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 last update: boa München, Fr.28.06.2002 - 14:00 
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Do. 27.06.2002      

Rückschläge

2001 war schlechtes Jahr für Entwicklungsländer

Laut UN-Wirtschaftsüberblick mussten Entwicklungsländer überproportionale Wachstumseinbußen hinnehmen

Zu den am schlimmsten betroffene Länder zählen Argentinien, Irak, Simbabwe
     und die Türkei.
Ursachen der Armut in der Dritten Welt: Mangelnde Bildung und Krankheiten
Weltwirtschaftsgipfel der G-8 im kanadischen Kananaskis vereinbart
     Afrika-Aktionsplan ohne zusätzliche Finanzpakete. Der G-8-Gegengipfel in
     Mali kritisiert den Plan.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Dramatische Wachstumseinbrüche

Fr.28.06.02 - Entwicklungsländer rund um den Globus haben im vergangenen Jahr überproportionale Wachstumseinbußen hinnehmen müssen. In vielen Staaten waren die Rückschläge sogar noch dramatischer als während der "Asienkrise" Ende der Neunzigerjahre. Dies sind die Ergebnisse des jährlichen Wirtschaftsüberblicks der Vereinten Nationen, der gestern in New York veröffentlicht wurde ("World Economy 2002"). Nachdem die durchschnittliche Wachstumsrate der Entwicklungsländer im Jahre 2000 noch bei 5,8 Prozent gelegen hatte, erfolgte 2001 der Einbruch auf 2 Prozent. Zu den am schlimmsten betroffenen Ländern zählen Argentinien mit minus 4,5 Prozent, der Irak (minus 6), Simbabwe (minus 7,5) und die Türkei mit minus 8.

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Ursachen der Armut: Mangelnde Bildung und Krankheiten

Fr.28.06.02 - Bildungsmangel und Infektionskrankheiten sind nach Expertenmeinung zwei Hauptgründe für die Armut in der Dritten Welt. "Eine Grundausbildung ist der Sockel für die Entwicklung eines Landes und damit für seine Wirtschaft und seinen Wohlstand", sagt Herbert Bergmann von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ).

"Wer nicht lesen und schreiben kann, wird übers Ohr gehauen, kann weder einen Computer bedienen noch einen Kleinbetrieb aufbauen", ergänzt der GTZ-Bildungsexperte. Weltweit können 876 Millionen Menschen im Alter über 15 Jahren nicht lesen, stellte die UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) fest. 120 Millionen Kinder im Grundschulalter, davon etwa 60 Prozent Mädchen, bekommen keinen Unterricht, berichtet das UN-Kinderhilfswerk UNICEF. Im südlichen Afrika sind das etwa 40 Prozent.

"Die Hauptverantwortung für die Bildungsmisere tragen die Entwicklungsländer selbst, sie definieren ihre Politik und gestalten ihre Haushalte", sagt Bergmann dazu. Andererseits hätten es die Industrieländer über Jahre versäumt, ihre Entwicklungshilfe an der richtigen Stelle zu investieren. "Der Grundschulbereich hatte nie Prestige, deswegen flossen die Gelder vor allem in die Förderung von Hochschul- und Berufsbildung". Als weitere Ursache für die Bildungsmisere in der Dritten Welt nannte er zu hohe Militärausgaben, Investitionen in prestigeträchtige Projekte wie Staudämme oder übergroße Krankenhäuser und Korruption.

Bildung und damit Aufklärung sind zudem wirksame Mittel im Kampf gegen Infektionskrankheiten. Weltweit sterben jährlich etwa sechs Millionen Menschen an Aids, Tuberkulose und Malaria. Vor allem in Staaten südlich der Sahara machen sie die Menschen arbeitsunfähig und belasten ihre Familien mit hohen Kosten für Pflege und Medikamente. Wirtschaft und damit Wohlstandschancen leiden darunter.

AIDS: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leben 40 Millionen Menschen weltweit mit dem Virus, davon 28,1 Millionen im südlichen Afrika. Dort sind im vergangenen Jahr 2,3 Millionen an AIDS gestorben, weitweit waren es drei Millionen. Experten rechnen mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um mehr als 20 Prozent in den am stärksten betroffenen Ländern bis zum Jahr 2020.

