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| In der Philosophenszene
rumort es: Der in Karlsruhe lehrende Peter Sloterdijk
hat mit einem Vortrag auf dem bayerischen Schloss
Elmau einen Eklat ausgelöst. Ihm schwebt eine demokratiefreie Arbeitsgemeinschaft
aus echten Philosophen und einschlägigen Gentechnikern vor, die nicht
länger moralische Fragen erörtern, sondern praktische Maßnahmen
ergreifen. Diesem Elitenverbund soll die Aufgabe zufallen, mithilfe von
Selektion und Züchtung die genetische Revision der Gattungsgeschichte
einzuleiten.
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Es geht Sloterdijk um die "Epochenfrage": "Was zähmt noch den Menschen, wenn der Humanismus als Schule der Menschenzähmung scheitert?" Um darauf antworten zu können, überführt er die philosophische Fachsprache in die Rhetorik des Krieges: "Die Lichtung ist zugleich ein Kampfplatz und ein Ort der Entscheidung und Selektion." Es darf nicht länger gefackelt werden, denn die Gentechnologie schafft neue Fakten. Bevor die Philosophen überflüssig werden, müssen sie Regeln aufstellen, damit das, was künftig mit Menschen geschieht – zähmen, züchten, selektieren – nicht aus ihrem Ruder läuft.
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Sloderdijk bietet Platons Dialog "Politikos"
und Nietzsches "Zarathustra" auf, um für die kommenden Ungeheuerlichkeiten
historische Zeugen zu haben. Nietzsche etwa, der "Maß" nahm an "tausendjährigen
Prozessen"(!), artikuliere Züchtungsideen am Beispiel des "Übermenschen".
Platon hingegen sei Ursache für die "intellektuelle Unruhe im Menschenpark",
weil er, so Sloterdijk, den Plan für einen künftigen Staat ausheckt
samt einem noch zu züchtenden "Staatsvolk". Der Dialog enthalte die
"Präambel einer politischen Anthropotechnik", die nur von einem "Gott"
beherrscht werde.
Doch leider haben sich die Götter
schon lange zurückgezogen. Zurück blieben die "Weisen", die stets
nur wenige sind. Ihnen obliege es nun, die Züchtung und Selektion
in den Griff zu kriegen. Denn nur sie haben den privilegierten Zugang zu
den Urbildern, also zur in Archiven gelagerten Wahrheit. 1
Peter Sloderdijk, geb. in Karlsruhe,
26.6.47,
deutscher Kulturphilosoph,
lehrt an der Hochschule für
Gestaltung (HfG) in Karlsruhe.
Er wurde bekannt mit dem philosophiekritischen
Werk
"Kritik der zynischen Vernunft"
.
Peter Sloterdijk
"Regeln für
den Menschenpark.
Ein Antwortbrief
über den Humanismus"
veröffentlicht
im Internet unter:
www.rightleft.net
Außerdem ist eine Druck-Veröffentlichung
angekündigt in:
Kultur und Menschlichkeit.
Neue Wege des
Humanismus
Herausgegeben von
Frank Geerk
1999, 336 Seiten, broschiert, DM 48,-
Verlag Schwabe & Co, Basel
ISBN 3-7965-1057-4
Quelle:
1 Berliner Zeitung,
Thomas Meier, Doppelherrschaft von Philosophie und Gentechnik
Quelle:
2 Berliner Zeitung,
Thomas Meier, Doppelherrschaft von Philosophie und Gentechnik
Heidegger, Martin:
dt. Philosoph, * 26.09.1889 Meßkirch, Baden,
† 26.05.1976 Freiburg i. Br.
Heidegger wurde 1927 mit der ersten Hälfte
seines Hauptwerks »Sein und Zeit« (ein 2. Teil ist nicht erschienen)
schlagartig bekannt. Mit seiner systematischen Fundamentalontologie gehört
H. zu den besonders im Ausland einflußreichen, in Deutschland eher
umstrittenen Existenzphilosophen. Eine Antwort auf die Aristotelische Frage
nach dem Sinn des Seins versuchte H. zunächst für das menschliche
»Dasein« zu geben, für das die Zeitlichkeit als Einheit
von Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart charakteristisch sei. Zugang zu
seinem eigentlichen Selbst finde das Dasein in der Angst, einer ursprünglichen
Befindlichkeit, in welcher Nichtigkeit und Unheimlichkeit der Existenz
erfahren werden. Die Gestaltung des Lebens in der Gegenwart gelingt nach
H. durch das Betrachten des Lebens aus dem Bewußtsein der eigenen
»Verfallenheit«. Mit seiner späteren Unterscheidung zwischen
Sein und Seiendem, dargestellt in einer eigenwilligen, dunklen und dichterischen
Sprache, übte H. großen Einfluß auf die Theologie (K.
Rahner, R. Bultmann) aus, die von Gott als Sein, unterschieden von allem
Seienden, spricht. Auch auf Psychologie, Geisteswissenschaften und andere
Bereiche des kulturellen Lebens strahlte H.s Denken aus. 3
Quelle:
3 Das 20.Jahrhundert,
Chronk, CD-ROM, Bertelsmann
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