| . | ...Besser als in den Sechzigern |
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Nach der Schlacht in Seattle Entsteht eine neue Protestkultur? |
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(...) Die nächste Konferenz der Welthandelsorganisation (WTO) wird in einer Stadt wie Singapur oder Jarkata stattfinden. Das Regiment der Großkonzerne, welches die WTO befördert, produziert so viel Widerstand, daß Zusammenkünfte nur noch unter dem bewaffneten Schutz eines Militärstaates stattfinden können. Zumindest eine positive Seite hat also diese von den Unternehmen kontrollierte Globalisierung: Die amerikanische Protestbewegung hat sich zusammengefunden - mit einer Militanz europäischen Stils von in Amerika nie dagewesenen Ausmaßen. Bill Clinton wollte seinen Auftritt vor der WTO als Aufführung seiner erfolgreichen Freihandelspolitik inszenieren; statt dessen mußte er seine Rede unter dem Schutz von Barrikaden, Ausgangssperren, Sonderpolizei und Truppen der Nationalgarde halten - draußen war der Notstand ausgerufen. Die paar eingeschlagenen Schaufenster, auf die sich die Medien stürzten, dürften allerdings nicht von der Ungeheuerlichkeit dieses Ereignisses ablenken. Einer bizarren Mischung aus vielen zehntausend friedlicher Demonstranten - breitschultrige Stahlarbeiter marschierten neben Tierschützern in Meeresschildkröten-Kostümen, Umweltschützer gemeinsam mit Bergarbeitern, Menschenrechtsaktivisten Seite an Seite mit Kleinbauern - gelang es, die Eröffnungssitzung zu sprengen und das einst obskure Thema des fair trade in den Mittelpunkt zu stellen. "Vor einer Woche wußte niemand, was die WTO überhaupt ist, sagte der kalifornische Senator Tom Hayden, als er sich den Demonstranten auf der Straße anschloß, "durch diese Proteste kennt jetzt jedes Kind dieses Wort - und es ist kein sehr nettes Wort." Die Botschaft von den Straßen Seattles ist eindeutig: Eine WTO, die von den Großunternehmen beherrscht wird, die den Profit über die Menschen stellt und Eigentumsrechte über Menschenrechte - eine solche WTO kann ihren augenblicklichen Kurs nicht länger beibehalten. Und genau das riefen die friedlichen Demonstranten den völlig verschreckten Handelsdeligierten zu, die vor versperrten Konferenzräumen standen: "Wir wollen euch nicht! Wir haben euch nicht gewählt! Und wir wollen eure Regeln nicht!" (...) Seattle
ist erst der Anfang. "Wir wollen nicht vermarktet werden", rief Gewerkschaftsführer
Gerald McEntee zigtausenden von jubelnden Arbeitern zu, die während
der WTO-Konferenz für Arbeitsrechte und Umweltschutz marschierten."Wir
müssen das System beim Namen nennen", das Ausbeuterbetriebe und Kinderarbeit
toleriere, "und dieses System ist ein Kapitalismus der Großkonzerne."
Und der Präsident der Hafenarbeitergewerkschaft, Brian McNally, rief:
"Wir werden ihnen die Weltherrschaft nicht kampflos überlassen. Seid
ihr zum Kämpfen bereit?"
Quelle:
SZ v. 08.12.99
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