Brahms bei B.O.A.
Ein Zwischenbericht zu der umstrittenen Ausstellung "Johannes Brahms
- Oelbilder", einer Zusammenarbeit der Johannes Brahms-Stiftung und der
Galerie b.o.a., Schraudolphstr.25
"Was soll der Scheiß? Das ist doch überhaupt
keine Ausstellung."
"Ich finde das gut. Jetzt kriegen die Leute, die
aus Kulturbeflissenheit in die Galerie kommen, eine vor den Latz geknallt."
Wer in der Galerie b.o.a. Brahms´sche Oelbilder
sehen wollte, erlebte seinen wohl überraschendsten Ausstellungsbesuch.
Statt Oelgeschwelge, wie es das Plakat versprach, vier kühle Texttafeln
mit Auszügen aus Zeitungsartikeln der bekanntesten Münchner Kunstkritiker,
Glanzstücke aufgeblasenen Feuilleton- Geschwafels. Dazu ein Stoß
16-seitiger Fragebögen zum Ausfüllen.
Nach der ersten Verplüffung entpuppte sich
die kärgliche Szenerie als raffiniert-intellektuelle Denkfalle, die
bei einem Teil des Publikums zu Empörung und aggressiven Ausbrüchen
führte, anderen zu spontan-witzigem Mitmachen verhalf. Die 50 schlau
kalkuierten Fragen zu den verschiedensten Problemen der Gegenwart samt
den beigegebenen möglichen und unmöglichen Auswahl-Antworten
provozierten zum Grübeln nach dem Sinn unter der pene- trant undurchsichtigen
Oberfläche aus scheinbar Vernünftigem, Aggression und Spaß.
Die Antworten und Fragen, die die Ausstellungsbesucher
lieferten, waren nach einer ersten Durchsicht der in großer Zahl
ausgefüllten Bögen genauso vielfältig und überraschend
wie die Fragen und Antworten der Aussteller selbst. Der nächste Zug
in diesem Spiel wird nach der endgültigen Auswertung wieder von b.o.a.
kommen.
Wir sind gespannt.
Thomas Müller
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