Was kann, was darf, was soll
der Mensch tun?
Grundsatzdebatte des
Bundestags über strittige Gentechnik
Zu Gentests und
Stammzellenforschung waren aus fast allen Fraktionen skeptische bis
ablehnende Positionen zu hören. Wissenschaftler der
Universität Bonn wollen offenbar bereits in einigen Wochen mit
der Forschung an embryonalen Stammzellen beginnen.
Fr.01.06.01 - Politiker aller Parteien haben in einer Grundsatzdebatte
des Bundestages über die Chancen und Risiken der Gentechnik
diskutiert. Bundeskanzler Schröder sprach sich dabei für die
so genannte Präimplantationsdiagnostik aus und hat sich damit
deutlich von seiner Justizministerin Herta Däubler-Gmelin
abgesetzt. Über das umstrittene Thema waren dagegen aus fast
allen Fraktionen skeptische bis ablehnende Positionen zu hören.
Als einzige Fraktion sprach sich die FDP geschlossen für die
neuen Möglichkeiten aus.
In der Selektion oder Manipulation erbkranker befruchteter Zellen
spitzt sich die gesamte Debatte über Chancen und Risiken der
Gentechnik zu. Entschieden werden muss darüber, ob in Deutschland
befruchtete Ei- oder Stammzellen von wenigen Stunden Lebensdauer per
Gesetz zur medizinischen Verwertung freigegeben werden sollen.
In der Grundsatzdebatte des Bundestages forderten Politiker aller
Parteien moralische Grenzen. Wo diese liegen sollen, ist jedoch
umstritten.
Ungeachtet der noch offenen Diskussion und der Warnungen von Politikern
und Kirchen wollen Wissenschaftler der Universität Bonn offenbar
bereits in einigen Wochen mit der Forschung an embryonalen Stammzellen
beginnen. Das berichtet die "Financial Times Deutschland".
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD)
wolle die Arbeit der Forschergruppe um den Neuropathologen Oliver
Brüstle schnell ermöglichen.
Brüstle sagte der Zeitung, der finanzielle Rahmen sei noch offen.
Er wolle so schnell wie möglich mit der Arbeit an embryonalen
Stammzellen beginnen. Entwicklungen von Forscherteams in anderen
Ländern zeigten, wie groß die Konkurrenz sei.
Clement hatte am Donnerstag einen intensiven Austausch mit dem
Gentechnologie- Institut der Universität Haifa zur Forschung mit
embryonalen Stammzellen vereinbart. Das Institut ist eines von dreien
auf der Welt, die mit diesen Stammzellen arbeiten. Die Mediziner des
neuropathologischen Instituts in Bonn wollen Stammzellen importieren,
um damit Therapiemöglichkeiten für Nervenkrankheiten zu
erforschen. Ein entsprechender Importantrag liegt der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG) vor.
Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) hat sich für
eine begrenzte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID)
ausgesprochen. Die Untersuchung künstlich befruchteter Eizellen
auf Erbschäden außerhalb des Mutterleibs dürfe nicht
länger mit Strafen belegt werden, sagte Bulmahn am Donnerstagabend
im ZDF.
Mehr über die Grundsatzdebatte des Bundestags findet sich in dem
ARD Tagesschau "Special" - Positionen zur Gentechnik. Im Internet
abrufbar unter
http://www.tagesschau.de/archiv/themen2001/gentechnik/hp-gen.html
Hier gibt es auch gute Hintergrundinformationen zu den in der
Gentechnik-Debatte heiß diskutierten Begriffen: Eugenik, adulte
und embryonale Stammzellen, therapeutisches und reproduktives Klonen,
Embryonenschutzgesetz, Präimplantationsdiagnostik.
(Quellen: ard-tt, sz, fr)
Debatte über Gentechnik:
Kontroverse Diskussion bei Parteien und Regierung
Nach dem Aufruf von Bundespräsident Rau zu einem kritischeren
Umgang mit der Biomedizin, gibt es kontroverse Reaktionen in den
Parteien. Bundeskanzler Schröder betont den wirtschaftlichen
Nutzen der Gentechnik.[ mehr...
]
"gentechnik ist halluzinogen"*
Gegen Machbarkeitswahn in
Forschung und Wissenschaft:
Die "Berliner Rede" des Bundespräsidenten
Bundespräsident Johannes Rau hat in seiner "Berliner Rede"
(18.05.01) vor Machbarkeitswahn in Forschung und Wissenschaft gewarnt
und einen Fortschritt nach menschlichem Maß gefordert.
Rede-Auszüge unter:
http://szarchiv.diz-muenchen.de/REGIS_A12334436
Das Gen-ethische Netzwerk e.V. (GeN)
Information und Kritik zu Gen- und Fortpflanzungstechnologie
Das Gen-ethische Netzwerk e.V. (GeN) wurde 1986 gegründet. GeN
e.V. vermittelt Informationen und Kontakte zum Thema Gen- und
Fortpflanzungstechnik. Aufgabe des GeNs ist die kritische
Auseinandersetzung mit diesen Techniken. Es ist politisch und
finanziell unabhängig und steht allen interessierten Personen,
Initiativen und Organisationen zur Verfügung.
Mehr unter:
http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/
|