Arbeitsmarkt-Politik:
Regierung streicht
Bundesanstalt für Arbeit den Zuschuss
Arbeits- und
Finanzministerium einigten sich auf die Streichung von derzeit 1,2
Milliarden DM Bundeszuschuss für die Bundesanstalt für
Arbeit ( BfA ), da die Arbeitslosenzahlen im kommenden Jahr auf unter
3,5 Millionen sinken könnte, so ein Regierungssprecher. Die
"deutliche Abkühlung" des Konjunkturklimas dürfte jedoch eher
zu einem Anstieg der Erwerbslosen- Zahlen führen. Saisonbereinigt
hat im April die Zahl der Arbeitslosen -im vierten Monat in Folge-
leicht zugenommen.
Mi.23.05.01 - Vom kommenden Jahr an muss sich die Bundesanstalt
für Arbeit (BfA) selbst finanzieren. Der Sprecher des
Arbeitsministeriums, Klaus Vater, bestätigte am Dienstag in
Berlin, dass der Bundeszuschuss für die BfA von derzeit 1,2
Milliarden DM 2002 gestrichen wird. Darauf hätten sich Arbeits-
und Finanzministerium geeinigt. Der DGB kritisierte die geplante
Mittelkürzung. Nach Aussage von Vater ist die Streichung des
Zuschusses gerechtfertigt, da die Arbeitslosenzahlen im kommenden Jahr
auf unter 3,5 Millionen sinken könnten. Dieses Ziel sei
erreichbar, sagte der Sprecher. Außerdem gehe der Aufwuchs an
Beschäftigung voran und die arbeitsmarktpolitischen Instrumente
griffen stärker.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat die Zahl von 3,5
Millionen Arbeitslosen am Ende der Legislatur zum Maßstab des
Erfolgs seiner Politik gemacht. Dieses Ziel ist durch die relative
Schwäche der Konjunktur gefährdet, die den Arbeitsmarkt
derzeit bei etwa 3,9 Millionen Erwerbslosen stagnieren läßt.
Das machen die jüngsten Daten aus Wiesbaden und Nürnberg
deutlich. Saisonbereinigt hat im Februar die Erwerbstätigkeit
wiederum nicht mehr zugenommen und die Zahl der Arbeitslosen ist im
April - im vierten Monat in Folge - leicht gestiegen. Fatal ist, dass
die Konjunkturaussichten für Deutschland von Experten immer
schlechter eingeschätzt werden. Die Deutsche Bundesbank spricht
von einer "deutlichen Abkühlung" des Konjunkturklimas. Nach
Ansicht gleich mehrerer Mitglieder des Sachverständigenrates ist
die von der Bundesregierung für 2001 erwartete – ohnehin bereits
kräftig nach unten korrigierte – Wachstumsrate von rund zwei
Prozent kaum noch zu erreichen.
Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer wandte sich
entschieden gegen Mittelkürzungen für die
Arbeitsmarktpolitik. Da die Konjunktur an Tempo verliere, dürften
die Ausgaben für den Arbeitsmarkt im kommenden Jahr keinesfalls
gekürzt werden. Der Zuschuss sei in diesem Jahr schon zu knapp
bemessen.
Ende April betrug das Defizit der BA laut Berliner Zeitung bereits eine
Milliarde DM. Die Pläne des Finanzministers könnten das Ziel
der Bundesregierung gefährden, die Lohnnebenkosten weiter zu
senken. Nach Plänen der Grünen solle der Beitragssatz für
die Arbeitslosenversicherung von derzeit 6,5 Prozent um einen
Prozentpunkt gesenkt werden. Riesters Ministerium peile eine
Beitragsreduzierung um 0,2 Punkte an.
(Quelle: ap, sz)
Der faule Kanzler: Schröders Scheitern auf dem
Arbeitsmarkt
"Die Bundesregierung ist sich völlig im Klaren darüber, dass
sie ihre Wahl wesentlich der Erwartung verdankt, die Arbeitslosigkeit
wirksam zurückdrängen zu können - und genau dieser
Herausforderung werden wir uns stellen."
Gerhard Schröder, Bundeskanzler, am 10. November 1998
"Wir haben in Deutschland derzeit 3,9 Millionen registrierte
Arbeitslose, aber der Sachverständigenrat rechnet noch die
verdeckte Arbeitslosigkeit hinzu: das sind Leute, die in Kurzarbeit
sind, in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen oder in
Qualifizierungsmaßnahmen oder die vorzeitig in Rente gegangen
sind. Und wenn man diese verdeckte Arbeitslosigkeit hinzuzählt,
dann kommen wir in Deutschland auf knapp sechs Millionen Arbeitslose."
Prof. Jürgen Kromphardt, Sachverständigenrat der
Bundesregierung, in der ARD-Monitor-Sendung vom 17.05.01
"Seit letzten Dienstag, (15.05.01) nun hat der Kanzler die
Erfolglosigkeit seiner Arbeitsmarktpolitik schwarz auf weiß:
Nach den neuesten Zahlen der Bundesanstalt für Arbeit sind die
Arbeitslosenzahlen seit Januar 2001 - saisonbereinigt - kontinuierlich
gestiegen. Und eine Besserung scheint immer noch nicht in Sicht."
Klaus Bednarz in der Anmoderation des ARD-Monitor-Berichts von Georg
Restle und Kim Otto vom 17.05.01.
Sende-Manuskript und Video im Internet unter:
http://wdr.de/tv/monitor/archiv.phtml?id=297
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