boa-Chronik/1976: P.A. Defilla, Phantasma, 13.IKM´76 Düsseldorf
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sonntagskonzert   anlässlich des   internationalen   kunstmarktes  düsseldorf

am 24. oktober 1976 um 12.30 uhr im messegelände

sie hören PHANTASMA von peider - a. defilla, ein musikkonzept für belie-

bige art    und anzahl  musikinstrumente,   klangerzeuger,   frequenzbereiche

und   lautstärken.   die klangquellen   befinden sich   innerhalb oder   ausser-

halb des aufführungsraumes   und können frei beweglich sein.   musiker sind

nicht   unbedingt   erforderlich.   jede aufführung   ist   im  prinzip ein  unwie-

derholbares  ereignis,   da  die reaktionen des  publikums   in das akustische

geschehen mithineinbezogen werden.

warnung:   DAS   KONZEPT   BEFASST  SICH  MIT  ERFAHRUNGEN,   DIE  DER  SACHE   NACH

EHER  ZU   DEN  DATAILS   ZAEHLEN,   FUER   DEN  BETRIEB  UND  DEN  UNTERHALT   EINES

KERNKRAFTWERKES   JEDOCH   ENTSCHEIDENDE   BEDEUTUNG  ERLANGEN  KOENNEN.   ES

WIRD  DAS  PROBLEM  DER  VERRINGERUNG  VON  LECKAGEN  BEHANDELT.   FERNER WIRD

EIN  VERFAHREN   ZUM  GEFRIERDICHTEN  VON   ROHRLEITUNGEN  BESCHRIEBEN.    DER BE-

RICHT  GEHT   KURZ  AUF   UNTERWASSERINSPEKTIONEN   EIN   UND   BESCHREIBT  EINIGE

SPEZIELLE   ERFAHRUNGEN    MIT   HILFSEINRICHTUNGEN:    IN EINEM   MINDESTENS   DREI-

WOECHIGEN   INTENSIVKURS,    BEI  DEM  DIE  ELTERN   UND  DIE   KINDER   IN  DER   KLINIK

BLEIBEN   MUESSEN,   FINDEN  VIERMAL  AM  TAG   SITZUNGEN  VON  JE 15 MINUTEN  DAU-

ER  STATT,   WAEHREND  DEREN   DIE   ELTERN   IHRE  GEISTIG  BEHINDERTEN  KINDER   UN-

TER  AUFSICHT  EINES  ARZTES  ODER   PSYCHOLOGEN  BEHANDELN.   BEI  ALLEN  AUSSER-

GEWOEHNLICHEN VORKOMNISSEN  BITTE RUHE  BEWAHREN UND  DIE ANWEISUNGEN DES

PERSONALS ABWARTEN. DAS ERLOESCHEN DER BELEUCHTUNG IN DEN WAGEN BEDEUTET

KEINE  GEFAHR.   BEI HALT AUF  FREIER  STRECKE   NICHT  OHNE  AUFFORDERUNG   DURCH

DAS  PERSONAL  AUSSTEIGEN;    EIGENMAECHTIGES  AUSSTEIGEN    IST    LEBENSGEFAEHR-

LICH.   DIES    HIER    IST    EIN   ABLENKMANOEVER.    GROESSTE   VORSICHT   IST   GEBOTEN.

LASSEN      SIE     SICH     NICHT    DURCH     TATSACHEN    MIT    BEIDEN    BEINEN    AUF   FE-

STEN   BODEN  BRINGEN.    LIEBEN  SIE  IHREN  NAECHSTEN  WIE  SICH SELBST. BEGEBEN SIE

SICH    DESHALB  NICHT   IN   UNNOETIGE    SCHWIERIGKEITEN.    FRAGEN  SIE  NICHT   WAS

DAS   SOLL.    HINTER  JEDES  WORT  GEHOERT  EIN   FRAGEZEICHEN.   MUT   ZUM   IRRTUM.

ABER   DAS   VERUNSICHERN   HAT   SEINE    GRENZEN.    NEHMEN  SIE   DIE  DINGE  WIE   SIE

SIND.    WIR  BEDAUERN,    IHNEN  KEINEN  BESSEREN  BESCHEID  GEBEN ZU KOENNEN  UND

VERBLEIBEN MIT FREUNDLICHEN GRUESSEN...

 
 
 
PHANTASMA, Musikkonzept von Peider A.Defilla
Realisation am 24.10.1976, 12.30 Uhr  im Rahmen von Kunst live
in den Düsseldorfer Messehallen
in Zusammenarbeit mit der P.A.P.-Kunstagentur und der Galerie b.o.a. München
Ausführende: P.A. Defilla, Horst Gaukel,  Messepublikum u.a..

