Pünktlichkeit, Zucht und
Ordnung
Deutsche wollen
wieder strenger erziehen
Die Mehrheit der
Bundesbürger befürwortet laut einer Umfrage eine strengere
Erziehung für Kinder. Deutschlands Väter und Mütter
stimmen damit der Kanzlergattin Doris Schröder- Köpf zu, die
in einem Interview mehr traditio- nelle Werte in der Kindererziehung
forderte. Kritik an den Äußerungen Schröder-Köpfs
kommt dagegen vom Deutschen Kinderschutzbund: Sie bediene damit
Vorurteile in der Bevölkerung.
Mi.16.05.01 - Der Deutsche Kinderschutzbund hat die Forderungen Doris
Schröder-Köpfs nach mehr traditionellen Werten in der
Kindererziehung kritisiert. "Das bedient Vorurteile in der
Bevölkerung", sagte Präsident Heinz Hilgers vergangenen
Donnerstag in Hannover. "Was wir brauchen, ist eine partnerschaftliche
Erziehung, bei der die Kinder ernst genommen werden." Die Ehefrau von
Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte gefordert, Werte wie
Pflichtbewusstsein, Fleiß und richtiges Benehmen stärker in
den Mittelpunkt der Kindererziehung zu rücken.
"Ich vermisse bei dieser Aufzählung die Tugenden
Einfühlungsvermögen und Empfindsamkeit", sagte Hilgers.
Kinder sollten vor allem dadurch erzogen werden, dass man ihnen zeigt:
Die Eltern mögen die eigenen Sprösslinge und nehmen sie
für voll. "Kinder brauchen Liebe", sagte Hilgers. Außerdem
sollten die zahlreichen Vorbilder in Familie, Schule und Medien, an
denen sich Kinder automatisch orientieren, möglichst gute Werte
vorleben. Statt Strenge rät Hilgers: "Man muss begründen,
argumentieren, viel sprechen."
Die Mehrheit der Bundesbürger befürwortet dagegen laut einer
Umfrage eine strengere Erziehung von Kindern. 62 Prozent sagen "Ja" auf
die Frage: "Sollen Kinder strenger erzogen werden?" Insbesondere
ältere und weniger gebildete Bürger sind für eine
strengere Erziehung, wie eine Umfrage von RTL ergab.
(Quelle: dpa)
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