B.O.A.-NACHRICHTEN
 last update: boa München, Mi.12.06.2002 - 14:00 
  [ Übersicht ] [ Ticker ] [ Medien-Termine ] [ Medien-Nachrichten ]
 

.
  zur Übersicht
Mi. 12.06.2002      

Inakzeptabel

Weltweit jedes sechste Kind zu Kinderarbeit gezwungen

Internationale Arbeitsorganisation (ILO) macht die Bekämpfung dieses Übels zu ihrem zentralen Anliegen und erklärt den 12. Juni erstmals zum Welttag gegen Kinderarbeit.

246 Millionen Kinder arbeiten unter inakzeptablen Bedingungen. Dies geht aus
     einer Studie der ILO hervor.
Kinderschutzbund beklagt Kinderarbeit in Deutschland.
Kinderarbeit - Begriffsdefinition und Schlüsselzahlen
Die UN-Kinderechtskonvention
 
 
 
 
 
 
 
 
 

°

[ zurück ]   [ Ticker ]   [ nach oben ]   

ILO macht auf die Ausbeutung von Kindern aufmerksam

Mi.12.06.02 - Mit dem ersten weltweiten Aktionstag gegen Kinderarbeit will die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) an diesem Mittwoch auf Millionen Kinder aufmerksam machen, die arbeiten müssen. Mit diesem Tag, der künftig alljährlich stattfinden soll, will die Organisation gleichzeitig den weltweiten Kampf gegen Kinderarbeit verstärken.

Trotz weltweiter Ächtung der Kinderarbeit ist jedes sechste Kind zwischen fünf und siebzehn Jahren zu inakzeptabler Arbeit gezwungen, wie aus einer Studie der ILO hervorgeht [ 1 ] . Zu inakzeptabler Arbeit zählt die ILO Tätigkeiten, die von Kindern unter fünfzehn Jahren ausgeführt werden, sowie solche, die die Gesundheit eines Kindes gefährden. Ebenfalls dazu gehören sexuelle Ausbeutung, Drogenhandel, Leibeigenschaft und Zwangsrekrutierung. 179 Millionen Kinder sind zu solchen schlimmsten Formen gezwungen.

In Brasilien etwa seien Arbeitstage von 15 Stunden an sieben Tagen in der Woche seien keine Seltenheit, hielt Terre des Hommes fest. Manche Mädchen seien jünger als 10 Jahre, wenn sie ihre erste Arbeitsstelle in einem Haus antreten.

Nach Berechnungen des Kinderhilfswerks UNICEF gehen in Afrika südlich der Sahara knapp 41 Prozent aller Kinder zwischen fünf und 14 Jahren regelmäßig einer Arbeit nach. Die ILO schätzt, dass ihre Zahl bis zum Jahr 2015 auf hundert Millionen steigt. Das sind mehr als die Arbeitskräfte Deutschlands, Großbritanniens und Frankreichs zusammen.

Die meisten von ihnen schuften für Hungerlöhne. Nicht selten werden sie an ihre Arbeitgeber von ihren eigenen Eltern vermittelt. Besonders verbreitet ist der Verkauf von Kindersklaven in den ärmsten Ländern Westafrikas wie Benin, Mali und Togo. Für umgerechnet 15 Euro verkaufen Eltern dort ihre Kinder an Menschenhändler in dem Glauben, sie könnten sich auf den Plantagen reicherer Nachbarländer das Geld für eine Schulausbildung zusammensparen.

Dramatisch steigen jedoch auch die Zahlen der Kinder auf dem so genannten informellen Arbeitsmarkt. So berichtet eine nigerianische Kinderschutzorganisation über die Straßenkinder in der Wirtschaftsmetropole Lagos: "Tagsüber arbeiten sie als Lastenträger und Müllsammler, andere betteln oder führen blinde Bettler, andere leben von Diebstahl."

Der Welttag gegen Kinderarbeit habe zum Ziel, den weltweiten Kampf zu verstärken, erklärte ILO-Generaldirektor Juan Somavia. Jedes Kind solle eine normale Kindheit haben, bei guter Gesundheit sein und zur Schule gehen können. Dabei dürfe nicht vergessen werden, das die Eltern eine angemessene Arbeit haben sollten.

Die ILO-Konvention über die schlimmsten Formen von Kinderarbeit von 1999 wurde von 123 Mitgliedstaaten angenommen. Die ILO hält gegenwärtig ihre Jahreskonferenz in Genf ab. In der ILO sind Regierungen, Arbeitgeberverbände sowie Gewerkschaften vertreten. Der Aktionstag soll ab jetzt jedes Jahr am 12. Juni stattfinden.

Die Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" wies anlässlich des heutigen Aktionstages gegen Kinderarbeit darauf hin, dass rund 170 Millionen Kinder in der Landwirtschaft arbeiten müssen, was fast 70 Prozent der gesamten Kinderarbeit ausmache. "Kinderarbeit in der Landwirtschaft übertrifft bei weitem die Zahl derjenigen Kinder, die Teppiche weben oder Fußbälle nähen müssen, was die meiste Aufmerksamkeit der Medien auf sich zieht," hieß es einer am Dienstag in New York veröffentlichten Erklärung.
 
 

[ 1 ] Die ILO hat einen Bericht über den derzeitigen Stand der Kinderarbeit weltweit, über die öffentliche Wahrnehmung und Bewertung des Phänomens Kinderarbeit sowie die Perspektiven für "eine Zukunft ohne Kinderarbeit" fertiggestellt.

Der Bericht "Eine Zukunft ohne Kinderarbeit" (ISBN: 92-2-712416-0, Preis: Euro 13, 161 Seiten) kann über die ILO-Vertretung Deutschland bezogen werden. Kontakt: Monika Meisterernst (meisterernst@ilo.org).
 