Kunst live
Sirenenkonzert - Leute forderten Geld zurück
(Schlagzeile der Rheinischen Post, 25.10.1976)

Am Sonntag (...) kam in den Düsseldorfer Messehallen (...) ein Sonntagskonzert von Peider A. Defilla zur Aufführung: PHANTASMA - die Realisation eines totalen Musik-Envirenments, unter Einbeziehung der Messehallen, frei beweglichen Klangerzeugern, sowie Reaktionen des Publikums (Messebesucher und Aussteller, Messeleitung, Hallenaufsicht, Polizei und Presse).
  Ein von den Akteuren vor Konzertbeginn verteiltes Flugblatt enthielt Hinweise über die Art der Aufführung, sowie eine Warnung, bei allen außergewöhnlichen Vorkommnissen Ruhe zu bewahren.
  Die Musik-Aktion begann wenige Minuten vor 12.30 Uhr: Ein auf der Bühne im Messe-Cafe-Cream (Halle 13) installierter Synthesizer wurde eingeschaltet und erzeugte, nach einem automatisch ablaufenden Zufallsprogramm (Zufallsgenerierung) synthetische Klänge von kontinuierlich zunehmender Lautstärke.
  Ab 12.35 Uhr begann, entsprechend vorprogrammiert, hinter dem Synthesizer eine kleine Alarm-Sirene mit Dauerton zu heulen.
  Dies war das Signal, die in Halle 12  in Stellung gebrachten zwei 80 kg schwere Alarm- und Warnsirenen (Hörweite ca. 4,5 Km, ca. 90 Phon in 200 m Abstand) ertönen zu lassen.
  Der Abstand der kleinen Sirene zur am nächsten stehenden großen betrug ca. 30 Meter, zwischen den beiden großen Sirenen ca. 120 Meter, sodaß sich - ausgehend von der Bühne des Messe-Cafes bis zur am weitesten entfernt stehenden Sirene in Halle 12 - eine Klangdiagonale von etwa 200 Meter ergab. Neben den großen, auf schweren Podesten montierten Sirenen, waren große Plakate mit der Aufschrift 12.30 Uhr - Sonntagskonzert PHANTASMA von Peider A. Defilla - ACHTUNG Sirenen stehen unter Strom angebracht.
Während der gesamten Laufzeit der Sirenen verhielten sich die Messebesucher ruhig. Auch als das Aufsichtspersonal die Notausgänge  öffnete, entstand keine Panik.
  Nach ungefähr zehn Minuten Sirenenkonzert wurden auf Anordnung der Messeleitung die Stromzuführungen durch Ordnungspersonal zerstört und die  Sirenen, unter Mithilfe der inzwischen herbeigerufenen Polizei entfernt. Im Beisein von Vertretern der Messeleitung erfolgte ein polizeiliches Verhör der Akteure Peider A. Defilla und Horst Gaukel. Die Messeleitung gab zu Protokoll, die Musik-Aktion sei nicht genehmigt gewesen. Gleichlautendes wurde  über die Hallenlautsprecher ausgerufen. Außerdem wurde behauptet, unter den Messebesuchern sei Panik entstanden, was  jedoch  mittels  Videoaufnahmen und Zeugenaussagen widerlegt werden kann. Wenn überhaupt, brach Panik unter den Ausstellern aus, die auf das Äußerste empört die sichtlich erbleichten Messeverantwortlichen bezichtigten, bescheuert und unfähig zu sein, eine Kunstmesse ordnungsgemäß zu organisieren.
  Zu betonen ist, daß der Messeleitung per Einschreiben detaillierte Unterlagen  über die geplante Aktion zugegangen waren. Es erfolgten keinerlei Einwände, das Konzert wurde im offiziellen Veranstaltungskalender der Kunstmesse angekündigt und am Veranstaltungstag auf den  an den Halleneingängen aufgestellten Informationstafeln bekanntgemacht. Offensichtlich hatte sich  niemand mit Defillas Musikkonzept beschäftigt und nun erlebten alle ihre Überraschung - wie so häufig, wenn  kommerzielle Institutionen nach einem progressiven Image trachten und dabei die  Brisanz von neuer Kunst völlig übersehen. Doch zum Trost: Irritationen, die Kunst hervorzurufen vermag sind immer noch kalkulierbarer als die, die unsere von struktureller Gewalt durchwirkte Gesellschaft alltäglich erzeugt.
  Es bleibt noch zu berichten: Die beiden Akteure Defilla und Gaukel wurden unter Hinweis auf das Hausrecht und Androhung polizeilicher Gewalt vom Messegelände verwiesen. Außerdem erfolgte eine Strafanzeige.
 
 


Tig Elektro-Sirenen
zeichnen sich durch eine sehr robuste Konstruktion, Wetterbeständigkeit, sowie durch eine gute Reichweite aus.
Sie lassen sich universell einsetzen, beispielsweise für den Zivilschutz, den Feueralarm, den Sirenenalarm bei Lawinengefahr, sowie für den Einsatz bei Behörden und Industrieunternehmen.
Man kann verschiedene Sirenensignale damit ausstrahlen, wie gleichbleibende und unterbrochene Dauertöne, sowie Heultöne.
Modell ES-10:
Gewicht ca. 80 kg
Art des Motors: Drehstrom-Doppelnutläufer
Tonfrequenz: 420 Hz
Tonhöhe: a
Lautstärke  in 200 m Entfernung ca. 90 Phon
Hörweite bei Windstille ca. 4,5 km
 
 

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