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Mi.
26.06.2002
"Tötet Möllemann!" Strafverfahren gegen
Schlingensief Düsseldorfer Staatsanwaltschaft wirft dem Theaterprovokateur Volksverhetzung vor. Schlingensief habe in einer symbolischen Aktion dazu aufgefordert, bei FDP-Veranstaltungen als "Selbstmordattentäter" aufzutreten. Berliner Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen Möllemann wegen Volksverhetzung ein.
Theaterprovokateur Schlingensief bekommt Ärger Mi.26.06.02 - Mit seinen Aktionen gegen FDP-Vize Jürgen Möllemann hat sich Theaterprovokateur Christoph Schlingensief ein Strafverfahren eingehandelt. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen Volksverhetzung und der Verwendung von Symbolen verfassungswidriger Organisationen auf Schlingensiefs Internet-Seite "http://www.aktion18.de"ein, sagte ein Sprecher. Auf der Homepage würden anti-jüdische Plakate und Musik aus der NS-Zeit präsentiert. Außerdem habe Schlingensief in einer symbolischen Aktion dazu aufgefordert, bei FDP-Veranstaltungen als "Selbstmordattentäter" aufzutreten. Den entsprechenden Link habe er inzwischen gelöscht und durch den Vermerk "Zensiert" ersetzt. Möllemann warf Schlingensief vor, mit der Homepage "in unzumutbarer Weise mein Bild wie auch das FDP-Logo" zu missbrauchen. Er werde deshalb juristische Schritte zur Unterlassung einleiten: "Es gibt Grenzen der Kunstfreiheit." Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Cem Özdemir, distanzierte sich von einer Schlingensief-Aktion im Duisburger Theater, an der er am Sonntag teilgenomen hatte. Der Auftritt, bei dem der Regisseur auf einem Möllmann-Foto herumgetrampelt war, sei "geschmacklos", erklärte Özdemir am Dienstag. "Nicht alles, was sich die Kunst erlaubt, ist für die Politik akzeptabel". Möllemann wertete am Dienstag in Düsseldorf einen Aufruf Schlingensiefs im Duisburger Theater, den FDP-Politiker zu töten, als öffentliche Aufforderung zu Straftaten gemäß Paragraf 111 des Strafgesetzbuches. Er erwarte, dass die Staatsanwaltschaft sich auf Grund dieses Offizialdelikts mit der "ungeheuren Entgleisung" des Theatermannes befasse, erklärte Möllemann. Immerhin sei der selbst ernannte Kalif von Köln, Methin Kaplan, wegen Aufrufs zum Mord zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Man könne über den "schwerwiegenden und gefährlichen Aufruf" Schlingensiefs nicht einfach hinweggehen. "Unser demokratisches System duldet solche Aufforderungen nicht", sagte Möllemann. Auf die Frage, ob er sich bedroht fühle, antwortete Möllemann: "Ich fühle mich in meinen Rechten verletzt. Was daraus wird, wird sich zeigen." Möllemann erinnerte daran, dass Schlingensief 1997 bei der Documenta in Kassel nach dem Ausruf "Tötet Kohl" auf offener Bühne von der Polizei festgenommen worden sei. Der stellvertretende FDP-Vorsitzende wies darauf hin, dass der Künstler am Montag in Düsseldorf vor Möllemanns Firma mit einem Bus vorgefahren war, auf dem "Tötet Sharon" plakatiert gewesen sei. "Zu wessen Tötung ruft er morgen auf", fragte Möllemann. Schlingensief hat bei seiner Aktion mit drastischen Mitteln gegen FDP-Parteivize Jürgen Möllemann und dessen israel-kritische Äußerungen [1] demonstriert. Vor der Firma des Politikers verbrannte der Künstler eine Strohpuppe, zerriss FDP-Wahlplakate und kippte tote Fische in ein