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 last update: boa München, Fr. 01.06.2001 - 09:15 
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Was kann, was darf, was soll der Mensch tun?

Grundsatzdebatte des Bundestags über strittige Gentechnik

Zu Gentests und Stammzellenforschung waren aus fast allen Fraktionen skeptische bis ablehnende Positionen zu hören. Wissenschaftler der Universität Bonn wollen offenbar bereits in einigen Wochen mit der Forschung an embryonalen Stammzellen beginnen.

Fr.01.06.01 - Politiker aller Parteien haben in einer Grundsatzdebatte des Bundestages über die Chancen und Risiken der Gentechnik diskutiert. Bundeskanzler Schröder sprach sich dabei für die so genannte Präimplantationsdiagnostik aus und hat sich damit deutlich von seiner Justizministerin Herta Däubler-Gmelin abgesetzt. Über das umstrittene Thema waren dagegen aus fast allen Fraktionen skeptische bis ablehnende Positionen zu hören. Als einzige Fraktion sprach sich die FDP geschlossen für die neuen Möglichkeiten aus.

In der Selektion oder Manipulation erbkranker befruchteter Zellen spitzt sich die gesamte Debatte über Chancen und Risiken der Gentechnik zu. Entschieden werden muss darüber, ob in Deutschland befruchtete Ei- oder Stammzellen von wenigen Stunden Lebensdauer per Gesetz zur medizinischen Verwertung freigegeben werden sollen.

In der Grundsatzdebatte des Bundestages forderten Politiker aller Parteien moralische Grenzen. Wo diese liegen sollen, ist jedoch umstritten.

Ungeachtet der noch offenen Diskussion und der Warnungen von Politikern und Kirchen wollen Wissenschaftler der Universität Bonn offenbar bereits in einigen Wochen mit der Forschung an embryonalen Stammzellen beginnen. Das berichtet die "Financial Times Deutschland". Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) wolle die Arbeit der Forschergruppe um den Neuropathologen Oliver Brüstle schnell ermöglichen.

Brüstle sagte der Zeitung, der finanzielle Rahmen sei noch offen. Er wolle so schnell wie möglich mit der Arbeit an embryonalen Stammzellen beginnen. Entwicklungen von Forscherteams in anderen Ländern zeigten, wie groß die Konkurrenz sei.

Clement hatte am Donnerstag einen intensiven Austausch mit dem Gentechnologie- Institut der Universität Haifa zur Forschung mit embryonalen Stammzellen vereinbart. Das Institut ist eines von dreien auf der Welt, die mit diesen Stammzellen arbeiten. Die Mediziner des neuropathologischen Instituts in Bonn wollen Stammzellen importieren, um damit Therapiemöglichkeiten für Nervenkrankheiten zu erforschen. Ein entsprechender Importantrag liegt der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vor.

Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) hat sich für eine begrenzte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) ausgesprochen. Die Untersuchung künstlich befruchteter Eizellen auf Erbschäden außerhalb des Mutterleibs dürfe nicht länger mit Strafen belegt werden, sagte Bulmahn am Donnerstagabend im ZDF.

Mehr über die Grundsatzdebatte des Bundestags findet sich in dem ARD Tagesschau "Special" - Positionen zur Gentechnik. Im Internet abrufbar unter
http://www.tagesschau.de/archiv/themen2001/gentechnik/hp-gen.html
Hier gibt es auch gute Hintergrundinformationen zu den in der Gentechnik-Debatte heiß diskutierten Begriffen: Eugenik, adulte und embryonale Stammzellen, therapeutisches und reproduktives Klonen, Embryonenschutzgesetz, Präimplantationsdiagnostik.


(Quellen: ard-tt, sz, fr)

 
 

Debatte über Gentechnik:
Kontroverse Diskussion bei Parteien und Regierung

Nach dem Aufruf von Bundespräsident Rau zu einem kritischeren Umgang mit der Biomedizin, gibt es kontroverse Reaktionen in den Parteien. Bundeskanzler Schröder betont den wirtschaftlichen Nutzen der Gentechnik.[ mehr... ]
 
 


"gentechnik ist halluzinogen"*
Gegen Machbarkeitswahn in Forschung und Wissenschaft:

Die "Berliner Rede" des Bundespräsidenten
Bundespräsident Johannes Rau hat in seiner "Berliner Rede" (18.05.01) vor Machbarkeitswahn in Forschung und Wissenschaft gewarnt und einen Fortschritt nach menschlichem Maß gefordert.

Rede-Auszüge unter:
http://szarchiv.diz-muenchen.de/REGIS_A12334436
 
 
Das Gen-ethische Netzwerk e.V. (GeN)
Information und Kritik zu Gen- und Fortpflanzungstechnologie
Das Gen-ethische Netzwerk e.V. (GeN) wurde 1986 gegründet. GeN e.V. vermittelt Informationen und Kontakte zum Thema Gen- und Fortpflanzungstechnik. Aufgabe des GeNs ist die kritische Auseinandersetzung mit diesen Techniken. Es ist politisch und finanziell unabhängig und steht allen interessierten Personen, Initiativen und Organisationen zur Verfügung.

Mehr unter:
http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/
 
 


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