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Di.
25.06.2002
"Kultur der Ausgrenzung" Nach Unterzeichnung des Zuwanderungsgesetzes: Ausreisezentren kommen Diese Zentren sind Abschiebelager für abgelehnte Asylbewerber in denen sie mit psychischem Druck zur Ausreise gebracht werden sollen.
"Abschiebegefängnis light" Di.25.06.02 - Menschenrechtler nennen sie "Abschiebelager". Behörden sprechen von "Ausreisezentren" - im Zuwanderungsgesetz das Bundespräsident Rau am Donnerstag unterschrieben hat, steht auch ein Instrument, das bisher kaum bekannt ist: spezielle Unterkünfte, in denen abgelehnte Asylbewerber zur Ausreise gebracht werden sollen. Die Länder dürfen selbst entscheiden, ob sie solche Heime bauen oder nicht. Bayern will es tun. Da "immer mehr Personen ihre Rückführung erschweren, bedarf es neuer Instrumente", so das bayerische Innenministerium. Abgeschoben werden kann nur, wessen Herkunftsland feststeht. Und dieses Schweigen wollen die Behörden brechen, laut Innenministerium durch strenge Wohnpflicht im "Ausreisezentrum" und durch regelmäßige Befragungen. Die Insassen sollen auch psychisch geschwächt werden. Wie Dietmar Martini-Emden, Leiter des Ausländeramtes in Trier, sagt, versetzen die Umstände in den Ausreisezentren "die Menschen in eine Stimmung der Hoffnungslosigkeit". Sie schlössen "zwischen dem Druckmittel Abschiebehaft und letztlich Kapitualation eine wichtige Lücke". Menschenrechtler beklagen dagegen die "Repressionsmethoden" der Ausreisezentren. Mehrere Gruppen beobachteten Testläufe in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinlandpfalz und stellten fest: Den Insassen war jede sinnvolle Beschäftigung, wie Arbeit oder Deutschkurse, verboten; sie schliefen auf Pritschen, das Personal durchwühlte ihre persönlichen Sachen. In Nordrhein-Westfalen beging ein Insasse Selbstmord, bei Trier musste ein Insasse seinen Penis vorzeigen - weil daran seine Religion erkannt werden sollte. Wo die Lager in Bayern gebaut werden sollen, steht noch nicht fest. Im Gespräch ist Nordbayern, aber auch München. Der bayerische Flüchtlingrat vermutet, dass in München die Asylbewerberheime am Schwankartweg in Riem oder in der Untersbergstraße in Frage kommen. Auch die Grünen-Abgeordnete im bayerischen Landtag, Elisabeth Köhler, tippt auf den Schwankartweg: "Dort gibt es einen strengen Wachdienstt und auch schon Abschiebungs-Testläufe." Durch die Umwidmung bereits bestehender Unterkünfte für AsylbewerberInnen in "Ausreisezentren" lassen sich mit geringem finanziellen Aufwand sehr viel mehr Menschen an wenigen Orten konzentrieren und unter Druck setzen, als dies mit der Abschiebehaft bisher möglich ist. Dass die
Bundes-Grünen die "Ausreiselager" im Zuwanderungsgesetz
billigten, kann Köhler nicht verstehen: "Ich hätte
das nicht mitgetragen." INGELHEIM - Am Samstag 29. Juni, wird es zu einer Demonstration kommen, zu der nach Angaben der Veranstalter mehr als 50 Gruppen aufgerufen haben. Sie
beginnt um 14 Uhr am Bahnhof und steht unter dem Motto: "Keine Festung
Europa! Abschiebeknäste und Ausreisezentren abschaffen!" In
Ingelheim (Rheinland-Pfalz) existiert seit drei
Jahren ein Ausreisezentrum sowie seit dem letzten Jahr ein
Abschiebegefängnis für 150 Menschen. Mit der Demonstration
wollen die beteiligten Gruppen nach eigenen Angaben
"das Schweigen über eine zentrale Facette in
der Kultur der Ausgrenzung durchbrechen und auf die Situation der
Flüchtlinge in Ingelheim aufmerksam machen". Dokumentationsseite
Ausreisezentren Landtags-
Anfrage der Abgeordneten Elisabeth Köhler (Grüne) und Mo.24.06.02 Di.26.03.02 Mo.25.03.02 Mi.27.02.02
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