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Mo.
03.06.2002
Aufgeheiztes Klima
Kaschmir-Konflikt:
Angst vor Atomkrieg
Internationale
Bemühungen um Entspannung nachdem Pakistan mehrmals betont hatte,
es würde zu seiner Verteidigung auch einen Erstschlag mit
Atomwaffen führen.
Kaschmir-Konflikt im Mittelpunkt des
Asien-Gipfels. Indische und pakistanische
Truppen liefern sich erneut Gefechte.
Vereinte Nationen weisen Mitarbeiter in der
Region an, ihre Familien in Sicherheit zu
bringen. Nach Deutschland, den USA,
Großbritannien und Kanada raten
auch Frankreich und weitere westliche Länder
von Reisen in die Region ab. Wegen
Atomkriegs-Gefahr Evakuierungspläne
für Afghanistan-Friedenstruppe.
Indien wirft Pakistan die Unterstützung von
Rebellen vor, die für eine
Loslösung des indischen Teil Kaschmirs kämpfen.
Die Atommächte Indien und
Pakistan sind hoch gerüstet.
In Kaschmir führen zwei
Konfliktherde immer wieder zur Gewalt.
Seit Teilung von Britisch-Indien
1947 haben Indien und Pakistan drei Kriege geführt.
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Gefahr eines
Flächenbrandes
Mo.03.06.02 - Im
Kaschmir-Konflikt werden die internationalen Bemühungen um
eine Entspannung der Lage intensiviert: Auf Einladung des russischen
Präsidenten Wladimir Putin reisten die Regierungschefs Indiens und
Pakistan am Sonntag zu einem regionalen Gipfeltreffens in
Kasachstan. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wurde zu
einer Vermittlungsmission in Südasien erwartet.
Zu Beginn des
dreitägigen Sicherheitstreffens von Staats- und Regierungschefs
aus 16 Staaten empfing der kasachische Präsident Nursultan
Nasarbajew am Montag in Almaty den indischen
Ministerpräsidenten Atal Betal Vajpayee. Ob ein direktes
Treffen zwischen Vajpayee und Pakistans Präsident General Pervez
Musharraf zu Stande kommt, war bis zuletzt zweifelhaft. Der russische
Präsident Wladimir Putin hat angekündigt, zwischen
beiden Seiten vermitteln zu wollen. Russland ist ein wichtiger
Waffenlieferant für Indien, derzeit werden Verträge
über eine Milliarde Dollar erfüllt. Am Montagmorgen
lieferten sich indische und pakistanische Truppen erneut Gefechte
an ihrer Grenze. Beide Länder verfügen über Atomwaffen
und haben in der Kaschmir-Region mehr als eine Million Soldaten
zusammengezogen.
Indien wirft
Pakistan die Unterstützung von Rebellen vor, die für eine
Loslösung des indischen Teil Kaschmirs kämpfen. Jammu
und Kaschmir ist der einzige indische Bundesstaat mit mehrheitlich
moslemischer Bevölkerung, in Pakistan gehört die
Bevölkerung überwiegend dem Islam an. Im pakistanischen Teil
der umkämpften Kaschmir-Region halten sich laut indischen
Angaben mehrere tausend El-Kaida- und Taliban-Kämpfer auf. Nach
Anschlägen auf das indische Bundesparlament im Dezember und
auf ein Militärlager im indischen Teil der umstrittenen
Kaschmir-Region im Mai haben sich die Spannungen zwischen Indien
und Pakistan verschärft.
Beide
Konfliktparteien waren zumindestens darum bemüht, die Sorgen der
Welt vor einem Atomwaffeneinsatz zu zerstreuen. Nachdem Pakistan
mehrmals betont hatte, es würde zu seiner Verteidigung auch
einen Erstschlag mit Atomwaffen führen, sagte Musharraf dem
US-Fernsehsender CNN, kein "normaler Mensch" würde dies tun.
Der indische Verteidigungsminister George Fernandes schloss
"impulsive" Reaktionen seines Landes und eine "extreme Eskalation" im
Kaschmir-Konflikt aus. Zugleich sagte er am Sonntag auf einer Konferenz
asiatischer Verteidigungsminister in Singapur, die jüngsten
Angriffe muslimischer Kämpfer hätten zu Wut und
Empörung in der indischen Bevölkerung geführt, was
die Regierung in Neu-Delhi unter enormen Druck setze, militärisch
anzugreifen. Fernandes rief die von den USA geführte
internationale Gemeinschaft auf, Druck auf Pakistan
auszuüben, Angriffe auf den indischen Teil Kaschmirs zu
verhindern.
