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 last update: boa München, Mo. 11.06.2001 - 09:15 
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Angeheizte Debatte:

Justizministerin Däubler-Gmelin bezweifelt Nutzen der Stammzellenforschung

Argumente für die Forschung mit embryonalen Stammzellen seien wenig überzeugend, so Däubler-Gmelin in einem Interview. Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) heizte die Gentechnikdebatte mit Äußerungen an, wonach ein Importverbot für embryonale Stammzellen gegen das Grundrecht der Forschungsfreiheit verstoße.

Mo.11.06.01 - In der Diskussion über die Gentechnik hat sich jetzt auch Justizministerin Däubler-Gmelin zu Wort gemeldet. In einem Interview sagte Däubler-Gmelin, die Argumente für die Forschung mit embryonalen Stammzellen seien wenig überzeugend. Ihrer Ansicht nach wird die Notwendigkeit dieser Forschungsmethode nicht klar begründet. Zugleich kündigte sie an, führende Verfassungsrechtler in ihr Ministerium einzuladen. Mit ihnen will sie klären, ob die so genannte Präimplantations-Diagnostik mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Bei dieser Methode werden künstlich befruchtete Eizellen auf genetische Schäden untersucht, bevor sie in den Mutterleib eingepflanzt werden.

Däubler-Gmelin hatte in den vergangenen Wochen mehrmals deutlich gemacht, dass ihrer Ansicht nach das Bundesverfassungsgericht den Beginn menschlichen Lebens mit der Verschmelzung von Samenzelle und Ei festgelegt habe. Dadurch würden sowohl die PID wie auch eine Forschung an embryonalen Stammzellen (ES) ausgeschlossen.

Für die Gewinnung von ES werden Embryonen vernichtet. Am Freitag vor einer Woche berichteten die Medien, daß der Bonner Forscher Oliver Brüstle mit importierten menschlichen embryonalen Stammzellen (ES) arbeiten will. Die Deutsche Forschungs-Gemeinschaft (DFG) sprach sich Anfang Mai prinzipiell für die Forschung mit embryonalen Zellen aus, die sie zuvor lange abgelehnt hatte. Die Entscheidung über den Antrag Brüstles auf Fördergelder für die Arbeit mit ES vertagte sie aber auf Anfang Juli.


Bis Ende September werde der neu eingerichtete Nationale Ethikrat eine Stellungnahme zum Brüstle-Projekt vorlegen, sich aber noch nicht abschließend zu Stammzellenforschung insgesamt äußern können, sagte Ratsmitglied Prof. Therese Neuer-Miebach gegenüber der Frankfurter Rundschau.

Im Zusammenhang mit den rechtlichen Aspekten der umstrittenen Stammzellen-Forschung heizte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) die Debatte mit Äußerungen an, wonach ein Importverbot für embryonale Stammzellen gegen das Grundrecht der Forschungsfreiheit verstoße. Es dürfe nicht zu einem Fadenriss bei der Forschung kommen. Ein Moratorium wäre "der deutsche Abschied aus der Stammzellenforschung".

CDU-Chefin Angela Merkel sprach sich dagegen für eine abwägende Genforschungs-Politik aus. Auch die Freiheit der Forschung habe sich der Menschenwürde unterzuordnen. Und ein Menschenleben beginne für sie mit dem Verschmelzen von Ei und Samenzelle. Die Politik müsse das Heft in der Hand behalten, dürfe sich nicht unter Zeitdruck setzen und "von den Möglichkeiten der Forschung jagen lassen", sagte Merkel in Bonn.

Kanzler Schröder plädierte für die Nutzung von biotechnologischen Entwicklungen in Deutschland etwa zu Heilzwecken. Schröder sagte in Hanau, es gehöre zu seiner Verantwortung, darauf zu achten, dass ethische Grundsätze eingehalten würden. Er sprach sich dafür aus, Entwicklungen, "auf die wir alle angewiesen sind", voranzubringen. Es dürfe nicht außer Acht gelassen werden, dass man auch Verantwortung für das trage, was man nicht tue.

(Quellen: br, fr, focus, em, ap, dpa, sz)



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