Beharrungskräfte
Frauenförderung
scheitert am Widerstand der Unternehmer
Arbeitgeber wollen
weder ein Gleichstellungsgesetz akzeptieren, noch eine
Selbstverpflichtung abgeben. Damit stehen die von Rot-Grün im
Koalitionsvertrag angekündigten Initiativen zur Erhöhung des
Frauenanteils in der privaten Wirtschaft und zur besseren Vereinbarkeit
von Erwerbstätigkeit und Familie praktisch vor dem Scheitern.
Mi.13.06.01 - Das von der Bundesregierung angekündigte
Gleichstellungsgesetz würde die außerordentlich positive
Entwicklung der Beschäftigung von Frauen in den vergangenen
Jahren "nachhaltig stören", sagte Arbeitgeberpräsident Dieter
Hundt am Dienstag der Frankfurter Rundschau (FR).
Auch der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie
(BDI), Michael Rogowski, warnte in einem Gespräch mit der FR vor
einem Gleichstellungsgesetz oder ähnlichen Regelungen: damit
würden den Unternehmen "weitere bürokratische Lasten"
aufbürdet, was völlig kontraproduktiv" sei, sagte der
BDI-Chef .
Damit stehen nach Einschätzung der FR die von Rot-Grün im
Koalitionsvertrag angekündigten Initiativen zur Erhöhung des
Frauenanteils in der privaten Wirtschaft und zur besseren
Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Familie praktisch vor dem
Scheitern.
Nachdem Bundesfrauenministerin Bergmann bereits Ende September
entsprechende Eckpunkte für ein Gleichstellungsgesetz vorgelegte,
sahen sich Informationen der FR zufolge Hundt und Rogowski
veranlaßt, im März bei Kanzler Gerhard Schröder (SPD)
gegen diese Initiative zu intervenieren. Obwohl in der Bundesregierung
laut Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye "keine große Neigung
besteht, ein großes regulatives Gesetz zu machen" und statt
dessen nur auf eine Selbstverpflichtung der Industrie setzt, stellen
sich die Arbeitgeber quer. Hundt und Rogowski hatten nach Angaben der
FR schon beim Treffen mit dem Kanzler offen erklärt, dass sie
eine Selbstverpflichtung nicht abgeben würden. Ministerin Bergmann
habe kurz darauf angekündigt, das Gesetzesvorhaben werde in einem
Spitzengespräch mit dem Kanzler im Mai konkretisiert. Dieses
Gespräch habe aber bis heute nicht stattgefunden. Inzwischen sei
im Frauenministerium nicht einmal mehr von einem Termin die Rede,
berichtet die FR in ihrer heutigen Ausgabe.
In ihrem Koalitionsvertrag hat sich die rot-grüne Bundesregierung
eindeutig dafür entschieden, die Gleichstellung von Frauen in der
Privatwirtschaft gesetzlich zu erzwingen. Nunmehr distanziert sich die
Regierung von diesem Vorhaben: Ein Gleichstellungsgesetz könne
"nur die zweitbeste Lösung sein". Besser seien Eigeninitiativen
der Unternehmen, sagte die Parlamentarische
Wirtschafts-Staatssekretärin Margareta Wolf (Grüne). Und
Kanzler Schröder äußerte zu Thema "Gleichstellung" beim
Siemens-Forum "Corporate Citizenship" im April vor einem Publikum, das
zum überwiegenden Teil aus Vertretern großer Unternehmen
bestand: "Es muss nicht für jedes gesellschaftliche Problem ein
Gesetz gemacht werden."
Ingrid Weber vom Deutschen Juristinnenverband sieht dagegen dringenden
Handlungsbedarf: "Jahrzehntelange Erfahrung hat gezeigt, dass die
Unternehmen nur in Ausnahmefällen etwas freiwillig gemacht haben.
Und jetzt weiterhin auf diese Freiwilligkeit zu setzen, ist
unverantwortlich." Auch Gisela Breil vom DGB ist entrüstet: "Ohne
eine gesetzliche Regelung gibt es für mich keine echte
Gleichstellung."
(Quellen: fr, taz)
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