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B.O.A.  | Neueste Nachrichten | Montag, 11. August 2008

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+++ Mo.11.08.08, 06:30         Nachrichten von gestern So.10.08.08      zum Nachrichten-Archiv Nachrichten-Archiv    zum TickerTicker

Irak 1602 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Mindestens 13 Tote bei Anschlägen im Irak. Verhandlungen zwischen Irak und USA über langfristigen Sicherheitspakt

Mo.11.08.08 - Mehrere blutige Anschläge haben am Sonntag die Verhandlungen zwischen dem Irak und den USA über einen langfristigen Sicherheitspakt überschattet. Dabei wurden mindestens 13 Menschen getötet. Am Sonntagabend sprengte sich ein Selbstmordattentäter in Tarmijah, 50 Kilometer nördlich von Bagdad, in die Luft. Vier Passanten und ein US-Soldat wurden getötet.

Die Einheit des Soldaten wurde zum Ort einer Bombenexplosion gerufen. Als sie dort eintraf, zündete der Selbstmordattentäter seinen Sprengsatz. Dabei wurden nach Militärangaben auch mindestens 24 Menschen verletzt, unter ihnen zwei US-Soldaten und ein Dolmetscher. Weitere Anschläge wurden am Sonntag aus einem schiitischen Stadtteil in Bagdad und aus der kurdischen Stadt Chanakin nahe der Grenze zum Iran gemeldet.

In Bagdad verhandelten irakische und amerikanische Regierungsvertreter über ein Sicherheitsabkommen, das auch die weitere Präsenz der US-Truppen im Irak regeln soll. Der irakische Außenminister Hoschjar Sebari sagte, seine Regierung bestehe auf einem klaren Zeitplan für den Abzug der US-Soldaten. Er äußerte sich optimistisch über einen baldigen Abschluss der Verhandlungen.

(Quelle: ap)

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Hintergrund: Irakkrieg - Blick ins Archiv

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 11.08.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendeinhundertundachtunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Sa.11.08.07 - Weltsicherheitsrat erweitert UN-Mandat im Irak +++ Mindestens acht Tote bei Bombenanschlag in Kirkuk... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0708110.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 



 

Acht Tote bei Selbstmordattentat in Algerien

Mo.11.08.08 - Bei einem Selbstmordanschlag auf einen Posten der Gendarmerie in Algerien sind in der Nacht zum Sonntag acht Menschen ums Leben gekommen. Wie der algerische Staatsrundfunk berichtete, fuhr der Attentäter in einem mit Sprengstoff beladenen Gepäckwagen gegen das Revier in der östlichen Küstenstadt Zemmouri el Bahri. Weitere 19 Menschen wurden verletzt. Der Strand des Ortes sei zur Ferienzeit ein beliebtes Ausflugsziel. In der Region um das benachbarte Boumerdès sind nach inoffiziellen Angaben bis zu 400 islamistische Rebellen aktiv.

In Algerien wurden in den vergangenen Monaten immer wieder Anschläge verübt. Im Dezember waren bei einem Doppelattentat auf ein UN-Gebäude und den Obersten Gerichtshof 41 Menschen getötet worden. Die Terror-Gruppe El Kaida im islamischen Maghreb (BAQMI) bekannte sich zu den Attentaten.

(Quelle: afp)
 



 

Weitgehende Einigung über Regierungsbildung in Simbabwe

Mo.11.08.08 - Bei den Verhandlungen über eine Regierungsbildung in Simbabwe haben Präsident Robert Mugabe und Oppositionsführer Morgan Tsvangirai Medienberichten zufolge eine weitgehende Einigung erzielt. In zahlreichen Punkten seien die Verhandlungsführer überein gekommen, berichtete die staatliche Zeitung "Sunday Mail". Zu den gelösten Fragen gehörten etwa die Regelungen zur Versammlungsfreiheit und die Landfrage. Seit Simbabwes Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1980 ist Frage der Landverteilung eines der zentralen Themen des Landes.

Die Beratungen wurden am Sonntag fortgesetzt. Tsvangirai und Unterhändler seiner Partei Bewegung für einen demokratischen Wandel (MDC) trafen am Morgen in einem Hotel im Zentrum der Hauptstadt Harare ein, um die Gespräche wieder aufzunehmen. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stünden Zusammensetzung und Ausrichtung der neuen Regierung, berichtete die "Sunday Mail". Der als Vermittler eingesetzte südafrikanische Präsident Thabo Mbeki war bereits am Samstag in Harare eingetroffen.