TUBERKULOSE: Daran sind nach WHO-Schätzungen 35 Prozent der Bevölkerung in Afrika erkrankt. Weltweit gelten 8,7 Millionen Menschen infiziert. Weltweit sterben an der Krankheit schätzungsweise jährlich 3 Millionen Menschen, davon 2,3 Millionen im südlichen Afrika.

MALARIA: 90 Prozent aller Malaria-Fälle treten in Afrika auf, wo laut WHO alle 30 Sekunden ein Kind an dieser von Mücken übertragenen Krankheit stirbt. Weltweit sind es täglich 2000. Wirtschaftsfachleute berechneten, dass Malaria jährlich das Wirtschaftswachstum in einigen afrikanischen Ländern um 1,3 Prozent schmälert.
 
 

Ein sehr informativer Text über Armut und Hunger in der Welt ist bei "Derriére - Online Magazin für Politik und Gesellschaft" abrufbar unter: http://www.derriere.de/International/Hunger.htm
 
 

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Afrika-Aktionsplan ohne zusätzliche Finanzpakete

Fr.28.06.02 - Bei ihrem Gipfeltreffen im kanadischen Kananaskis brachten die führenden Industrienationen und Russland (G 8) zusammen mit Vertretern der afrikanischen Staatengruppe "Neue Partnerschaft für Afrikas Entwicklung (Nepad)" einen Afrika-Aktionsplan auf den Weg. Dieser Plan sieht vor, dass die G 8 in die afrikanischen Staaten, die den Weg zur Demokratie eingeschlagen haben, massive Investitionen fließen lassen. Doch große Finanzpakete über bisherige Zusagen hinaus wurden in Kananaskis nicht beschlossen.

Die G-8-Staaten verpflichten sich in ihrem Aktionsplan für Afrika zu intensiverem Handel und zu anderen Hilfen wie etwa die Ausbildung von Sicherheitskräften. Die amerikanische Regierung hatte ihr verstärktes Engagement für Afrika damit begründet, dass verarmte Staaten Gefahr liefen, ein Zufluchtsort für Terroristen zu werden.

UN-Generalsekretär Kofi Annan würdigte den Aktionsplan mit den Worten: "Wenn die Afrikaner realistisch sind und die G 8 ebenso konsequent ist, dann könnte dieser Aktionsplan als Wendepunkt in Afrika und der Weltgeschichte betrachtet werden."

Kanadas Premier Jean Chrétien sagte nach Verabschiedung des Paktes zu Gunsten des von Armut, Krankheiten, Bildungsmangel und bewaffneten Konflikten geplagten Kontinents: "Wir haben eine neue Einigung, die einen Neuanfang und neue Hoffnung für die afrikanischen Staaten bedeutet." Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte: "Dieser Kontinent ist für uns viel zu wichtig, als dass wir ihn weiterhin im Vergessenen lassen können."

Annan mahnte bei den Staats- und Regierungschefs der G 8 mehr Investitionen für Afrika an. Die Staaten des Kontinents müssten neben der Entwicklungshilfe auch von einem weiteren Schuldenerlass profitieren, sagte Annan. Nur unter diesen Bedingungen "werden diese Regierungen in der Lage sein, Handel zu treiben und sich aus der Armut herauszuarbeiten statt von Almosen zu leben", sagte Annan.

Als konkrete Maßnahmen sicherten die G 8 zu, dass ein bedeutender Anteil der schon im März beschlossenen Aufstockung der Entwicklungshilfe bis 2006 um zwölf Milliarden Dollar nach Afrika fließen soll. Zudem einigten sich die Staats- und Regierungschefs darauf, den Schuldenerlass für arme hochverschuldete Länder um bis zu 1,2 Milliarden Dollar aufzustocken. Von diesem Betrag sei ungefähr ein Drittel für diejenigen vorgesehen, "die es schon geschafft haben, zu den gut regierten Ländern zu gehören", sagte Schröder. Weitere Teile des Plans sehen die Fortführung der in Genua verabschiedeten Maßnahmen gegen HIV/Aids, Tuberkulose und andere ansteckende Krankheiten vor.

