boa-Chronik/Highlights/1987: b.o.a. beim Festival d.exper. Musik   S. 2
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  Glocken, Videos, Audiocassetten
Sommerfestival der experimentellen Musik in der Münchner TU.

"Kein Mensch kann heute den Anspruch vorbringen, 
nicht reproduziert zu werden."

Dieser Spruch des Videokünstlers Richard Kriesche zierte in der TU-Mensa einen Pavant, hinter welchem die Videokooperative B.O.A. auch gleich zur Aktion gegen den trügerischen Frieden vorm heimischen TV-Gerät schritt: Geräuschvoll gräßlich, knirschend und pfeifend dreht sich ein Bohrer durch die Fernsehscheibe, der schwere Hammer gibt ihr den Rest, bis sie zerspringt. Tatsächlich: Der Aufstand gegen die audiovisuellen Medien kommt aus dem Inneren der technischen Apparate. Sie werden aufgesprengt, damit Neues entstehen kann. So der erste Eindruck vom diesjährigen Sommerfestival der Experimentellen Musik München, das Videoproduktionen, musikalische Aktionen wie "Versuch Experiment" von Stephan Wunderlich, Rolf Langebartels "Tischkonzert mit Personal Computer" und "Iguit Nadamon" von Thomas Olescher
und Michael Rom in der TU-Mensa vorstellte.
  Experimentelle Videokunst ebenso wie experimentelle Musik lebt von diesem Zwiespalt: Aus der Zertrümmerung etablierter Kunst und Institutionen schöpft sie ihre Kreativität, auch aus dem Widerspruch von Verweigerung gegenüber einem traditionellen Kunstbegriff und der Notwendigkeit, sich selbst immer neu zu definieren. Eine paar Schritte weiter ein ganz anderes Medienexperiment. Für Hans Rudolf Zeller verbindet sich experimentelle Musik mit der Vorstellung, daß nicht nur alles Akustische, sondern auch Zeichensprachen wie Schrift, Zahlen, graphische Kritzeleien, Reden, ja Atemzüge eine Verbindung eingehen. Zellers "BlaKa-Projekt" aus simultanen Rede-, Schreib- und Zeichenaktionen und konserviert auf Blättern und Audiocassetten, fordert den Betrachter oder Walkman-Hörer auf zur Rekonstruktion und Synchronisierung von Schriftzeichen und Hörereignis- "ein Abenteuer", so Zeller, "ohne Ende". (...) SZ, 10.7.1987
 

 

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