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 last update: boa München, Di.11.06.2002 - 14:00 
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Di. 11.06.2002      

Jugendarbeitslosigkeit steigt überproportional

Nicht jeder ausbildungswillige Jugendliche
erhält eine Lehrstelle

Betriebe fahren ihr Angebot an Ausbildungsplätzen massiv zurück.
Kurzfristige Ausweitung der ABM geplant.

Zahl arbeitsloser Jugendlicher steigt um 15 Prozent. Als "Notnagel" will
     der Chef der Bundesanstalt für Arbeit, Gerster, die Zahl der staatlichen
     Arbeitbeschaffungsmassnahmen (ABM) erhöhen.
Arbeitslosigkeit stieg im Mai so stark wie seit Mai 1997 nicht mehr.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Zehntausende Lehrstellen fehlen

Di.11.06.02 - Die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen ist im Vergleich zum Vorjahr überproportional angestiegen. Sie erhöhte sich um 15,6 Prozent, während die Arbeitslosigkeit insgesamt nur um 6,1 Prozent anstieg, berichtete der Vorstandsvorsitzende der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster, am Montag vor Journalisten in Berlin. Grund für die schlechte Entwicklung ist die schwache Konjunktur. Die Betriebe fahren ihr Angebot an Lehrstellen massiv zurück. Bis Mai haben die Unternehmen 25 000 Ausbildungsplätze weniger gemeldet als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Zusammen mit einem Rückgang außerbetrieblicher Lehrstellen (minus 5000) liege damit das Angebot derzeit bei 485 000 gemeldeten Plätzen.

Gerster äußerte die Befürchtung, dass der zahlenmäßige Ausgleich zwischen Bewerbern und offenen Stellen nicht mehr gelingt. Damit ist auch das Ziel der Bundesregierung, dass jeder ausbildungswillige Jugendliche eine Lehrstelle bekommen soll, in diesem Jahr gefährdet.

Nach Auskunft des Chefs der Bundesanstalt für Arbeit (BA) befinden sich derzeit 300.000 Jugendliche in arbeitsmarktpolitischen Programmen der Bundesregierung. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Berufsvorbereitung, bei der Jugendliche auf eine Ausbildung vorbereitet oder direkt zu einem Berufsabschluss geführt werden. Im Mai wurden den Angaben zufolge 44.800 zuvor arbeitslose Jugendliche in Beschäftigungen am ersten, 31.100 am zweiten Arbeitsmarkt gefördert. Berufliche Weiterbildung nahmen 44.300 Jugendliche in Anspruch.

Eine zunehmende Zahl von arbeitslosen Jugendlichen verfügt über eine abgeschlossene Berufsausbildung. Ende Mai hätten fast die Hälfte der Arbeitslosen unter 25 Jahren eine abgeschlossene Ausbildung hinter sich, in den neuen Ländern seien es sogar 60 Prozent gewesen, berichtete Gerster.

Die "vergebliche Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz kann im Extremfall negative Auswirkungen auf das gesamte Erwerbsleben haben und zu einem Rückzug aus gesellschaftlichen und sozialen Bindungen und Werten führen", bemerkte Gerster am Montag vor Journalisten in Berlin.

Um der steigenden Arbeitslosigkeit von Jugendlichen - aber auch von Erwachsenen bis 55 Jahre - entgegen zu steuern, setzt die BA stärker auf staatliche Beschäftigungsförderung. Nach BA-Darstellung ist die Zahl der geförderten Arbeits- und Ausbildungsverhältnisse für junge Menschen vom Mai vorigen Jahres bis Mai 2002 um 20 000 auf 450 000 gestiegen.

Weil das Angebot an regulärer Beschäftigung ausbleibe, verpuffe auch ein Teil der Umschichtungen von Fördermitteln, die die Arbeitsämter für die Eingliederung Arbeitsloser in den ersten Arbeitsmarkt vorgesehen hätten. Aus diesem Grund will die BA nun drei Monate vor der Bundestagswahl bei den Arbeitsämtern darauf dringen, die Zahl der staatlichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) von derzeit 117 000 zu erhöhen, kündigte Gerster an, ohne eine Zielgröße zu nennen. Der Behörden-Chef nannte dieses Vorgehen einen "Notnagel".