Oppositionsführer Tsvangirai hatte den ersten Durchgang der Präsidentschaftswahl Ende März für sich entschieden, aber nicht die nötige absolute Mehrheit erzielt. Von der Stichwahl zog er sich wegen zunehmender Gewalt gegen seine Anhänger zurück. Nachdem der seit 1980 amtierende Mugabe in der entscheidenden Runde als alleiniger Kandidat angetreten war, wurde er für eine weitere Amtszeit an der Spitze des Staates vereidigt. Der Wahlgang wurde vom Westen als "Farce" kritisiert.

(Quelle: afp)
 



 

Volksabstimmung - Bolivianischer Präsident bleibt im Amt

Mo.11.08.08 - In Bolivien ist am Sonntag eine Volksabstimmung über die Absetzung von Präsident Evo Morales offenbar gescheitert. Dies geht aus ersten inoffiziellen Ergebnissen hervor, die nach der Schließung der Wahllokale veröffentlicht wurden. Neben Morales sollten auch Vizepräsident Alvaro Garcia und acht der insgesamt neun Provinzgouverneure ihres Amtes enthoben werden. Den Teilergebnissen zufolge wurden drei von ihnen abgewählt, darunter auch zwei Gegner des Präsidenten.

Das erste bolivianische Staatsoberhaupt indianischer Abstammung erklärte sich im Mai zu der Volksabstimmung bereit, nachdem vier Provinzen in eigenen Referenden größere politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit von der Zentralregierung gefordert hatten. Die Gouverneure dieser Provinzen sollten sich aber ebenfalls dem Votum der Wähler stellen. Auch deren Wiederwahl schien den Umfragen zufolge gesichert.

Morales äußerte die Hoffnung auf einen Wahlsieg, der seinem Reformprogramm neuen Auftrieb verleihen werde. Dieses zielt darauf ab, jahrhundertealte Ungerechtigkeiten im ärmsten Land Lateinamerikas abzubauen. Damit allerdings hat Morales die wohlhabenden Provinzen im Osten des Landes gegen sich aufgebracht. Seitdem hat er die Schlüsselressorts der Wirtschaft verstaatlicht und eine neue Verfassung erarbeitet, in der vor allem die Rechte der indianischen Ureinwohner gestärkt werden. Auch eine Begrenzung des Grundbesitzes von Einzelpersonen wurde vom Parlament gebilligt, soll aber noch in einem späteren Referendum bestätigt werden.

(Quelle: ap)
 



 

Kaukasus-Krieg geht trotz Waffenruhe weiter - EU vermittelt - USA drohen Moskau

Mo.11.08.08 - Trotz eines von Georgien einseitig ausgerufenen Waffenstillstandes gingen am Sonntag die Kämpfe zwischen georgischen und russischen Truppen weiter. Russland warf Georgien vor, sich in dem Konflikt um die abtrünnige Region Südossetien nicht an die eigene Ankündigung zu halten.

Zugleich machte Moskau ein schriftliches Waffenstillstandsabkommen zur Voraussetzung für eine Einstellung der Kämpfe. Am Abend versenkte die russische Marine im Schwarzen Meer ein georgisches Kriegsschiff. Nach Angaben Moskaus hatte es zuvor russische Schiffe angegriffen. Russische Kampfflugzeuge bombardierten mehrere georgische Städte. Berichte georgischer Medien, wonach erstmals auch die Hauptstadt Tiflis angegriffen wurde, wies Moskau zurück als «Provokation mit dem Ziel, die internationale Gemeinschaft zu täuschen».

Die USA forderte Moskau ultimativ zur Einstellung der Kampfhandlungen auf. Der amerikanische UN-Botschafter Zalmay Khalilzad sagte am Sonntag nach einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats in New York, sollte Russland nicht einlenken und einer sofortigen Waffenruhe zustimmen, werde dies «bleibende Auswirkungen» auf das Verhältnis Moskaus zu Washington und zu anderen Mitgliedern der internationalen Gemeinschaft haben. Khalilzad kündigte eine Resolution an, mit der die USA gemeinsam mit anderen westlichen Ländern eine Abstimmung im Sicherheitsrat über die Forderung nach einem Ende der Gewalt erzwingen wollen. Russland lehnte dies ab.

