweren Wirtschaftskrise eingefrorenen Bankkonten.
Schuldenlast, Druck des IWF und neoliberale Wirtschaftspolitik treiben Argentinien
ins Chaos. [ mehr... ]

Mi.01.12.1999
Battle of Seattle
Massenproteste gegen Welthandelskonferenz. 50 000 Demonstranten legen Veranstaltungsort Seattle lahm. Arm in Arm und dicht gedrängt verstellten Tausende den geladenen Gästen den Weg und verhinderten damit die offizielle Eröffnungsfeier der Welthandelskonferenz. Minister und Diplomaten aus 135 Ländern standen ratlos auf der Straße. Ungläubig schauten Politiker aus aller Welt zu, wie die amerikanische Polizei vor den Demonstranten kapitulierte.
[ mehr... ]
 
 


[ zurück ]   [ Ticker ]   [ nach oben ]   


  zur Übersicht


 

PicoSearch

| Nachrichtenticker |

 | kunst&kult | philosophie | wissenschaft | gesellschaft | diverses | öko | medien | links

| home | home(no frame) |

B.O.A.-Künstlerkooperative
Gabelsbergerstr.17, D-80333 München, Telefon/Fax : 089- 280621,
boa-kuenstlerkooperative@t-online.de


FastCounter by bCentral