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Keine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt

Di.11.06.02 - Ein unerwartet schwacher Frühjahrsaufschwung auf dem Arbeitsmarkt hat Hoffnungen der Bundesregierung auf eine Trendwende noch vor der Bundestagswahl gedämpft.

Wie die Bundesanstalt für Arbeit (BA) am Freitag in Nürnberg mitteilte, ging die unbereinigte Zahl der Arbeitslosen im Mai zwar erstmals in diesem Jahr unter die Vier-Millionen-Marke um knapp 78.000 auf 3,946 Millionen zurück. Saisonbereinigt wurde mit einer Zunahme um 60.000 jedoch der stärkste Anstieg seit fünf Jahren verzeichnet. BA-Chef Florian Gerster führte dies neben der schwachen Konjunktur unter anderem auf den Tarifkonflikt am Bau und die vielen Feiertage im Mai zurück.

Arbeitsminister Walter Riester (SPD) räumte ein, dass sich die Bundesregierung mehr erhofft habe. Alle Signale der Arbeitsmarktpolitik stünden aber auf Grün. Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye zeigte sich überzeugt, dass der wirtschaftliche Aufschwung den Arbeitsmarkt erreichen werde, wenn auch nicht in der gewünschten Schnelligkeit. Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) sagte, die Bundesregierung habe die Lage am Arbeitsmarkt "außerordentlich verschärft". Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt sprach von einem Beleg, "dass die Schönrederei der Bundesregierung nicht den Fakten entspricht". Die Grünen warfen der Bundesanstalt vor, sie habe Instrumente wie Job-Rotation und Eingliederungspläne nicht ausreichend in die Praxis umgesetzt.

Die übliche Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt setzte sich im Mai nur weitaus schwächer fort als in den Vorjahren. Die statistisch von jahreszeitlichen Einflüssen bereinigte Zahl der Arbeitslosen kletterte auf 4,042 Millionen. In Westdeutschland stieg die saisonbereinigte Zahl um 41.000 und in Ostdeutschland um 19.000. Einen derart hohen saisonbereinigten Anstieg hatte es zuletzt im Mai 1997 gegeben. Damals war eine Zunahme um 67.000 registriert worden. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt eine Zunahme um lediglich 8800 erwartet.

Auch der Rückgang der unbereinigten Arbeitslosenzahl fiel geringer aus als von der Bundesregierung und Experten erwartet. Mit 3,946 Millionen Arbeitslosen wurden zwar knapp 78.000 weniger registriert als im April, aber rund 225.600 mehr als im Mai 2001. Allerdings waren rund 57.000 weniger Menschen in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Die Arbeitslosenquote sank gegenüber April auf 9,5 von 9,7 Prozent. Bundeskanzler Gerhard Schröder wie auch Riester hatten sich in den vergangenen Wochen überzeugt geäußert, dass die unbereinigte Zahl deutlich unter vier Millionen sinken werde. Riester hatte bereits Mitte Mai gesagt, er erwartete "weit über 100.000" weniger Arbeitslose.

Erst im vierten Quartal dieses Jahres sei saisonbereinigt mit einem deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit zu rechnen, sagte Gerster. "Es wird Monate dauern, bis der Arbeitsmarkt von der an Fahrt gewinnenden Konjunktur mitgenommen wird." Für die unerwartet schlechte Entwicklung im Mai machte er neben der konjunkturellen Schwäche unter anderem den Tarifkonflikt am Bau verantwortlich. Dazu beigetragen hätten auch die vielen Feiertage. Darüber hinaus hätten sich viele Personen aus der Nichterwerbstätigkeit wieder arbeitslos gemeldet, die sich zuvor in Folge des Job-Aktiv-Gesetzes abgemeldet hätten.
 
 

(Quellen: epd, rtr, fr, jw)

 
 

Gutachter des ifo-Instituts für gezielte Verarmung von Arbeitslosen
Mehr in einem Bericht der in Berlin erscheinenden "junge welt" vom 15.05.02:
http://www.jungewelt.de/2002/05-15/001.php
 

Mi.06.03.02
Reform der Arbeitsverwaltung auf Kosten der Arbeitslosen?
"Politische Anstöße" des designierten Chefs der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster,sorgen für Ärger. Dieser hatte vorgeschlagen, Leistungen für ältere Arbeitnehmer zu kürzen.[ mehr... ]
 


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