Nachdem georgische Truppen in der Nacht zum Freitag nach Südossetien vorgerückt waren, brachte Russland am Wochenende mit 10 000 Soldaten, hunderten Panzern und Kampfbombern weite Teile der abtrünnigen Region unter seine Kontrolle. Die georgischen Einheiten zogen sich aus der südossetischen Hauptstadt Zchinwali in die umliegenden Berge zurück.

Der russische Präsident Dmitri Medwedew beklagte «tausende Tote» im Konfliktgebiet. Nach unbestätigten Angaben aus Südossetien starben allein in Zchinwali etwa 2000 Menschen. In den Trümmern der weitgehend zerstörten Stadt harrten tausende Zivilisten aus. In den Straßen lagen Leichen. Die südossetische Führung sprach von einer humanitären Katastrophe. Tiflis bezifferte die Zahl der bisher bei den Kämpfen getöteten Georgier auf etwa 200. Nach Angaben des UN-Flüchtlingskommissars António Guterres flohen in den vergangenen Tagen mehr als 30 000 Menschen vor den Kämpfen aus Südossetien ins benachbarte Nordossetien. Tausende säßen zwischen den Fronten fest.

Russlands Regierungschef Wladimir Putin, der am Samstag überraschend von den Olympischen Spielen in Peking in die Konfliktregion gereist war, warf den Georgiern «Völkermord» vor. Der russische Präsident Dmitri Medwedew, der auch Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist, begründete die russischen Militärschläge in einem Telefonat mit US-Präsident George W. Bush mit «barbarischen Handlungen» Georgiens in Südossetien.

Georgiens Präsident Michail Saakaschwili, ein enger Verbündeter der USA, beschuldigte Russland, Georgien zerstören zu wollen. Er erwarte eine Invasion ganz Georgiens, sagte Saakaschwili der «Rhein- Zeitung» (Montag). Er hatte am Samstag das Kriegsrecht über sein Land verhängt.

Nach georgischen Angaben wurden nach Verkündung der einseitigen Feuerpause bis Sonntagabend alle «Militäreinheiten aus dem Konfliktgebiet» abgezogen. Russland bestätigte zwar den Erhalt einer entsprechenden Note aus Tiflis. Zugleich kritisierte Moskau aber die Fortsetzung von Kampfhandlungen durch georgische Soldaten in der Konfliktregion.

Die russische Kriegsmarine riegelte die Zufahrt zu den georgischen Schwarzmeerhäfen am Wochenende ab. Mit der Seeblockade sollten Waffenlieferungen an Georgien unterbunden werden. Es kam zu schweren Gefechten mit georgischen Schiffen. Mindestens ein georgisches Kriegsschiff wurde versenkt. Der Raketenträger habe zuvor die Schwarzmeerflotte angegriffen, hieß es laut Agentur Interfax aus dem Moskauer Verteidigungsministerium.

Das ebenfalls von Georgien abtrünnige Gebiet Abchasien kündigte Unterstützung für Südossetien an und verhängte am Sonntag das Kriegsrecht. Die moskautreuen Machthaber in der international nicht anerkannten Republik am Schwarzen Meer riefen die Mobilmachung ihrer Truppen aus. Abchasische Streitkräfte rückten im Landkreis Gali gegen georgische Stellungen vor.

Der französische Außenminister und amtierende EU-Ratsvorsitzende Bernard Kouchner wurde noch am Sonntag in Tiflis erwartet. Am heutigen Montag wollte er nach Moskau weiterreisen, wo Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy nach Angaben des Kreml und des Élysée-Palastes ebenfalls in den nächsten Tagen zu Vermittlungsgesprächen eintreffen soll. Am Dienstag wollen die NATO-Botschafter zu einem Sondertreffen in Brüssel zusammenkommen, einen Tag später beraten dort die EU-Außenminister über die Kaukasus-Krise. Die EU-Kommission stellte eine erste Nothilfe in Höhe von einer Million Euro für die Zivilbevölkerung zur Verfügung.

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bemühte sich um eine Entschärfung des Konflikts. Wie Staatsminister Gernot Erler der ARD sagte, vermittelte Steinmeier direkte Telefongespräche zwischen dem russische Außenminister Sergej Lawrow und seiner georgischen Amtskollegin Eka Tkeschelaschwili. Damit sei ein «Ende der politischen Sprachlosigkeit zwischen Russland und Georgien» erreicht», hieß es im Auswärtigen Amt.