Musharraf sagte,
er sei für einen Nichtangriffspakt mit Indien, der auch die
Abrüstung von Atomwaffen in Südasien einschließen
sollte. In der gegenwärtigen Konfrontation, in der beide Seiten
eine Million Soldaten an ihrer Grenze stationiert haben, sei der
Einsatz von Atomwaffen undenkbar. Fernandes bekräftigte, Indien
würde seine Atomwaffen niemals anders als zur Abschreckung
einsetzen. "Wir stehen zu unserer nuklearen Doktrin", sagte er.
Muslimische
Rebellen in Kaschmir schworen unterdessen die Fortsetzung ihres Kampfes
gegen die indische Herrschaft "bis zum letzten Blutstropfen". In
einer Erklärung machte der Chef einer Dachorganisation
islamistischer Gruppen in Kaschmir, Syed Salahuddin, die
"Unversöhnlichkeit der indischen Regierung" und die
Unfähigkeit der Vereinten Nationen, die Bevölkerung Kaschmirs
über ihre Zukunft abstimmen zu lassen, für den Konflikt
verantwortlich. Der Organisation United Jehad Council gehören 15
Gruppierungen an.
Die Vereinten
Nationen wiesen Mitarbeiter in der Region an, ihre Familien in
Sicherheit zu bringen. Die Angehörigen mehrerer hundert
Angestellter in beiden Ländern wurden angehalten, nach Hause zu
fliegen.
Nach Deutschland,
den USA, Großbritannien und Kanada rieten am Samstag auch
Frankreich und weitere westliche Länder von Reisen in die
Region ab und riefen ihre Bürger zur Ausreise aus Indien auf.
Entsprechende Warnungen für Pakistan sind in den meisten
Ländern schon vor längerem erlassen worden.
Angesichts eines
drohenden Atomkriegs zwischen Indien und Pakistan sollen die
Soldaten der internationalen Friedenstruppe in Afghanistan
notfalls evakuiert werden. Die beteiligten Staaten hätten bereits
ein Konzept ausgearbeitet, sagte Verteidigungsminister Rudolf
Scharping der "Bild am Sonntag". "Wir haben Pläne für
einen gemeinsamen Lufttransport aller Nationen", erklärte
der SPD-Politiker.
Das Lager der bei
Kabul stationierten deutschen Soldaten liegt etwa 500 Kilometer
von der Konfliktregion entfernt. "Natürlich beunruhigt mich die
Lage", sagte Scharping weiter. Immerhin handele es sich um zwei
Atommächte. Eine unmittelbare Gefahr für die Soldaten bestehe
aber nicht. "Jede voreilige Handlung wäre falsch."
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Die
Atommächte Indien und Pakistan sind hoch gerüstet.
Indien ist seinem
Nachbarn aber in Bezug auf Truppenstärke, Zahl der Panzer
und Flugzeuge sowie bei schweren Waffen überlegen. Über die
Zahl einsatzfähiger Atomsprengköpfe schweigen beide
Seiten. Sie wird von internationalen Experten aber auf mehrere
Dutzend auf beiden Seiten geschätzt. Indien unternahm 1974
und 1998 Atomtests, Pakistan 1998.
Indien hat hat
1,3 Millionen Männer und Frauen unter Waffen, Pakistan etwa
halb so viele. Indien wendet jährlich umgerechnet etwa 15
Milliarden Euro für sein Militär auf, Pakistan weniger
als 2,5 Milliarden Euro.
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In Kaschmir
gibt es zwei Konfliktherde
Im geteilten
Kaschmir führen gleich zwei Konfliktherde immer wieder zu
Gewalt: An der Grenze beschießen pakistanische und indische
Truppen einander, und im indischen Teil Kaschmirs kämpfen
Moslem-Milizen für den Anschluss an Pakistan. Indien wirft
Pakistan vor, die Separatisten zu unterstützen.
Krieg und Gewalt
begannen 1947 mit der Teilung Indiens, als die britischen
Kolonialherren Kaschmir trotz seiner moslemischen Bevölkerung
nicht dem islamischen Pakistan angliederten. Seitdem haben
Indien und Pakistan zwei ihrer drei Kriege um Kaschmir
geführt.
