Bedrückende
Umfrage-Ergebnisse:
Immer mehr
Jugendliche verlieren Vertrauen in Regierungen und Politiker
Nur vier von zehn
Heranwachsenden in Europa und Zentralasien sind der Meinung, dass
Wahlen in ihren Ländern etwas verändern würden. Das
ergab eine internationale Studie des UN-Kinderhilfswerks. Für die
Mehrheit der Jugendlichen in Mitteleuropa ist Gewalt in der Familie
kein Fremdwort.
Do.17.05.01 - Eine erstmals in Europa und Zentralsasien erhobene
internationale Studie des UN-Kinderhilfswerks Unicef kommt zu dem
Ergebnis, dass nicht einmal jeder dritte Jugendliche Vertrauen in
Regierungen und Politiker hat. In 35 Staaten wurden mehr als 15.000
neun- bis 17-Jährige zu ihrer Lebenssituation, ihren Hoffnungen
und ihrem Verhältnis zur Politik befragt.
"Es würde sich lohnen, stärker darauf zu hören, was
Kinder von den politischen Institutionen halten", sagte
Unicef-Direktorin Carol Bellamy am Mittwoch bei der Vorstellung der
Studie auf der internationalen Konferenz "Kinder in Europa und
Zentralasien" in Berlin. "Vielleicht würden sie sich dann besser
repräsentiert fühlen." Die bislang größte
vergleichende Umfrage hatte gezeigt, dass nur vier von zehn der
Befragten der Meinung sind, dass Wahlen in ihren Ländern etwas
verändern würden. Dennoch wünscht sich beinahe jeder
Dritte, mehr an politischen Entscheidungen beteiligt zu werden.
In Osteuropa und Zentralasien wünscht sich beinahe jeder zweite
Jugendliche, dass sich in seiner Heimat vor allem die wirtschaftliche
Lage und damit der Arbeitsmarkt verbessere. Die Heranwachsenden in
westeuropäischen Ländern wünschen sich in erster Linie
einen Rückgang von Kriminalität und Luftverschmutzung. Nahezu
jeder vierte Jugendliche in Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion
würde gerne auswandern, wenn er erwachsen ist, bevorzugt nach
Westeuropa oder Nordamerika.
Allein in den Ländern Mitteleuropas kennen 69 Prozent der
Heranwachsenden gewalttätiges oder aggressives Verhalten in der
Familie, in Westeuropa immerhin mehr als die Hälfte. Auch in der
Bundesrepublik ist Gewalt in der Familie kein Fremdwort für
Jugendliche. Zwölf Prozent haben hier nach eigenen Angaben erlebt,
dass sich Familienmitglieder schlagen.
Die Antworten der Studie, die das deutsche Meinungsforschungsinstitut
im Auftrag von Unicef und der OSZE erstellt hat, repräsentieren
dem UN-Kinderhilfswerk zufolge die 93 Millionen in Europa und
Zentralasien lebenden jungen Menschen. Auf Grundlage der
Umfrage-Ergebnisse wollen die 53 Teilnehmer des dreitägigen
Treffens in Berlin eine Erklärung verabschieden. Die in diesem
"Berliner Commitment" formulierten Ziele zur Verbesserung der
Kinderrechte sollen im September in den UN-Weltkindergipfel in New
York einfließen.
(Quelle: fr)
Hintergrundinformation zur UNICEF-Umfrage
http://www.unicef.de/akt/akt_141.php?news_id=385
Was denken Kinder und Jugendliche in Deutschland?
http://www.unicef.de/akt/akt_141.php?news_id=386
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