(Quelle: dpa)
 



 

Heftiger Schlagabtausch im Sicherheitsrat - Resolutionen zum Kaukasus vorbereitet - USA: Russland will georgischen Präsidenten stürzen

Mo.11.08.08 - Der amerikanische UN-Botschafter Zalmay Khalilzad hat Russland vorgeworfen, sich im Konflikt um die Region Südossetien Friedensbemühungen zu widersetzen und den Sturz des georgischen Staatspräsidenten Michail Saakaschwili anzustreben. Khalilzad erklärte im Sicherheitsrat, der russische Außenminister Sergej Lawrow habe US-Außenministerin Condoleezza Rice am Sonntagmorgen in einem Telefonat gesagt, dass Saakaschwili verschwinden müsse.

Khalilzad wandte sich dann dem russischen UN-Botschafter Witali Tschurkin zu, wiederholte das Gesagte und erklärte: «Das ist völlig inakzeptabel und geht zu weit.» Dann fragte er ihn direkt, ob Russland den georgischen Präsidenten stürzen wolle. «Ist das Ziel ihrer Regierung ein Regimewechsel in Georgien, der Sturz der demokratisch gewählten Regierung Georgiens?»

«Regimewechsel ist eine rein amerikanische Erfindung», entgegnete Tschurkin unter Anspielung auf den Irak-Krieg der USA. «Wir benutzen diesen Ausdruck nicht. Aber manchmal gibt es Anlässe, und das wissen wir aus der Geschichte, dass verschiedene Führer an die Macht kommen, entweder demokratisch oder halbdemokratisch, die dann zum Hindernis werden.»

Lawrow sagte später in Moskau, Rice habe seine Bemerkungen falsch interpretiert. Mit Bezug auf Saakaschwili fügte er aber hinzu, dieser habe befohlen, «Kriegsverbrechen zu begehen» und komme damit als Verhandlungspartner nicht mehr in Frage. «Ohne den Abgang von Saakaschwili ist es unmöglich, den Konflikt in Südossetien zu stoppen.»

Der georgische UN-Botschafter Irakli Alasania sagte dem Sicherheitsrat, die Äußerungen Lawrows zeigten, was schon immer die Absicht Russlands gewesen sei.

Die Beratungen im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wurden am Sonntag nach drei Stunden zunächst unterbrochen. Auch die vierte Sitzung seit Beginn des Krieges am Freitag führte offenbar zu keiner Annäherung der Positionen. Tschurkin erklärte aber die grundsätzliche Bereitschaft seiner Regierung, den Krieg zu beenden und die Truppen aus Südossetien abzuziehen.

Die USA und Frankreich bereiteten unabhängig voneinander einen Entwurf für eine UN-Resolution zum Krieg im Kaukasus vor. Die USA wollen erreichen, dass das militärische Vorgehen Russlands in Georgien verurteilt wird und dass beide Seiten zu einem Waffenstillstand aufgerufen werden. Der stellvertretende französische UN-Botschafter Jean-Pierre Lacroix sagte: «Es ist für uns alle an der Zeit, unsere Verantwortung zu zeigen.»

Die meisten Mitglieder des Sicherheitsrates haben dem Vernehmen nach eher Verständnis für die georgische Haltung in dem Konflikt. China und Südafrika haben jedoch Unterstützung für die russische Position signalisiert.

(Quelle: ap)
 



 

Klima-Aktivisten dringen in britisches E.ON-Kohlekraftwerk ein

Mo.11.08.08 - Britische Klima-Aktivisten sind am Samstag auf das Gelände eines von E.ON betriebenen Kohlkraftwerks in England eingedrungen.

Acht Personen seien an der Anlage in Kingsnorth festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Dem deutschen Energiekonzern zufolge wurde die Produktion nicht beeinträchtigt. In der Nähe des Werks sind etwa 1000 Demonstranten zusammengenommen, um gegen den geplanten Bau von zwei neuen Einheiten zu protestieren. Die Polizei hat seit dem Anfang der vergangenen Woche 350 bis 1400 Beamten zum Schutz des Werks im Einsatz.

(Quelle: rtr)
 



 

FDP-Chef Westerwelle warnt Union vor einseitigem Setzen auf Atomkraft

Mo.11.08.08 - FDP-Chef Guido Westerwelle hat die Union davor gewarnt, bei der Lösung der Energieprobleme einseitig auf Atomkraft zu setzen. "Die Union macht einen Fehler, wenn sie sagt: Das Allheilmittel einer modernen Energiepolitik ist die Kernkraft", sagte Westerwelle der Wochenzeitung "Bild am Sonntag". Nach seinen Worten ist dies "weder ökologisch noch ökonomisch vernünftig". Atomkraft sei eine notwendige Übergangstechnologie. Sie helfe, Zeit zu gewinnen, "bis wir den Energiebedarf durch erneuerbare Energien wie die Sonnenkraft besser decken können", sagte der FDP-Politiker.

