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Fr. 17.05.2002      

Euthanasie

Belgien erlaubt aktive Sterbehilfe
Deutsche Hospiz Stiftung: "Wieder glauben Politiker, einen Pflege- und Sterbenotstand durch ein Euthanasie-Gesetz lösen zu können." Große Mehrheit der Deutschen für Sterbehilfe.

Belgisches Parlament verabschiedete mit 86 zu 51 Stimmen ein heftig
     umstrittenes Gesetz, das es Ärzten unter bestimmten Bedingungen erlaubt,
     ihre Patienten auf deren Wunsch zu töten. Deutsche Hospiz-Stiftung nennt
     das belgische Sterbehilfe-Gesetz eine "Lizenz zum Töten". In den Niederlanden
     ist ein Sterbehilfe-Gesetz seit Anfang April in Kraft. Niederländische Regierung
     hält die kontrollierte Abgabe von Selbsttötungspillen an lebensmüde Alte für
     erwägenwert.
Allensbach-Umfrage: Große Mehrheit der Deutschen spricht sich für aktive
     Sterbehilfe aus.
Dr. Tod live on air
Grundsätze der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung.
Hospizbewegung, Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Sterbehilfe-Gesetz in Belgien beschlossen

Fr.17.05.02 - Nach den Niederlanden hat auch Belgien die aktive Sterbehilfe für Schwerstkranke legalisiert. Das Abgeordnetenhaus in Brüssel billigte am Donnerstagabend ein entsprechendes Gesetz mit 86 Ja-Stimmen. 51 Abgeordnete votierten gegen die Vorlage, zehn enthielten sich. Die Regierungsparteien aus Liberalen, Sozialdemokraten und Grünen stimmten weitgehend dafür, während die Konservativen und Rechtsextremisten dagegen waren. Der Senat hatte dem Gesetz zuvor bereits zugestimmt.

Das beschlossene Gesetz erlaubt eine Tötung auf Verlangen für unheilbar kranke Patienten, die nicht in absehbarer Zeit sterben werden, sowie für Menschen mit andauernden psychischen Leiden. Diese Möglichkeiten sind nach Angaben von Experten weltweit einzigartig und gehen auch über die Regelungen des so genannten Euthanasiegesetzes hinaus, das Anfang April in den benachbarten Niederlanden in Kraft trat.

Nach dem Gesetz muss ein Patient volljährig sein und schriftlich seinen Todeswunsch mitteilen. Ist er dazu nicht fähig, muss eine Person seines Vertrauens den Wunsch niederschreiben. Zudem muss der Patient unheilbar krank sein und physisch oder psychisch permanent an der Krankheit leiden. Wenn sich die Krankheit noch nicht im Endstadium befindet, muss der behandelnde Arzt einen zweiten Mediziner konsultieren. Zwischen der Bitte des Patienten und der Sterbehilfe muss mindestens ein Monat vergehen. Gegner der Vorlage hatten argumentiert, das Gesetz lasse Patient und Arzt zu viele Freiheiten. Jeder Fall von Sterbehilfe muss im Nachhinein einer Kommission gemeldet werden, die über das Einhalten der Bestimmungen wachen soll.

Die Christdemokraten im Europaparlament rügten, die Befürworter des Gesetzes hätten die Kritik des Europarates und der Vereinten Nationen daran nicht ernst genommen. Das Gesetz sehe zu wenig Schutz für schwer kranke Patienten vor. Belgiens Christdemokraten erwägen eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg.

Die Deutsche Hospiz Stiftung in Dortmund protestierte scharf gegen die Entscheidung. "Schwerstkranke haben ebenso wie psychisch Kranke das Recht auf ein würdevolles Leben und dürfen nicht in den Tod gedrängt werden", erklärte Geschäftsführender Vorstand Eugen Brysch. "Wieder glauben Politiker, einen Pflege- und Sterbenotstand durch ein Euthanasie-Gesetz lösen zu können." Stattdessen wäre der schnelle Ausbau von Hospizarbeit und umfassender Schmerztherapie nötig, betonte Brysch. "Gesetze mit einer Lizenz zum Töten" führten zur Aushöhlung grundlegender Werte wie Selbstbestimmung und Menschenwürde.

Die ersten Vorschläge für ein Sterbehilfe-Gesetz wurden vor fast 20 Jahren vorgelegt. Seitdem wurde das Thema in Belgien engagiert und kontrovers diskutiert. Das Gesetz war auch innerhalb der Regenbogen -Koalition aus Sozialisten, Grünen und Liberalen umstritten. "Ich werde nicht für das Gesetz stimmen, weil darin auch die aktive Sterbehilfe für nicht Todkranke vorgesehen ist", hatte die Grünen-Abgeordnete Yolande Avontroodt vor der Abstimmung gesagt. Sie kritisierte zudem, dass auch psychisch Kranke unter das Gesetz fielen.

Nach der Zustimmung im Parlament kann das Gesetz in der zweiten Jahreshälfte in Kraft treten.

Erst Anfang April hatten die Niederlande mit einem Sterbehilfe-Gesetz eine gängige Praxis legalisiert. Für das Jahr 2000 hatte die niederländische Gesellschaft für Freiwillige Euthanasie 2123 Fälle von Sterbehilfe registriert, wobei von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen wird.

