"Wüster Rassismus"
Schwere
Rassen-Krawalle in Großbritannien
Straßenschlachten
zwischen asiatischen Einwanderern und Einheimischen. Rechtsradikale
stiften seit Wochen Unruhe im nordenglischen Oldham. Auch
konservativen Politikern wird vorgeworfen, im Wahlkampf Stimmung gegen
Asylsuchende gemacht zu haben.
Di.22.05.01 - Zu schweren Rassen-Unruhen ist es in der Nacht zum
Sonntag in der englischen Stadt Oldham bei Manchester gekommen. Etwa
500 junge Pakistaner und Bangladescher lieferten sich sieben Stunden
lang Straßenschlachten mit 200 Polizisten.
Die Jugendlichen warfen nach Angaben der Polizei mit Molotow-Cocktails
und Pflastersteinen und feuerten mindestens vier Schüsse ab. Vier
Pubs wurden demoliert, Autos schrottreif geschlagen, ein Polizeiwagen
in Brand gesteckt. Polizeichef Eric Hewitt sprach von einer "sehr
ernsten Situation" und von "beispielloser Brutalität". Am Sonntag
war die Lage zunächst ruhig. "Überall liegt Unrat, und die
Luft ist voller Qualm", sagte eine Polizeisprecherin. Sie sprach von
vereinzelten Feuern in den Straßen.
In der folgenden Nacht waren erneut 200 Jugendliche aus den asiatischen
Vierteln in Oldham unterwegs, um der Polizei die Stirn zu bieten. Sie
bauten Barrikaden und warfen Benzinbomben. Sie setzten das Gebäude
der örtlichen Zeitung Oldham Evening Chronicle in Brand, der sie
"wüsten Rassismus" vorwarfen.
"Szenen wie diese haben wir noch nie gesehen", sagte Polizeichef
Hewitt. Obwohl sich die Spannungen zwischen den
Bevölkerungsgruppen seit Monaten aufgebaut hätten, habe
niemand mit einer solchen Eskalation gerechnet. Die Liberaldemokraten
machten die Konservativen für die Ausschreitungen
mitverantwortlich, da sie im Wahlkampf Stimmung gegen Asylsuchende
gemacht hätten. Oppositionsführer William Hague bestritt
dies: "Das Thema Asyl ist etwas ganz anderes als Rasse", sagte er.
In Oldham, einer früheren Textilstadt, in der heute 40 Prozent
aller Jugendlichen arbeitslos sind, stiften die rechtsradikale Front
(NF) und die Britische National-Partei (BNP) seit Wochen Unruhe mit
einer Kampagne "zur Verteidigung des weißen Normalbürgers".
Sie verteilen Wahlpamphlete gegen "das künstliche multi-ethnische
Britannien". Das Innenministerium verbot beiden Verbänden
Märsche durch die Stadt.
Der Vorsitzende der BNP, Nick Griffin, hat sich vor wenigen Wochen in
Oldham zum Kandidaten seiner Partei für die Unterhauswahlen
erklärt, nachdem sich bereits andeutete, dass die Spannungen kurz
vor der Eskalation standen. Die Polizei registrierte in jüngster
Zeit "eine klare Zunahme der Präsenz auswärtiger
Rechtsradikaler" in der Stadt. Indes sehen sich die Ordnungshüter
selbst von Pakistanern und Bangladeschern kritisiert. Die Polizei
schütze die asiatische Bevölkerung nicht genug gegen
rechtsradikale Attacken, beklagten Sprecher der Minderheiten.
Oldham ist schon seit vergangenem Jahr Schauplatz gewalttätiger
Auseinandersetzungen zwischen Weißen und Asiaten. Diesmal kam es
nach Polizei- Angaben zu den Ausschreitungen, weil weiße
Fußballfans das Haus einer asiatischen Familie mit Steinen
beworfen und spielende Kinder attakiert hatten. Daraufhin hätten
etwa hundert asiatische Jugendliche einen von Weißen besuchten
Pub angegriffen.
Inzwischen sprang der Funke auf die kleine südenglische Stadt
Aylesbury über.
Dort attackierten rund 60 asiatische Jugendliche, mit Knüppeln und
Baseball-Schlägern bewaffnet, ein Haus, in dem sie Mitglieder der
NF vermuteten.
(Quellen:dpa, ap. rtr ,sz, fr)
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