boa-Chronik/Highlights/1977: Brahms bei b.o.a.  S. 2
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Brahms bei B.O.A.
Ein Zwischenbericht zu der umstrittenen Ausstellung "Johannes Brahms - Oelbilder", einer Zusammenarbeit der Johannes Brahms-Stiftung und der Galerie b.o.a., Schraudolphstr.25

"Was soll der Scheiß? Das ist doch überhaupt keine Ausstellung."
  "Ich finde das gut. Jetzt kriegen die Leute, die aus Kulturbeflissenheit in die Galerie kommen, eine vor den Latz geknallt."
  Wer in der Galerie b.o.a. Brahms´sche Oelbilder sehen wollte, erlebte seinen wohl überraschendsten Ausstellungsbesuch. Statt Oelgeschwelge, wie es das Plakat versprach, vier kühle Texttafeln mit Auszügen aus Zeitungsartikeln der bekanntesten Münchner Kunstkritiker, Glanzstücke aufgeblasenen Feuilleton- Geschwafels. Dazu ein Stoß 16-seitiger Fragebögen zum Ausfüllen.
 Nach der ersten Verplüffung entpuppte sich die kärgliche Szenerie als raffiniert-intellektuelle Denkfalle, die bei einem Teil des Publikums zu Empörung und aggressiven Ausbrüchen führte, anderen zu spontan-witzigem Mitmachen verhalf. Die 50 schlau kalkuierten Fragen zu den verschiedensten Problemen der Gegenwart samt den beigegebenen möglichen und unmöglichen  Auswahl-Antworten provozierten zum Grübeln nach dem Sinn unter der pene- trant undurchsichtigen Oberfläche aus scheinbar Vernünftigem, Aggression und Spaß.
  Die Antworten und Fragen, die die Ausstellungsbesucher lieferten, waren nach einer ersten Durchsicht der in großer Zahl ausgefüllten Bögen genauso vielfältig und überraschend wie die Fragen und Antworten der Aussteller selbst. Der nächste Zug in diesem Spiel wird nach der endgültigen Auswertung wieder von b.o.a. kommen.
  Wir sind gespannt.

Thomas Müller
"SZENE - München" 1.3.1977

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