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Do. 20.06.2002      

Nach schweren Attentaten in Jerusalem

Prominente Palästinenser fordern Ende der Selbstmordanschläge gegen Israel

Anschläge würden 'Feinde des Friedens' stärken. Acht Tote bei neuem Selbstmordanschlag in Jerusalem. Israelische Armee rückt in mehrere palästinsensische Städte ein und droht mit langfristiger Besetzung.

Nach Kritik an ihrem Schweigen rufen führende Palästinenser zur Beendigung
     der Selbstmordkommandos gegen israelische Zivilisten auf. Der prominente
     libanesische Schriftsteller Elias Khoury beklagt die Furcht arabischer
     Intellektueller, ihre Kritik an den palästinensischen Selbstmordattentaten
     öffentlich zu äußern.
Jerusalem: Acht Tote bei neuem Selbstmordanschlag. Isralisches Kabinett
     beschliesst langfristige Besetzung von Palästinenser-Gebieten. Armee greift
     Ziele im Gazastreifen an.
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Attentate verurteilt

Do.20.06.02 - Nach Kritik an ihrem Schweigen haben erstmals 55 palästinensische Akademiker, Schriftsteller und Mitglieder der Autonomiebehörde öffentlich zu einem sofortigen Ende der Selbstmordanschläge gegen Israel aufgerufen. Sie begründen ihren Aufruf mit ihrer nationalen Verantwortung und der Abwehr der Gefahren für die Palästinenser. "Wir glauben nicht, dass solche Anschläge die Palästinenser zu Freiheit und Unabhängigkeit führen, sondern nur die Zahl jener Länder vergrößern, die Israels Besetzung der Palästinensergebiete unterstützen", heißt es in dem am Mittwoch in der palästinensischen Tageszeitung "Al Quds" veröffentlichten ganzseitigen Appell. Die Unterzeichner, darunter die Parlamentsabgeordnete Hanan Aschrawi und der PLO-Beauftragte für Jerusalem, Sari Nusseibeh, fordern die "Hintermänner" der Anschläge auf, keine jungen Männer mehr zu Selbstmordkommandos gegen israelische Zivilisten einzusetzen. Die Anschläge würden "die Feinde des Friedens" stärken und "der aggressiven Regierung" des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon einen Vorwand lieferen, "seinen unbarmherzigen Krieg gegen unser Volk" zu führen.

Zuvor hatte der prominente libanesische Schriftsteller Elias Khoury die Furcht arabischer Intellektueller beklagt, ihre Kritik an den palästinensischen Selbstmordattentaten öffentlich zu äußern. In einem Gespräch mit der in Hamburg erscheinenden Wochenzeitung "Die Zeit" (Donnerstag-Ausgabe) machte Khoury, dafür vor allem die Zensur und Einschüchterungspraxis der arabischen Militärregimes verantwortlich.

"Die Machthaber terrorisieren die Intellektuellen, indem sie sie vor die Wahl stellen: Entweder befürworten sie das Militärregime, oder man droht ihnen mit der islamischen Gefahr." Tatsächlich aber, so fasst Khoury die Lage zusammen, sei "der Feind der Freiheit die Diktatur, nicht der Islam".

Auch den Ursprung der Selbstmordattentate sieht Khoury nicht im Islam. Das glaube nur der Westen, sagte er. "Dabei war es die linke nationale Bewegung, die damit begann." In einer Performance, die vom 26. bis 28. Juni auf dem Festival "Theater der Kulturen der Welt" in Bonn aufgeführt wird, zeigt Khoury das Videoband von einem Selbstmordattentäter der libanesischen Kommunistischen Partei. Er wolle damit eine Debatte um das Tabu-Thema anregen, "das aber nicht auf der Heiligkeit des Märtyrertums beruht".

Einen weiteren Grund für die Zurückhaltung kritischer arabischer Intellektueller in der westlichen Öffentlichkeit sieht er in den Vorurteilen des Westens: "Man wird gezwungen, Positionen einzunehmen, gegen die man immer gekämpft hat. Ein Intellektueller, der sein ganzes Leben damit verbracht hat, die arabischen Regime zu kritisieren, muss diese plötzlich verteidigen."

Khourys jüngstes Buch "Yalo" ist in einigen arabischen Ländern verboten. "In dem Roman geht es um die arabischen Gefängnisse und ihre Foltermethoden, also den Versuch der arabischen Regierungen, ihre Bürger zu demoralisieren", meinte Khoury.