Vertreten wurde die sogenannte Nepad-Initiative in Kananaskis durch die Präsidenten Algeriens, Südafrikas, Nigerias und Senegals, Abdelasis Bouteflika, Thabo Mbeki, Olusegun Obasanjo und Abdoulaye Wade. Die in der Nepad beteiligten Länder betonen erstmals ausdrücklich, dass sie selbst für ihr Vorankommen verantwortlich sind und für den Rest der Welt nicht länger als "Sozialfall" gelten wollen.

Nepad beinhaltet eine Selbstverpflichtung Afrikas auf Einhaltung der Menschenrechte, Demokratie und "gute Regierungsführung", was den Rest der Welt dazu verleiten soll, genug Ressourcen auf den Kontinent fließen zu lassen, um sein Wirtschaftswachstum auf 7 Prozent im Jahr zu verdoppeln.

Harsche Kritik am "kapitalistischen" und "neoliberalen" Programm der Nepad wurde beim "Gipfel der Armen" in Silbyy (Mali) laut. "Wir erkennen uns darin nicht wieder", erklärten die 200 Teilnehmer dieses als G-8-Gegengipfel gedachten Treffens von Vertretern afrikanischer Verbände. "Eine Front der Verweigerung", so ein Teilnehmer, wolle man gegen die "Neue Partnerschaft zur Entwicklung Afrikas" (Nepad) errichten. "Unsere afrikanischen Staatschefs meinen, dass sie in Kananaskis als Partner der reichen Länder behandelt werden", sagt Donantié Dao, Generalsekretär der malischen Entschuldungsinitiative "Jubilé 2000". "Aber ihr Konzept ist blass und viel zu liberal"

Dieses Konzept diene nur "dem Kapital", kritisierten Sprecher verschiedener sozialer Verbände in Siby. Die Selbstverpflichtungen der Politiker auf Demokratie und Frieden, so eine Teilnehmerin aus der Elfenbeinküste, seien nur "ein Glaubensbekenntnis", auf das keine Taten folgen würden. Der Ruf nach mehr ausländischen Kapital für Afrika werde ja wohl nur erhört werden, wenn das Kapital davon profitiere und nicht Afrika, hieß es. Die internationalen Kapitalströme nach Afrika landeten zu 80 Prozent wieder im Ausland, während Afrikas Regierungen 40 Prozent ihrer Staatshaushalte für Schuldendienst ausgeben müssten.

Schon im Vorhinein hatte es in der afrikanischen Presse und auf Tagungen Kritik an der neoliberalen Ausrichtung des Nepad-Programms gegeben. Umstritten ist beispielsweise, inwieweit rasche Privatisierungen und die Öffnung der Importmärkte im Zuge der Globalisierung den afrikanischen Staaten wirklich helfen. "Welcher asiatische Tigerstaat hat denn am Anfang seiner Entwicklung gleich die Grenzen geöffnet?", fragte ein Kritiker kürzlich in einer Afrika-Senung des britischen Senders BBC.

In Siby sagte ein Teilnehmer, dass der Anteil am Welthandel für Afrika in den 80er Jahren noch fünf Prozent betragen habe und jetzt auf zwei Prozent gesunken sei. Mit Nepad und seinem Credo zur Liberalisierung könne dieser Anteil am Welthandel möglicherweise noch weiter sinken.

Das Nepad-Konzept sei "von drei Präsidenten am grünen Tisch" beschlossen worden, ohne dass das Volk befragt worden sei. Das sei eines der Hauptprobleme von Nepad, so die Meinung in Siby. Das Fazit: "Wir brauchen ein neues Nepad unter Einbeziehung der afrikanischen Zivilgesellschaft."
 
 

(Quelle: ips, dpa, taz, sz, fr)

 
 

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Di.30.04.02
Entwicklungsländer profitieren nur begrenzt vom Welthandelssystem
Unctad-Bericht: Stark gestiegener Anteil der Entwicklungsländer am weltweiten Exportgeschäft hat sich nicht in einem entsprechenden Wohlstands- und Einkommenszuwachs niedergeschlagen.
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Mo.10.06.02
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Mehr als fünf Jahre nach dem ersten Welternährungsgipfel hat sich die Situation der Hungernden in der Welt nicht wesentlich verbessert. Ernährungswissenschaftler Prof. Krawinkel: "Hunger auf der Welt ist wesentlich eine Folge ungleicher Handelsbeziehungen".
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Fr.14.06.02
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Welthungerhilfe nennt Treffen einen "Rückschlag für die Hungernden".
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