Die
Himalaya-Region Kaschmir ist 222 000 Quadratkilometer groß - das
sind fast zwei Drittel der Größe Deutschlands. Das
Gebiet hat zehn Millionen Einwohner. Das eigentliche Kaschmir ist
das Tal des Flusses Jhelum. Zu dem früheren Fürstentum
gehören auch die weiter südlich gelegene Region Jammu sowie
Ladakh im Osten.
Der indische
Bundesstaat Jammu und Kaschmir mit Ladakh macht zwei Drittel der
Fläche aus und hat sieben Millionen Einwohner. Pakistan
beherrscht ein Drittel, das es "Azad (freies) Kaschmir" nennt. Dort
leben drei Millionen Menschen. 1963 hat Pakistan einen kleinen
Teil der Region an China abgetreten, was von Indien aber nicht
anerkannt wird.
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Drei Kriege
zwischen Indien und Pakistan
Seit der Teilung
von Britisch-Indien im August 1947 haben Indien und Pakistan drei
Kriege geführt. 1948 und 1965 ging es um die Himalaya-Region
Kaschmir. 1971 wurde Ost-Pakistan mit Hilfe der indischen Armee
als Bangladesch unabhängig.
Erster
Kaschmirkrieg:
Im damals noch eigenständigen Fürstenstaat Kaschmir erhoben
sich 1947 moslemische Rebellen gegen den hinduistischen
Maharadscha Hari Singh. Als der Autokrat seine Herrschaft
bedroht sah, rief er Neu Delhi zu Hilfe und versprach als
Gegenleistung den Anschluss an die Union. Indien schickte am 27.
Oktober 1947 Truppen. Erst am 8. Mai 1948 griffen reguläre
pakistanische Verbände zu Gunsten der Rebellen in die
Kämpfe ein.
Schließlich
gelang es den Indern, den größeren südöstlichen
Teil Kaschmirs unter ihre Kontrolle zu bringen. Am 1. Januar
1949 trat ein von der UN vermittelter Waffenstillstand in Kraft. Im
Juli einigten sich die Parteien auf eine Trennungslinie, bis
heute die de-facto- Grenze in der Region. 1957 wurde der von Indien
besetzte Teil in die Republik Indien eingegliedert. Eine 1948
von den UN verlangte Volksabstimmung über die Zukunft des
mehrheitlich von Moslems bevölkerten Kaschmir hat der Hindu-Staat
Indien bis heute ignoriert.
Zweiter
Kaschmirkrieg:
Nach von Pakistan unterstützten Unruhen der moslemischen
Bevölkerung kam es vom 30. August bis 29. September 1965
zu schweren Luft- und Panzergefechten beider Armeen. Am 1.
September stießen die Pakistaner über die
Waffenstillstandslinie von 1949 vor. Fünf Tage später
überschritten die Inder die Grenze in Richtung auf die
pakistanische Provinzhauptstadt Lahore, wurden von den
zahlenmäßig unterlegenen Pakistanern jedoch mit
moderneren Waffen zurückgeschlagen. Die UN vermittelte eine
Waffenruhe ab 29. September. Die Truppen wurden erst nach
Vermittlung Moskaus hinter die alten Linien zurückgezogen. Im
Vertrag von Taschkent vom Januar 1966 vereinbarten beide Länder
wieder den Austausch von Botschaftern. Die Feindschaft blieb.
Krieg wegen
Ost-Pakistan:
Aus einem sechsmonatigen Bürgerkrieg der Ost-Pakistaner gegen
Truppen aus dem dominierenden West-Pakistan resultierte der
dritte Krieg zwischen den Nachbarländern. Auf
Scharmützel im ostbengalischen Grenzgebiet reagierte Pakistan am
3. Dezember mit Luftangriffen auf indische Flugplätze in
Kaschmir und Kampfhandlungen an der Westgrenze. Hier wie im Osten
erwiesen sich die Inder jedoch als weit überlegen.
Gemeinsam mit Aufständischen besetzten sie alle
größeren Städte im damaligen Ost-Pakistan. Am
16. Dezember kapitulierte das 90 000 Mann starke pakistanische
Kontingent im Osten, an der Westfront dauerten die Kämpfe
einen Tag länger. Mit der Niederlag
(Quellen:
dpa, rtr, ap)
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