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Video
am Puls
der Zeit
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Abbildungen:
Videostudio der B.O.A.-Videokooperative, 1979
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...mehr als nur eine alternative Tagesschau...
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"Wir zeigen Euch, wie wir es sehen,
und dann wollen wir wissen, was Ihr dazu meint."
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Aufheben von festgefahrenen
Blickwinkeln
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(...) Ihnen geht es um Information, Dokumentation und um die Aufdeckung
der eingefahrenen Kommunikationsstrukturen der Medien und ihrer Manipulationstechniken.
Genauer: Die Leute von der B.O.A. produzieren Video-Filme, Filme,
die ihnen in Politik und Gesellschaft wichtig erscheinen: Aufrüstung
und Kriegsgefahr, Startbahnbau, Umweltverschmutzung und Hausbesetzer oder
auch über den letzten SPD-Parteitag, ihre neueste Produktion.
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Es geht ihnen aber nicht darum, nur fertige Filme zu den jeweiligen
Themen auf den Markt zu werfen und so die Zuschauer in den üblichen
Medienkonsumzwang zu drängen, - für sie ist Videoarbeit mehr
als nur eine alternative Tagesschau zu machen.
Zuerst einmal die Archivierung: Sie sammeln alles was sie kriegen können:
Primärinformation von Betroffenen, sekundäre aus der Berichterstattung
der Medien und natürlich auch eigene Aufnahmen. Damit dieses Archiv
nicht nur ein wüstes Durcheinander von Filmschnippseln bleibt, um
es für sie selbst und vor allem auch für Aussenstehende erschließbar
und bearbeitbar zu erhalten, katalosieren und ordnen sie diese Sammlung
mit moderner Datenverarbeitung.
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Denn wer hier herkommt, um sich Informationsmaterial über das
Thema zu holen, das ihn interessiert, kriegt ersteinmal keinen fertigen
Film vor die Nase gesetzt, sondern unter Anleitung, Zugang zum Archiv.
Den eigentlichen Film darf er sich dann nach eigenen Vorstellungen und
Bedürfnissen selber zusammenstellen.
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Natürlich hat B.O.A. auch eigene Produktionen und vor allem sehr
präzise Vorstellungen über die Art des Filme-Machens. Primär
geht es ihnen, neben der reinen Information, darum aufzuzeigen, wie in
den herkömmlichen Medien manipuliert wird. Manipuliert vor allem durch
Weglassen, durch geschicktes Anordnen von Informationen, aber auch durch
Herausreißen aus dem (gesamtpolitischen) Zusammenhang.
Nun, diese Manipulationdurchbrechung versuchen sie vor allem durch
neue, von der üblichen Mache abweichenende, Zusammenstellung von Information
zu erreichen oder auch durch Kombination von offiziellem Medienmaterial
mit dem von Betroffenen. Also etwa Szenen aus der Tagesschau mit
Videobändern von Demonstranten und Hausbesetzern. Was dabei herauskommt
sind neue, ungewöhnliche Blickwinkel und vor allem, das ist ihnen
wichtig, keine fertigen Nachrichten-Dogmen, die sagen, wie es wirklich
ist, sondern Meinungen. "Wir zeigen Euch, wie wir es sehen, und dann
wollen wir wissen, was Ihr dazu meint."
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Aufheben von festgefahrenen Blickwinkeln, zeigen, daß nicht alles
so ist, wie es "Heute" zeigt und Anregungen zu Diskussionen liefern
- das ist es, was B.O.A. will.
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Wo man die Filme sehen kann: Im Werkstatt-Kino (Fraunhoferstraße)
haben sie einen Großbildschirm aufgebaut, dort führen sie auch
regelmäßig ihre Produktionen vor. Außerdem kann man sich
die Cassetten ausleihen, und zwar Kopien auf allen Cassettengrößen
und -normen. Auch eine Form von Monopoldurchbrechung auf dem Informationsektor.
Wer kein Abspielgerät hat, kann sich auch eine ganze Ausrüstung
ausleihen. Nicht nur zum Abspielen, sondern auch Kameras zum Selber-Produzieren.
Damit unterstützen sie eben auch Projekte, die sich solch teure Anlagen
nicht leisten können, die aber trotzdem Informations- und Aufklärungsarbeit
machen wollen. Wichtig ist ihnen auch, daß sie vollkommen autonom
arbeiten, ohne irgendwelche Unterstützung von offiziellen Stellen.
Damit umgehen sie die Beeinflussung, die immer mit geschenktem Geld einhergeht.
(...)
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Buch-Magazin, August 1982 |
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