free-fire-zone
Blutbad in Osttimor war vorhersehbar

  Das Blutbad, das in Osttimor angerichtet wurde, war angekündigt: Indonesiens Armee hat nie einen Hehl daraus gemacht, daß sie die Abspaltung der "27.Provinz" nicht hinnehmen würde. Und wes Kalibers diese Generäle sind, war hinreichend bekannt: Seit der Annektion Osttimors 1975 hat das indonesische Militär dort mehr als 200 000 Osttimoresen umgebracht. Völkermord, mit Billigung der USA übrigens, wie der britische Guardian jetzt enthüllte. Präsident Ford und Außenminister Kissinger kamen am Tag der Invasion zum Staatsbesuch und "gaben Suharto grünes Licht", erinnert sich Philip Liechty, der damalige CIA-Resident in Jakarta: "Wir hatten den Befehl, dem indonesischen Militär alles zu geben, was sie wollen. Der Platz war eine free-fire-zone." (...)

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  Aus strategischen und ökonomischen Überlegungen war der Westen jahrzehntelang Komplize des Suharto-Regimes 1. Er hat  indonesische Militärs ausgebildet, hat Waffen geliefert und die Augen davor verschlossen vor dem, was die Militärs damit taten.
  Osttimors Bevölkerung hat  unter UN-Überwachung am 30. August  1999 mit überwältigender Mehrheit für  die Unabhängigkeit ihres Landes gestimmt (Wahlbeteiligung 90%!!!). Wieviele Osttimoresen seither durch mordende indonesische Milizen, Polizisten und Soldaten starben werden wir nie genau erfahren, weil die Milizen fast alle Journalisten und UN-Mitarbeiter vertrieben haben. Die indonesischen Sicherheitskräfte  haben keinerlei Skrupel, in Osttimor weiterzumorden - sie kennen die westliche Doppelmoral nur zu gut.

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"Niemand hätte in seinen schlimmsten Träumen befürchtet, daß das geschehen könnte, was wir nun erleben 2", entsetzte sich UN-Generalse- kretär Kofi Annan. Ein aus Osttimor evakuierter UN-Mitarbeiter berichtet jedoch: "Wir konnten schon früh spüren, daß das genau wie in Ruanda ablaufen würde, doch niemand unternahm etwas." Auch die Peacekeeping-Abteilung der UN sah schon frühzeitig das große Risiko, das von dem von keinerlei fremder Waffenmacht gesicherten Zeitraum zwischen dem Unabhängigkeits-Referendum und der eigentlichen Machtübergabe ausging. Dies biete den indonesischen Milizen beste Chancen, das Referendum gewaltsam obsolet zu machen. Um den friedlichen Übergang zu gewährleisten, forderten die Peacekeeper eine bewaffnete UN-Schutztruppe. Doch das ist von Washington im Sicherheitsrat energisch blockiert worden, wie Portugal, die ehemalige Kolonialmacht Osttimors betont. Weißes Haus und State Department wollen sich Indonesien - durch dessen Gewässer jährlich auch Tausende US-Frachter ziehen - als strategischen Anker in Südostasien bewahren, als Puffer zwischen China und Japan. 

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1 (1/2) Komplizenschaft des Westens:

Die westlichen Staaten liefern seit Mitte der 70er Jahre große Mengen militärischen Geräts an Indonesien. Neben den USA, Frankreich und Großbritannien ist auch die Bundesrepublik auf den ersten Plätzen mit dabei. Alleine 1986 exportierte Deutschland Rüstungsgüter im Wert von 806 Millionen Mark. Die Rüstungsfirma Messerschmidt-Bölkow-Blohm baut Hubschrauber für Indonesien, Heckler & Koch liefert seit Jahren Gewehre in das südostasiatische Land.
  Auch um die Ausbildung indonesischer Offiziere hat sich Deutschland gekümmert. Seit 1965 absolvierten Angehörige der Streitkräfte Indonesiens eine Ausbildung in Deutschland.
 
 

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1 (2/2) Mit Indonesien - durch dessen Gewässer jährlich auch Tausende US-Frachter ziehen - wollen es sich vor allem die USA nicht verderben. Um  Indonesien  als strategischen Anker in Südostasien zu bewahren, pumpte der Westen allein 1998 rund sechs Milliarden Dollar Finanzhilfe in das Land und im März 1999 erhöhte der Internationale Währungsfonds die Kredithilfe um noch einmal eine Milliarde Dollar - Teil eines Gesamtpakets von insgesamt 47 Milliarden Dollar. "Mehr als dreißig Prozent der IWF-Gelder verschwinden in dunklen Kanälen. Davon werden vor allem Rüstungsgüter und die Gehälter der Generäle bezahlt", klagt An Hokan von der Menschenrechtsorganisation Imbas.

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2 Am Wahltag war es unerwartet ruhig. Zwei Tage später stürmten die Milizen Häuser und Hotels in denen Ausländer wohnten. In nur sieben Tagen vertrieben sie 1600 Wahlbeobachter, knapp 1000 UN-Mitarbeiter und 500 Journalisten. Zum Schluß wurden die Telefon- und Stromleitungen gekappt und das Mobilfunknetz außer Kraft gesetzt. Was dann geschah, ab dem 4.September, muß fürchterlich gewesen sein.
Ein Wahlbeobachter, der es bis zum 7.September in der Stadt Dili aushielt berichtet von systematischen Tötungen und Plünderungen durch Soldaten und Milizionäre."Es ist ein Blutbad, Völkermord", sagt David Wimhurst, Sprecher der UN-Mission in Osttimor. Allein in Dili hätten Milizen und indonesische Soldaten 7000 Menschen getötet, schätzt er. 20000 Tote habe es seit Bekanntgabe des Unabhängigkeitsvotums am 4.September in ganz Osttimor gegeben, glaubt Cathrin Sexton von der katholischen Hilfsorganisation CAFOD. Inzwischen befinden sich 200000 bis 300000 Menschen auf der Flucht.

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Quellen: Die Woche, 10. u. 17.09.99; Die Zeit, 09.u.16.09.99; ARD-Monitor, 08.09.99

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