Per Dekret entschieden:
Jugoslawische
Regierung ermöglicht Auslieferung Milosevics
Unter dem finanziellen
Druck der USA hat das jugoslawische Kabinett in Belgrad mit einem
Dekret den Weg frei gemacht für die Auslieferung Milosevics an das
UN-Tribunal.
Mo.25.06.01 - Die jugoslawische Regierung hat mit einem Dekret den Weg
für eine rasche Auslieferung des früheren Machthabers
Slobodan Milosevic und anderer angeklagter Kriegsverbrecher an das
UN-Tribunal geebnet. Der serbische Ministerpräsident Zoran
Djindjic kündigte eine Auslieferung des seit 1. April inhaftierten
Milosevic "innerhalb der nächsten 15 bis 20 Tage" an. Unter dem
finanziellen Druck der USA hatte ein Teil des jugoslawischen Kabinetts
am Wochenende die Verordnung beschlossen. Für ein Gesetz hatte das
Parteienbündnis Demokratische Opposition Serbiens (DOS) im
Bundesparlament keine Mehrheit gefunden.
Milosevics Anwalt Toma Fila sprach von einem Akt der Rechtsbeugung und
nannte die Entscheidung "legale Piraterie". Eine Zusammenarbeit mit
dem Haager Tribunal könne laut Verfassung nur durch ein Gesetz,
nicht aber durch ein einfaches Dekret geregelt werden, so Fila. SPS-
Vizepräsident Ivica Dacic verwies darauf, daß die
jugoslawische Regierung nur im Fall des Notstandes das Recht habe, per
Dekret zu entscheiden. Die Partei werde mit allen ihr zur
Verfügung stehenden politischen und rechtlichen Mitteln dafür
kämpfen, das "DOS-Dekret" zu annullieren. Die SPS will das
jugoslawische Verfassungsgericht auffordern, den Beschluß als
Verfassungsverstoß zu bezeichnen und sein Inkrafttreten zu
verhindern.
In amerikanischen Regierungskreisen wurde die Belgrader Verordnung
begrüßt, ohne eine Teilnahme der USA an der Geberkonferenz
schon zu bestätigen. Der Haager Gerichtssprecher Jim Landale
sagte: „Wir warten auf Taten." Milosevic, der seit 1. April in
Untersuchungshaft in einem Belgrader Gefängnis sitzt, ist in Den
Haag wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
angeklagt.
Für die in der Anklageschrift formulierten systematischen
Menschenrechtsverletzungen im Kosovo werden sich neben Milosevic auch
der ehemalige Präsident Serbiens, Milan Milutinovic, der
ehemalige stellvertretende Premierminister Nikola Sainovic, der
frühere serbische Innenminister Vlajko Stojiljkovic und der
Armeegeneral Draguljub Ojdanic zu verantworten haben.
In der Anklageschrift wird Milosevic und seinen Mitangeklagten
vorgeworfen, die gewaltsame Vertreibung hunderttausender von
Kosovoalbanern, die mit der Ermordung hunderter von Menschen
einherging, "systematisch" betrieben zu haben.
Nach Einschätzung der "tageszeitung" (taz) bringt das
Regierungsdekret für die regierende "Demokratische Opposition
Serbines" (DOS) einige innenpolitische Risiken mit sich: "Die
Sozialistische Volkspartei (SNP) aus Montenegro - im Bundesparlament
Koalitionspartener der DOS und vor der Wende in Serbien im Oktober des
Vorjahrs Verbündete von Milosevic - hatte monatelang ein von der
DOS vorgeschlagenes Bundesgesetz für die Zusammenarbeit mit dem
Haager Tribunal blockiert. Nachdem die Minister der DOS das
Regierungsdekret angenommen hatten, boten Bundespremier Zoran Zizic und
sechs Minister der SNP den Rücktritt an. Die Regierungskrise
könnte vorgezogene Parlamentswahlen oder gar den Zerfall der
brüchigen Föderation zwischen Serbien und Montenegro
auslösen."
(Quellen: sz, fr, taz, jw)
Rückblick:
Fr.06.10.00
Volksaufstand in Belgrad
Offenbar steht das Milosevic-Regime vor dem Aus. Alle regimetreuen
Medien sind in der Hand der Opposition. Etwa eine Million Menschen
demonstrierten gestern in Belgrad gegen die Regierung. Auch in der
Provinz kam es am Donnerstag zu Massenprotesten. [ mehr... ]
Mo.09.10.00:
Milosewic gibt die Macht ab -
Siegesparty nonstop auf Belgrads Straßen
In der Nacht zum Samstag gab sich Slobodan Milosevic geschlagen. In
einer Fernsehansprache erkannte Milosevic den Wahlsieg des
Demokratischen Oppositionsbündnisses an. Er werde das
Präsidentenamt an Vojislav Kostunica übergeben. Belgrad tanzt
auf den Straßen. Polizisten legen ihre Waffen ab. [mehr... ]
So.01.04.01:
Milosevic auf Betreiben der Vereinigten Staaten
verhaftet
Die Verhaftung des ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan
Milosevic illustriert die Macht und den Einfluss der Vereinigten
Staaten über die gesamte Balkanregion.
Milosevics Verhaftung ist der Preis, den das serbische Regime unter
Präsident Vojislav Kostunica an die Bush-Regierung für deren
fortgesetzte Unterstützung entrichten muss. Kostunica konnte im
Oktober vergangenen Jahres mit Unterstützung des Westens
Milosevics Sozialistische Partei von der Macht verdrängen.
Die Bush-Regierung machte ihre weitere Unterstützung und die
Zahlung von Hilfsgeldern davon abhängig, inwiefern sich die neue
Regierung in Belgrad den Wünschen Amerikas anpassen würde.
Eine der wichtigsten Fragen in diesem Zusammenhang war, ob Kostunica
bereit sein würde, Milosevic dem Internationalen Tribunal zur
Untersuchung von Kriegsverbrechen in Den Haag zu übergeben. Da
die jugoslawische Wirtschaft in Folge der Bombardierungen durch die
NATO und des Investitions- und Handelsboykotts durch den Westen in
Trümmern liegt, blieb Kostunica im Grunde keine andere Wahl, als
Milosevic zu verhaften...
Mehr unter: http://www.wsws.org/de/2001/apr2001/milo-a07.shtml
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