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Experimentalfilme, avangardistische Filme - gibt es das noch?
Es ist still geworden um diese Spielform zwischen den Medien. Damals, Ende
der sechziger Jahre, hatte es noch anders ausgesehen, als im Gefolge der
Pop-art die Klassiker des amerikanischen Undergroundfilms in Großveranstaltungen
gierig aufgenommen wurden., als die Schockfilme der Wiener Aktionisten
noch frisch und wirksam waren; da schien etwas in Gang zu kommen, was sich
als Kraft gegen das traditionelle Erzählkino zu behaupten schien.
Doch so rasch wie es aufgeflammt war, erlosch das Interesse wieder. Die
meisten Filmemacher wandten sich kommerziell verwendbaren Formen zu. Eine
Episode schien beendigt.
Daß jetzt von einer Galerie und nicht von
einem Kino aus eine Neubelebung versucht wird, ist bezeichnend für
die veränderte Situation. Mehr und mehr nehmen heute Maler die Kamera
in die Hand. Das Interesse hat sich aufs Bild, auf die abstrakte Bewegung,
auf die Kinetik im Rahmenrechteck verlegt; und da sind die Möglichkeiten
erst versuchsweise und bescheiden angeritzt. Was jetzt (noch bis 17. Mai
[1975]) von der Galerie b.o.a. (Schraudolphstr.25) an schweizerischen Experimentalfilmen
gezeigt wird, hält sich zur Hälfte im (manchmal pubertär)
aufrechterhaltenen Rahmen der alten Undergroundtradition; doch daneben
gibt es Filme, in denen das Licht des Projektors, die Fläche der Leinwand,
der Rahmen des Bildes als formale Spielregeln ernst genommen werden, wie
seit den Pioniertagen der zwanziger Jahre nicht.
Filme, die mit Projektoren malen, wie Ligne Continue
von Peter Stämpfli und Peter von Gunten, wo die Kamera schräg
nach unten gerichtet, dicht über der Straßendecke, über
Mittel- und Zebrastreifen gefahren wird, so daß sich auf dem Bild
eine fortlaufende graphische Bewegung ergibt. Oder Co-Incidence
von Peider A.Defilla, wo arhythmisch auf zwei Projektionsflächen aufblitzende
Weißpunkte ein bewegtes Op-Muster auf die Netzhaut projezieren. Mit
solchen, in ihrer Entschiedenheit überzeugenden Filmen läßt
sich wieder an die Zukunft des Experimenatlfilms glauben. GOTTFRIED KNAPP,
SZ v.9.Mai 1975 |
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