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W.W.:
Die Zukunft des Kinos ist die digitale Technik (...). Was mich (...) reizt,
ist, an der Neuerfindung des
Kinos mitzuarbeiten, die in
den nächsten Jahren vonstatten gehen wird.
Können
Sie aus Ihrer Sicht mit der amerikanischen Szene mithalten?
Es
ist ein Mythos, daß in Amerika irgendetwas besser, leichter oder
schneller ginge. Gerade in diesem neuen Handwerk der digitalen Produktion,
das sich in den 90er Jahren herausgebildet hat, können die Amerikaner
nichts, was man nicht in London, Paris oder Frankfurt auch könnte.
Es gibt zur Zeit keinen Spezial-Effekt, den man in Los Angeles besser machen
würde als hier (...).
Auch
Firmen wie die von George Lucas nicht?
George
Lucas kocht mit demselben Wasser. Die Software ist zum Teil in Deutschland
entwickelt worden, zum Teil in Kanada, und auch die Computer, die in Los
Angeles herumstehen, sind die gleichen wie hier. Es kommt letztendlich
darauf an, welcher Operator die Maschine bedient, und ich glaube kaum,
daß ich in Amerika bessere Leute finden könnte, im Gegenteil,
ich glaube, daß wir in dieser Hinsicht ganz vorne stehen.
Welche
Bedeutung geben Sie in Zukunft der Arbeit am Set? Wird sie unwichtiger,
weil die Möglichkeiten der Nachbearbeitung so vielfältig und
mächtig sind?
Es
verschiebt sich auf jeden Fall etwas. Es gibt so einen blöden Spruch,
wenn am Drehort mal was nicht klappt: "We'll fix it in post." Das ist natürlich
Schwachsinn, denn was man nicht im Kasten hat, das kann man nicht bearbeiten.
Es verschiebt sich ein Teil der Einwirkung, die man auf den Film hat. Man
muß beim Drehen sehr genau wissen, wie diese Entscheidungen aussehen,
und zum Teil noch sorgfältiger arbeiten, um hinterher keine bösen
Überraschungen zu erleben. Was sich für einen Regisseur verändert
hat, ist, daß man noch viel mehr auf Teamwork angewiesen ist als
bisher: Viele Kreativaufgaben, die einmal Regie-Sache waren, fallen heute
in den Bereich des Kameramanns oder des Special-Effekt-Supervisors.
Sind
Post-Production-Ingenieure heute mit am Set?
Ohne
die kommt man nicht aus. Schon bei der Drehbuch-Entwicklung, beim Storyboard
und beim Design der Einstellungen muß man die digitalen Handwerker,
wenn ich sie mal so nennen darf, eng einbeziehen.
Hat
sich Ihr Selbstverständnis als Regisseur über die technische
Weiterentwicklung in den letzten 30 Jahren verändert?
Vor
30 Jahren war die Regiearbeit eine völlig andere als heute, und nicht
nur wegen der Technik. Vor 30 Jahren gab es die Autorentheorie noch, da
konnte man Autor, Regisseur und Produzent zugleich sein. Diese französisch-italienische
Idee der 60er Jahre ist im Deutschland der 70er Jahre ja enorm weiterentwicklet
worden, wurde dann in den 80er Jahren zum Auslaufmodell und hat für
mich ihre Macht und Rolle verloren. Das europäische Kino der 90er
Jahre ist geprägt vom klassichen Triumvirat Autor/Produzent/ Regisseur,
anders als das amerikanische, das sich mehr produzentenorientiert entwickelt
hat. Diese Arbeitsteilung hat im europäischen Film meines Erachtens
Kraft und Energien freigesetzt, und was die neuen Technologien betrifft:
Wir kratzen doch erst an der Oberfläche dessen, was möglich ist.
Im
Vergleich: Hat Ihnen die Arbeit früher mehr Spaß gemacht? Haben
Sie damals mehr Freiheit empfunden oder heute?
Freiheit?
Der Autorenfilm bedeutete viel Verantwortung, große Belastung, ja
Last. Und es hat ja nach Faßbinder auch keinen mehr gegeben, der
ihn mit solcher Energie betreiben konnte. Über das Lernen der neuen
Aufgabenverteilung kann ich für mich nur sagen: Ich mache heute lustvoller
Kino als je zuvor.
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