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 last update: boa München, Di. 29.05.2001 - 09:15 
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"Wüster Rassismus"

Schwere Rassen-Krawalle in Großbritannien

Straßenschlachten zwischen asiatischen Einwanderern und Einheimischen. Rechtsradikale stiften seit Wochen Unruhe im nordenglischen Oldham. Auch konservativen Politikern wird vorgeworfen, im Wahlkampf Stimmung gegen Asylsuchende gemacht zu haben.

Di.22.05.01 - Zu schweren Rassen-Unruhen ist es in der Nacht zum Sonntag in der englischen Stadt Oldham bei Manchester gekommen. Etwa 500 junge Pakistaner und Bangladescher lieferten sich sieben Stunden lang Straßenschlachten mit 200 Polizisten.

Die Jugendlichen warfen nach Angaben der Polizei mit Molotow-Cocktails und Pflastersteinen und feuerten mindestens vier Schüsse ab. Vier Pubs wurden demoliert, Autos schrottreif geschlagen, ein Polizeiwagen in Brand gesteckt. Polizeichef Eric Hewitt sprach von einer "sehr ernsten Situation" und von "beispielloser Brutalität". Am Sonntag war die Lage zunächst ruhig. "Überall liegt Unrat, und die Luft ist voller Qualm", sagte eine Polizeisprecherin. Sie sprach von vereinzelten Feuern in den Straßen.

In der folgenden Nacht waren erneut 200 Jugendliche aus den asiatischen Vierteln in Oldham unterwegs, um der Polizei die Stirn zu bieten. Sie bauten Barrikaden und warfen Benzinbomben. Sie setzten das Gebäude der örtlichen Zeitung Oldham Evening Chronicle in Brand, der sie "wüsten Rassismus" vorwarfen.

"Szenen wie diese haben wir noch nie gesehen", sagte Polizeichef Hewitt. Obwohl sich die Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen seit Monaten aufgebaut hätten, habe niemand mit einer solchen Eskalation gerechnet. Die Liberaldemokraten machten die Konservativen für die Ausschreitungen mitverantwortlich, da sie im Wahlkampf Stimmung gegen Asylsuchende gemacht hätten. Oppositionsführer William Hague bestritt dies: "Das Thema Asyl ist etwas ganz anderes als Rasse", sagte er.

In Oldham, einer früheren Textilstadt, in der heute 40 Prozent aller Jugendlichen arbeitslos sind, stiften die rechtsradikale Front (NF) und die Britische National-Partei (BNP) seit Wochen Unruhe mit einer Kampagne "zur Verteidigung des weißen Normalbürgers". Sie verteilen Wahlpamphlete gegen "das künstliche multi-ethnische Britannien". Das Innenministerium verbot beiden Verbänden Märsche durch die Stadt.

Der Vorsitzende der BNP, Nick Griffin, hat sich vor wenigen Wochen in Oldham zum Kandidaten seiner Partei für die Unterhauswahlen erklärt, nachdem sich bereits andeutete, dass die Spannungen kurz vor der Eskalation standen. Die Polizei registrierte in jüngster Zeit "eine klare Zunahme der Präsenz auswärtiger Rechtsradikaler" in der Stadt. Indes sehen sich die Ordnungshüter selbst von Pakistanern und Bangladeschern kritisiert. Die Polizei schütze die asiatische Bevölkerung nicht genug gegen rechtsradikale Attacken, beklagten Sprecher der Minderheiten.


Oldham ist schon seit vergangenem Jahr Schauplatz gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen Weißen und Asiaten. Diesmal kam es nach Polizei- Angaben zu den Ausschreitungen, weil weiße Fußballfans das Haus einer asiatischen Familie mit Steinen beworfen und spielende Kinder attakiert hatten. Daraufhin hätten etwa hundert asiatische Jugendliche einen von Weißen besuchten Pub angegriffen.

Inzwischen sprang der Funke auf die kleine südenglische Stadt Aylesbury über.
Dort attackierten rund 60 asiatische Jugendliche, mit Knüppeln und Baseball-Schlägern bewaffnet, ein Haus, in dem sie Mitglieder der NF vermuteten.

(Quellen:dpa, ap. rtr ,sz, fr)


 
 


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