 


°

Die Internationale UN-Kinderechtskonvention erkennt im Artikel 32 das Recht des Kindes an, "vor wirtschaftlicher Ausbeutung geschützt und nicht zu einer Arbeit herangezogen zu werden, die Gefahren mit sich bringen, die Erziehung des Kindes behindern oder seine körperliche, geistige, seelische, sittliche oder soziale Entwicklung schädigen können."

Die UN-Kinderrechtskonvention im Wortlaut. Texte in amtlicher Übersetzung:
http://www.kinderpolitik.de/bibliothek/content/3_1.htm
 
 


°

[ zurück ]   [ Ticker ]   [ nach oben ]   

Kinderarbeit auch in Deutschland

Mi.12.06.02 - In Deutschland gibt es dem Kinderschutzbund zufolge trotz Verbots Kinderarbeit. Der Geschäftsführer des Verbandes, Walter Wilken, forderte am Mittwoch im Mitteldeutschen Rundfunk stärkere Kontrollen der Behörden und die volle Ausschöpfung von Bußgeldern zur Bekämpfung von Kinderarbeit. Insgesamt geht der Kinderschutzbund von 500.000 Jungen und Mädchen unter 15 Jahren aus, die illegal in der Bundesrepublik arbeiten würden.

Das Problem der Kinderarbeit könne in Deutschland nicht gelöst werden, da das öffentliche Bewusstsein nicht ausreichend geschärft sei und die staatliche Gewerbeaufsicht zu wenig Personal habe, sagte Wilken dem MDR zufolge. So könnten Unternehmen ziemlich risikolos illegal Kinder beschäftigen. "Auf Baustellen, im Gaststättengewerbe, in Super- und Getränkemärkten oder in der Landwirtschaft" erfolge der Einsatz von Kindern als Arbeitskräfte.

Als Folge der Kinderarbeit seien die Betroffenen in der Schule nicht mehr so konzentrationsfähig, würden über körperliche Schmerzen klagen und besäßen schlechtere Bildungschancen sowie weniger soziale Kontakte, erklärte Wilken.

°

[ zurück ]   [ Ticker ]   [ nach oben ]   

Was ist Kinderarbeit?

Nach ILO-Definition umfaßt der Begriff Kinderarbeit nicht alle wirtschaftlichen Aktivitäten, die von Kindern unter 18 Jahren verrichtet werden. Arbeiten, bezahlt oder unbezahlt, die dem Alter und der Reife der Kinder entsprechen, können durchaus dazu beitragen, sich Fähigkeiten anzueigen, die dem eigenen Wohlbefinden und der persönlichen Reife dienen. Auch können sie die Einkommenssituation der Familie verbessern. Voraussetzung ist hierbei, dass sie nach dem Unterricht und nach Erledigung der Hausaufgaben verrichtet werden. Die zur Abschaffung bestimmte Kinderarbeit läßt sich in drei Kategorien gliedern:

1)
Arbeit, die von einem Kind verrichtet wird, welches das für diese Tätigkeit vorgeschriebene Mindestalter noch nicht erreicht hat (wie es die innerstaatliche Gesetzgebung in Übereinstimmung mit anerkannten internationalen Normen vorsieht), und die infolgedessen die Bildung, Ausbildung und Entwicklung des Kindes zu beeinträchtigen droht.

2)
Arbeit, die die körperliche, geistige oder seelische Gesundheit von Kindern gefährdet, und zwar entweder aufgrund ihrer Natur oder aufgrund der Umstände, unter denen sie verrichtet wird (gefährliche Arbeit).

3)
Die unbestreitbar schlimmsten Formen der Kinderarbeit, und zwar der internationalen Definition zufolge Sklaverei, Menschenhandel, Schuldknechtschaft und andere Formen der Zwangsarbeit, Zwangsrekrutierung von Kindern für den Einsatz in bewaffneten Konflikten, Prostitution und Pornographie und unerlaubte Tätigkeiten.

Schlüsselzahlen zur Kinderarbeit:

Kinder mit wirtschaftlicher Aktivität (5-17 Jahre): 352 Mio.

Abzuschaffende Kinderarbeit: 246 Mio.

Gefährliche Kinderarbeit (5-17 Jahre): 178 Mio.

Gefährliche Kinderarbeit (5-14 Jahre): 111 Mio.

Schlimmste Formen: 8,5 Mio

"Der Hauptgrund für ausbeuterische Kinderarbeit sind die niedrigeren Kosten:
Kinder sind billige Arbeitskräfte, leicht zu disziplinieren und nicht organisiert. "
(terre des hommes)

 
 

Aktuelles und Hintergrundinformationen zum Thema
Abrufbar im Internet unter:
http://www.oneworldweb.de/tdh/themen/kiarb.html

Internationale Arbeitsorganisation (ILO)
http://www.ilo.org/public/german/region/eurpro/bonn/

Kinderhilfsorganisation terre des hommes
http://www.tdh.de/

Deutscher Kinderschutzbund
http://www.dksb.de/

Human Rights Watch
http://www.hrw.org/
 
 

(Quellen: dpa, tdh, ilo, sda)

 
 

[ zurück ]   [ Ticker ]   [ nach oben ]   


  zur Übersicht


 

PicoSearch

| Nachrichtenticker |

 | kunst&kult | philosophie | wissenschaft | gesellschaft | diverses | öko | medien | links

| home | home(no frame) |

B.O.A.-Künstlerkooperative
Gabelsbergerstr.17, D-80333 München, Telefon/Fax : 089- 280621,
boa-kuenstlerkooperative@t-online.de


FastCounter by bCentral