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Wer schweigt, macht sich schuldig Wiener Philosophen argumentieren gegen den Ungeist |
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Professoren und Studenten des Instituts für Philosophie an der Universität Wien hielten im März 2000 eine Institutskonferenz ab, in der sie anlässlich der Regierungsbeteiligung der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), über aktuelle politische Fragen berieten. In einem "Dossier zur politischen Lage" , das wir nachfolgend dokumentieren, bringen die Konferenzteilnehmer ihren Protest "gegen den Ungeist" in Österreich zum Ausdruck und tragen einige Argumente vor, "welche der Philosophie im allgemeinen und der poltischen Ethik im besonderen entsprechen und in der gegenwärtigen Lage berücksichtigt werden sollten". Dossier zur politischen Lage Die folgenden Stellungnahmen lagen der Institutskonferenz zur Abstimmung vor. Sie unterscheiden sich in Begründungsstrategie und Stil, obwohl sie auf dieselbe Sache zielen.
Statt die Texte in einer nivellierenden Redaktion zu homogenisieren, hat
die Instituskonferenz daher beschlossen, sie zu einem Dossier zusammenzufassen
und als unterschiedliche Ausformulierungen einer Überzeugung anzuerkennen,
die von den Mitgliedern der Institutskonferenz einstimmig geteilt wird.
I Wer gegenüber dem Ungeist schweigt, macht sich schuldig. Wir protestieren gegen den Ungeist, der Politik mit dem Schüren von Hass und Ängsten verwechselt. Wir
protestieren gegen den Ungeist,
Wir
protestieren gegen den Ungeist,
Wir setzen stattdessen auf Argumente und Transparenz. Wir setzen auf Antworten auf den Anspruch des Fremden. Wir
setzen auf einen differenzierten Umgang mit Problemen,
Die
gegenwärtige Situation kann auch als Chance
Ao. Univ. Prof. Dr. Helmuth Vetter
Die
Studierenden des Instituts für Philosophie der
II Noch
nie hat die Regierung eines demokratischen europäischen Staates so
große Proteste im In- und Ausland ausgelöst wie die gegenwärtige
Regierung Österreichs. Der Zustand der Republik Österreich kann
den zur kritischen Denkarbeit berufenen Philosophen nicht gleichgültig
sein. Die Wiener Philosophen erklären deshalb ihre Betroffenheit und
bringen einige Argumente vor, welche der Philosophie im allgemeinen und
der politischen Ethik im
1. Es zeichnet die Wissenschaften aus, daß gegenüber allem Fremden und 2. Der freien Diskurs ist nicht nur ein wichtiges Fundament für den Fortschritt der Wissenschaften, sondern auch eine wesentliche Voraussetzung zur freien Meinungsbildung, dem wahren Fundament der Demokratie; in der Politik soll daher der freie Diskurs auf alle Fälle gegenüber dem autoritären Führerprinzip und der Dominanz einer Einzelperson über eine Partei oder einen Staat geschützt werden. 3. Die Regierungseignung einer politischen Partei soll nicht einzig und allein an ihrem Urnenerfolg, sondern auch an ihrer demokratischen Entwicklung gemes- sen werden; zum Beispiel sollen Abgrenzungen gegenüber dem Nationalsozia- lismus, die zwar hinreichen, damit eine Partei nicht unter das österreichische Gesetz gegen die Wiederbetätigung des Nationalsozialismus fällt, begrüßt und gefördert werden, aber nicht dermaßen fehlinterpretiert werden, daß damit ein hinreichender Eignungsnachweis für die Übertragung von Mitverantwortung an der Regierung eines Staates gegeben wäre. III
Die
Mitglieder des Instituts für Philosophie appellieren
O.
Univ. Prof. Dr. Norbert Leser
IV Die heute international anerkannten Prinzipien der Demokratie und des Rechtsstaats, die Konzeptionen der Menschenrechte, der Toleranz und die Idee des Weltbürgertums entstammen ursprünglich der Philosophie. Seit der Antike, besonders aber seit dem Zeitalter der Aufklärung wurden diese Prinzipien durch die Philosophie wissenschaftlich legitimiert und weiter entfaltet bis zu den heutigen komplexen Demokratietheorien und Konzeptionen einer multiethnischen Gesellschaft. Im
Sinne dieser Tradition registriert das Institut für Philosophie der
Universität Wien mit großer Bestürzung, daß hochgestellte
Personen des politischen Lebens in Österreich sich immer wieder in
verantwortungsloser Weise zu fremdenfeindlichen und sonstwie menschen-
verachtenden Äußerungen hinreißen lassen. Wir fordern
eine hinreichend einmütige, sofortige und entschiedene Distanzierung
von solchen Entgleisungen durch die offiziellen Organe der Republik.
O.
Univ. Prof. Dr. Hans-Dieter Klein
Institutskonferenz
des Instituts für Philosophie Universität Wien
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| . | boa München Dokumentation, Quelle: [rohrpost] v.29.03.2000 |