(Quelle: afp)
 



 

Ypsilantis Linkskurs bringt SPD-Chef Beck zunehmend unter Druck

Mo.11.08.08 - SPD-Chef Kurt Beck ist offenbar mit dem Versuch gescheitert, die hessische Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti von einer Zusammenarbeit mit der Linkspartei abzubringen.

Schon im November könnte die SPD-Politikerin einen neuen Anlauf starten, sich mit den Stimmen der Linken zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen, berichtete der "Spiegel" am Wochenende. Bei einem vertraulichen Treffen am Donnerstag in Mainz sei es Beck nicht gelungen, Ypsilanti umzustimmen.

Der konservative Seeheimer Kreis in der SPD reagierte mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl verärgert auf das Taktieren der Parteilinken. Nur die hessische SPD selbst könne die Politikerin noch stoppen, sagte Seeheimer-Sprecher Klaas Hübner dem "Tagesspiegel am Sonntag". Bei der Wahl ist Ypsilanti auf eine hauchdünne Mehrheit angewiesen.

Der hessische SPD-Landesvorstand will nun am Mittwoch über mehrere Szenarien für das weitere Vorgehen beraten, wie der "Spiegel" berichtet. Es solle ein Fahrplan zur Bildung einer rot-grünen Koalition unter Duldung der Linken festgelegt werden. Zudem seien vier bis sechs Regionalkonferenzen geplant, um die Meinung der Basis einzuholen. Nach dem Patt bei der Landtagswahl regiert Hessens CDU-Ministerpräsident Roland Koch derzeit nur geschäftsführend ohne eigene Mehrheit. Ypsilanti könnte sich mit den Stimmen der Linkspartei eine Mehrheit verschaffen, würde damit aber ein Wahlversprechen brechen.

Intern streitet die SPD inzwischen darüber, ob die Parteispitze in wichtigen Fragen nicht eine Weisungsbefugnis gegenüber den regionalen Gliederungen erhalten soll. Der frühere Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement stellt sich klar hinter die Forderung. Der Umgang mit der Linkspartei sei eine Grundsatzfrage und müsse von der Parteiführung entschieden werden, schrieb der SPD-Politiker in der "Welt am Sonntag".

Beck dagegen betonte erneut, dass die Entscheidung bei den Landesverbänden liege. "Wir haben einen klaren Beschluss, dass in den Landesverbänden gewogen und entschieden, aber selbstverständlich auch miteinander gesprochen wird", sagte er im nordrhein-westfälischen Geldern. Beck hatte Ypsilanti Anfang des Jahres freie Hand im Umgang mit der Linken gelassen und war für diesen Kurswechsel heftig unter Beschuss geraten. Nach einer Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag" wollen 52 Prozent der Deutschen, dass Beck Ypsilanti stoppt.

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla forderte den potenziellen SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier auf, sich klar zur Linkspartei zu positionieren. "Die deutsche Öffentlichkeit will vor der Vorstandssitzung der hessischen SPD von Herrn Steinmeier wissen: Steht er als Kanzlerkandidat auch dann zur Verfügung, wenn die Hessen-SPD beschließt, Frau Ypsilanti mit den Stimmen der Linken wählen zu lassen?", sagte er der "Welt" vom Montag.

Für weitere Verwirrung sorgten Berichte, wonach Beck eine Kandidatur für den Bundestag ins Auge fasst. Der SPD-Politiker dementierte dies zwar umgehend und sichtlich verärgert. Der bisherige SPD-Kandidat in Becks Heimatwahlkreis Südpfalz, der Bundestagsabgeordnete Heinz Schmitt, heizte die Spekulationen jedoch weiter an und deutete Gespräche mit Beck an. "Wir haben interne Kommunikationsstrukturen, die ich aber nicht öffentlich machen möchte", sagte er der "Welt am Sonntag". Die Entscheidung über die Wahlkreiskandidaten falle im späten Herbst.