Für die niederländische Regierung ist die kontrollierte Abgabe von Selbsttötungspillen an lebensmüde Alte eine erwägenswerte Option. In einem Interview mit dem NRC-Handelsblad erklärte die linksliberale Gesundheitsministerin Els Borst-Ellers vor einem Monat, dass sie generell nicht gegen die Abgabe derartiger Todespillen bei Lebensmüdigkeit sei: "Allerdings müsste dies sorgfältig geregelt werden und nur betagte Menschen betreffen, die innerlich mit ihrem Leben abgeschlossen haben."

Die 69-jährige Els Borst-Ellers gilt als eine der Architektinnen des niederländischen Euthanasiegesetzes. Als Direktorin der Akademischen Kliniken (AZU) in Utrecht hatte sie 1983 erstmals einen Fall von Sterbehilfe der Staatsanwalt gemeldet - und damit die öffentliche Diskussion über gesetzliche Regelungen zur Sterbehilfe in den Niederlanden forciert.

Der Begriff Euthanasie ist noch verbunden mit der Tötung des von den Nationalsozialisten als "unwert" eingestuften Lebens von 1939 bis 1941. Nach der Tötung von schätzungsweise 5000 missgebildeten Kindern und 100.000 geisteskranken Erwachsenen war das Euthanasie-Programm wegen Protesten der Kirchen gestoppt worden.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte zuletzt entschieden, dass die todkranke Britin Diane Pretty kein Anrecht darauf habe, sich von ihrem Mann töten zu lassen. Pretty starb Mitte Mai rund zwei Wochen nach der Entscheidung an ihrer schweren Krankheit.

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Deutschland: Große Mehrheit für Recht, den Tod zu wählen und zu verlangen

Fr.17.05.02 - Nach einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach vom April spricht sich eine große Mehrheit der Deutschen für aktive Sterbehilfe aus. 64 Prozent der Westdeutschen und 80 Prozent der Ostdeutschen stimmten im Februar und März in einer Befragung von 2094 Personen der Aussage zu: "Ein schwer kranker Patient im Krankenhaus soll das Recht haben, den Tod zu wählen und zu verlangen, dass der Arzt ihm eine Tod bringende Spritze gibt." Nur 19 Prozent im Westen und sechs Prozent im Osten lehnten eine solche Forderung ab.

70 Prozent der Befragten über 16 Jahre finden, dass Sterbehilfe für schwer kranke Menschen ein guter Weg ist, um sie nicht so lange leiden zu lassen. Solange ein schwer kranker Mensch noch bei Bewusstsein sei, solle er über seinen Tod selbst entscheiden können. Nur 11 Prozent meinten: "Über Leben und Tod darf nur Gott, man kann auch sagen das Schicksal, entscheiden. Keinesfalls darf das Leben vorzeitig beendet werden, auch wenn der Patient das ausdrücklich verlangt." Das Alter der Befragten spielte dabei keine Rolle.

Die generelle Ablehnung der Sterbehilfen durch die christlichen Kirchen hat kaum Einfluss auf die Meinung ihrer Mitglieder. Für 60 Prozent der Protestanten und 68 Prozent der Katholiken steht im Vordergrund, Schwerkranke nicht so lange leiden zu lassen. Nur 18 Prozent der Katholiken und 14 Prozent des Protestanten finden, dass nur Gott über Leben und Tod entscheiden darf.

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Dr. Tod live on air

Washington (dpa) - Der Mann auf dem Bildschirm fiel zurück und sein Mund öffnete sich. "Ist er jetzt tot?" fragte der Reporter. "Er stirbt gerade", lautete die Erwiderung. Diese gespenstische Szene hat in den USA nicht nur die Debatten über die Sterbehilfe wieder angeheizt, sondern auch die Diskussion über die ethische Verantwortung der Medien. Denn die Szene war nicht von Hollywood gestellt, sondern Wirklichkeit. Im Fernsehstudio neben dem CBS-Reporter saß der Sterbehelfer Jack Kevorkian. (...)

Die Verantwortlichen des Magazins verteidigten ihre Entscheidung, dem Mediziner mit dem Spitznamen "Dr. Tod" eine Bühne zu geben. Sie hätten damit einen öffentlichen Auftrag erfüllt und die Amerikaner mit einer bedeutenden Zeitfrage konfrontiert. (...) (30.11.98)
 
 

YES OR NO?

Der ausstralische Arzt Philip Nitschke hat einen Computer an ein automatisches Spritzensystem gekoppelt, das Sterbewilligen eine tödliche Injektion verabreichen kann. Vorher muß sich der Lebensmüde durch mehrere Programmschritte arbeiten, in denen er mit "Yes" oder "No" seine Entschlossenheit dokumentiert.
(Quelle: Die Zeit, 31.5.1996)

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Grundsätze der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung:

Die deutsche Ärzteschaft lehnt aktive Sterbehilfe, wie sie jetzt in den Niederlanden beschlossen wurde, kategorisch ab. Allerdings sehen sich die Ärzte nicht zur Lebenserhaltung um jeden Preis verpflichtet. Wann aber dürfen Mediziner lebensverlängernde Maßnahmen stoppen? Und wer entscheidet darüber? Die Schwierigkeiten bei der Grenzziehung sind enorm, wie die von der Bundesärztekammer (BÄK) 1998 beschlossenen "Grundsätze zur ärztlichen Sterbebegleitung" deutlich machen. Mehr unter:
http://www.bundesaerztekammer.de/30/Richtlinien/Empfidx/Sterbebegl.html

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Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz:
http://www.hospiz.net/
 
 

(Quellen: ap, dpa, rtr, fr, zeit, boa-archiv)

 
 

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