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Acht Tote bei neuem Selbstmordanschlag in Jerusalem

Do.20.06.02 - In Jerusalem hat sich erneut ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt und dabei mindestens sieben Menschen mit in den Tod gerissen. Zu dem Anschlag bekannten sich die Märtyrer der El-Aksa-Brigaden, die der Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Jassir Arafat nahe stehen. Die israelische Armee rückte daraufhin in mehrere palästinensische Städte ein. Israel griff noch am Abend mehrere Ziele im Gazastreifen mit Kampfhubschraubern und Kampfflugzeugen an.

Mindestens 40 Menschen wurden bei dem Anschlag in einem jüdischen Viertel verletzt, acht von ihnen schwer. Der Attentäter rannte auf eine Bushaltestelle im jüdischen Stadtteil French Hill zu und zündete dann seinen Sprengsatz. Das Viertel liegt im Norden Jerusalems nahe der Grenze zum arabischen Ostteil.

Erst am Dienstag hatte ein Palästinenser 19 Israelis in Jerusalem getötet. Nach diesem Anschlag veröffentlichte das Büro von Israels Premier Ariel Scharon im Anschluss an eine Sitzung des Sicherheitskabinetts eine Stellungnahme, in der es heißt: "Auf terroristische Aktionen wird Israel mit der Besetzung von Gebieten der palästinensischen Autonomiebehörde reagieren. Diese Gebiete werden solange besetzt gehalten, solange der Terror andauert. Die US-Regierung äußerte Verständnis für die israelischen Pläne.

Israel erwägt zudem die Ausweisung führender Palästinenser mit Ausnahme von Präsident Jassir Arafat. Der rechtsgerichtete Polizeiminister Usi Landau forderte, die gesamte Autonomiebehörde zu stürzen und alle politischen Führer der Palästinenser auszuweisen. Der linksliberale israelische Oppositionsführer Jossi Sarid (Merez- Partei) verurteilte die umstrittene neue Politik Scharons und brachte ein Misstrauensvotum in der Knesset ein. Kritik an der Entscheidung kam auch aus Reihen der Koalition. Industrieministerin Dalia Izik bemängelte öffentlich, dass die Entscheidung nicht von der zuständigen Ministerrunde getroffen worden sei.

In der Nacht übernahm die israelische Armee die Kontrolle über die Städte Nablus und Kalkilija im Westjordanland sowie über Dschenin und das benachbarte Flüchtlingslager. Aus Nablus rückte die Armee nach wenigen Stunden wieder ab.

In Israel wurden innerhalb von 24 Stunden 1200 Palästinenser festgenommen, die sich ohne Genehmigung auf israelischem Gebiet aufhielten. Die meisten von ihnen seien ins Westjordanland abgeschoben worden, der Rest müsse sich vor Gericht verantworten, hieß es.

Arafat verurteilte die Selbstmordanschläge am Mittwochabend mit scharfen Worten. Er forderte die Extremisten zur sofortigen Beendigung ihrer Angriffe gegen Israel auf. In einer am Abend in Gaza veröffentlichten Erklärung bekräftigte Arafat, die Anschläge hätten nichts mit dem "legitimen Recht auf Widerstand gegen die Besatzung" zu tun und böten Israel einen Vorwand zur "Eskalation der Gewalt". Die Autonomiebehörde habe "im nationalen Interesse" bereits Maßnahmen gegen Terrorattacken eingeleitet. Israel hat den Palästinenserführer erneut für die Anschläge verantwortlich gemacht.

Der palästinensische Minister Sajeb Erakat verurteilte derweil die israelischen Militäraktionen aufs Schärfste und forderte die internationale Gemeinschaft auf, einzuschreiten.

Unterdessen haben Ägypten, Jordanien und Syrien die von US- Außenminister Colin Powell geäußerte Vorstellung eines palästinensischen "Übergangsstaates" abgelehnt. Ein Staat Palästina könne nur ausgerufen werden, wenn die Palästinenser Unabhängigkeit und vollständige Souveränität bekämen, hieß es nach Gesprächen Präsident Husni Mubaraks mit König Abdullah II. in Amman und dem syrischen Präsidenten Baschar el Assad in Damaskus.
 
 

(Quellen:ap, dpa, afp, rtr, sz, taz)

 
 

Mi.19.06.02
Zwanzig Tote bei Selbstmordanschlag in West-Jerusalem
Israel erwägt Ausweisung führender Palästinenser. Ex-CDU-Minister Blüm hat das Vorgehen der israelischen Armee erneut als Vernichtung dargestellt. Paul Spiegel: "Unfassbar und eine Beleidigung sämtlicher Holocaust-Opfer".

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