(Quelle: rtr)
 



 

Tarifexperte fordert staatliche Maßnahmen gegen Streikflut

Mo.11.08.08 - Angesichts der hohen Zahl von Streiktagen in der deutschen Wirtschaft hat der Tarifexperte des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Hagen Lesch, ein Einschreiten des Gesetzgebers gefordert. Lesch sagte der Zeitung «Welt am Sonntag», im ersten Halbjahr 2008 seien in Deutschland wegen Streiks bis zu 250 000 Arbeitstage ausgefallen. Zudem seien allein bei der Lufthansa und ihren Töchtern seit Anfang Juli 25 000 Streiktage angefallen. Damit seien bereits jetzt fast so viele Streiktage erreicht wie im Vorjahr, als die Bundesagentur für Arbeit 290 000 Tage registrierte.

Insgesamt würden die Arbeitskämpfe in Deutschland durch das Auftreten kleiner Berufsgewerkschaften wie die der Lokführer oder Piloten immer aggressiver, sagte Lesch. Er forderte angesichts der zunehmenden Streiks ein Eingreifen der Politik. «Der Gesetzgeber sollte dem bedrohlichen Gewerkschaftswettbewerb Einhalt gebieten, sonst drohen Lufthansa, Bahn und Krankenhäusern die britischen Zustände der Vor-Thatcher-Ära», warnte der Tarifexperte. Er empfahl, einem Streik generell eine Schlichtung vorzuschalten oder Streiks einer konkurrierenden Gewerkschaft bei geltendem Tarifvertrag für unzulässig zu erklären. Bei Firmentarifverhandlungen wäre es laut Lesch auch denkbar, nach angelsächsischem Vorbild eine repräsentative Gewerkschaft wählen zu lassen, die dann die Interessen aller Berufsgruppen vertritt.

(Quelle: ddp)
 



 

Beitrag zur Arbeitslosenversicherung von 2,5 Prozent möglich

Mo.11.08.08 - Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung könnte nach Aussage des Verwaltungsratsvorsitzenden der Bundesagentur für Arbeit, Peter Clever, von derzeit 3,3 auf 2,5 Prozent sinken. Dies sei «problemlos möglich, wenn die Politik den Beitragszahler nicht mit dem Eingliederungsbeitrag von jährlich fünf Milliarden Euro belasten würde, der eigentlich Sache des Steuerzahlers ist». Das sagte Clever dem «Kölner Stadt-Anzeiger». Den Eingliederungsbeitrag muss die Bundesagentur an den Bund für Arbeitslose abführen.

(Quelle: dpa)
 



 

BKA-Chef sieht bei Neonazis neue Qualität der Gewalt

Mo.11.08.08 - Für BKA-Chef Jörg Ziercke hat die rechtsextreme Gewalt in Deutschland eine neue Qualität erreicht. "Der schwarze Block der Neonazis, die Autonomen Nationalisten, attackieren Linke und Polizisten mit einer Aggressivität, die man als Strategiewechsel bezeichnen kann", sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes dem "Tagesspiegel". Früher hätten Neonazis bei Aufmärschen aus taktischen Gründen auf Gewalt verzichtet. "Das scheint nicht mehr zu gelten", warnte Ziercke mit Blick auf die Neonazi-Krawalle am 1. Mai in Hamburg.

Ein weiterer Anlass zur Besorgnis sei die Zunahme rechtsextremistisch motivierter Brandstiftungen, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes.

(Quelle: afp)
 
 
 
 

  Objektiv kann man nicht sein. Die Objektivität geht schon bei der Themenwahl verloren. (...) Alles ist nur durch meine Erfahrungen gebrochen (...), durch meine Augen gesehen. (...) das alles ist so subjektiv, subjektiver geht es gar nicht.

Alexander Oschang, Reporter und Kisch-Preisträger

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Bloggen statt schwärzen - Internationales Weblog zum Irak-konflikt:
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Poets Against the War:
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Weißes Haus:
http://www.whitehouse.gov/infocus/iraq/index.html

Bush-Doktrin (Neue Sicherheitsstrategie, Präventivkriegs-Strategie )
The National Security Strategy of the United States of America September 2002:
http://www.whitehouse.gov/nsc/nss.html
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US-Außenministerium:
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UN-Sicherheitsrat: Resolution 1441 vom 8. November 2002 im Wortlaut:
http://www.documentarchiv.de/in/2002/res_un-sicherheitsrat_1441.html

Irakisches Außenministerium:
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Global Security:
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Ante la Guerra - Actua:
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Amerikanische Friedensbewegung (Act Now to Stop War and End Racism):
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