boa-Chronik/1983: boa-Videogalerie, "Neue Normen gesucht"
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Neue Normen gesucht

Avantgardistische Video-Raritäten im Werkstudio

  Die B.O.A.-Video Galerie öffnete endlich ihre Archive und lud im Werkstudio (München, Fraunhoferstr.33) zu einer Underground-Vorführung des avagantgardistischen Videofilms zwischen 1967 und 1983. Es wurde auch Zeit, denn längst ist bekannt, daß B.O.A. nicht nur Geräte verleiht, sondern sich auch an die Beschaffung europäischer Video-Raritäten herangewagt hat.

  Die Videokünstler der 60er und 70er Jahre kehren das Fernsehen zu einem Nahsehen um. Sie suchten nach neuen Normen und verirrten sich gelegentlich in technisch-visuellen Exaltationen. Sie suchten allerdings in ihren Inhalten nach zeitlichen Auflösungen. So entstanden die typischen Periodika elektronischer Signale einerseits. Auf der anderen Seite wurden Inhalte (z.B. Gesichter) zum Experimentierfeld und gerieten unterbewußt zu kleinen kommunikationswissenschaftlichen Arbeiten (Peter Weibels Selbstportrait mit Aktbesprechung von 1975/86). Dieter Meiers Tape "Water" von 1976 zeigt in knapp 6 Minuten einen Wasserstrahl, der seine Druckstärke verändert. Eine introvertierte Betrachtung, die einiges an meditativem Können abverlangt.

  Etwas verwunderlich, daß sich A. Letztels neueste Produktion "0000" von 1983 an den Normen des Videoverständnisses vor 20 Jahren orientiert. Er durchbricht in seiner 17minütigen U-Bahnfahrt durch die Münchner Stationen sämtliche Sehgewohnheiten und Spannungserwartungen. Bleibt zu hoffen, daß derartige Undergroundvorführungen zur Gewohnheit werden, nicht nur für Insider.

  Am kommenden Freitag zeigt P.A.Defilla (ebenfalls im Werkstudio) Videoarbeiten unter dem Titel "Testsignale".

Helmut Schaefer, TZ, 1.11.1983

 
 



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