mitgebrachtes Klavier. Die so genannte "Aktion 18" war Teil des Festivals "Theater der Welt". FDP-Vize Möllemann warf der Landesregierung vor, die Aktion Schlingensiefs mitfinanziert zu haben. Das Kulturministerium habe das Festival "Theater der Welt" mit rund 750 000 Euro gefördert. Kulturminister Michael Vesper (Grüne) sagte, die Förderentscheidung sei gefallen, als von einer Beteiligung Schlingensiefs noch gar nicht die Rede gewesen sei. Schlingensief habe sich erst kurz vor Toresschluss aufgedrängt und sei von der Festivalleistung engagiert worden. Er selbst habe sich frühzeitig von der Teilnahme Schlingensiefs wegen einer geplanten Bücherverbrennung distanziert, sagte Vesper. Ermittlungen gegen Möllemann wegen Volksverhetzung eingestellt Die Berliner
Staatsanwaltschaft hat laut FDP das Strafermittlungsverfahren
gegen Parteivize Jürgen Möllemann wegen angeblicher
Volksverhetzung eingestellt. Es habe "offenkundig" keinen Tatverdacht
gegeben, teilte ein Sprecher der nordrhein-westfälischen FDP
mit. Grünen-Chefin Claudia Roth hatte den NRW-Landeschef
wegen dessen Angriffen auf den Vizepräsidenten des
Zentralrats der Juden, Michel Friedman, angezeigt.
Möllemanns Anwältin warf Roth vor, sie habe die Justiz
für politischen Zwecke instrumentalisieren wollen. Möllemann tobt, Staatsanwälte ermitteln Mit seiner
"Aktion 18" hat es Christoph Schlingensief tatsächlich geschafft,
Jürgen Möllemann aus der Reserve zu locken und auf die Palme
zu bringen. Mehr unter: "Die Wahrheiten des Christoph Schlingensief liegen manchmal auf der Straße, manchmal sind sie schmutzig und stinken wie fauler Fisch. Schlingensief hat den Fisch und dazu eine Menge Gänsefedern, leere Patronenhülsen und Waschpulver im Vorgarten des Möllemann-Firmensitzes verteilt und am Ende eine Puppe mit einem Foto Ariel Scharons in Brand gesetzt. Die bereit stehende Polizei löschte den kleinen Brand mit einem Handfeuerlöscher, während sich Schlingensief auf einer stillen, feinen Wohnstraße in Düsseldorf, unter großen, Schatten spendenden Bäumen zum Haus umwandte und wütend ausstiße: "Ich verfluche dich, Möllemann, du hast mich zutiefst verletzt. Ich verfluche dich." Es war der theatralische Höhepunkt des extrem-satirischen, mit plakativ-verworrener Symbolik befrachteten Feldzuges, den Schlingensief gegen den FDP-Landesvorsitzenden Jürgen W. Möllemann bei "Theater der Welt" führt. Einem Kampf der Bilder, mit dem Schlingensief Möllemann stoppen will; verhindern will, dass jemand "der kein Antisemit ist, aber Antisemitismus für seine Zwecke benutzt", einmal Außenminister einer von wem auch immer geführten Bundesregierung wird." Harald
Hordych in der Süddeutschen Zeitung vom 26.06.02 Christoph
Schlingensief Theater
der Welt 2002 Schlingensief
schlägt zurück Christoph
Schlingensief lässt sich nicht einschüchtern. Auch nach der
verbalen Attacke des von ihm provozierten FDP-Vizechefs Jürgen
Möllemann verteidigt der Regisseur seine jüngsten
Protest-Aktionen und ruft seine Künstlerkollegen auf, ebenfalls
aktiv zu werden. Nach der Wahl sei es zu spät, etwas zu
unternehmen, mahnte Schlingensief. Mehr unter: [1]
"Ich würde mich auch wehren!" Mo.13.05.02 Do.16.05.02 Mo.27.05.02 Mi.05.06.02 Do.06.06.02 Mo.17.06.02 DeutschlandRadio
Extra zur Kontroverse zwischen FDP und Zentralrat:
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