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Mit der extremen Giftigkeit von
Dioxin hat niemand „gerechnet“
1970 machte die Fa. Dow Chemicals
eine Rechnung auf: Die Anteile von Dioxin in der Nahrung seien so verschwindend
gering, daß nur 11 Mikrogramm /100 Jahre aufgenommen werden. Nach
heutiger Einschätzung ist das aber das 10fache des Grenzwertes. Die
Substanz hat sich halt als wesentlich giftiger herausgestellt als ursprünglich
angenommen. (Nature 226, S.309-311, 1970).
Herbizid entgegen den Prognosen
im Trinkwasser
Obwohl Bayer ursprünglich
versicherte, das Herbizid Diuron könne nicht ins Trinkwasser gelangen,
wurde es inzwischen an die 100mal darin gefunden. (Spiegel 2, S.33, 1995).
Nach einer Studie der US-Umweltbehörde bewirkt Diuron vermindertes
Geburtsgewicht und Geburtsschäden. (Stichwort Bayer 4, S.8, 1994).
Mit einer Hormon-imitierenden Wirkung
von Chemikalien wurde nicht gerechnet
1985 hieß es über
hormonwirksame Substanzen im Trinkwasser, eine Frau müsse 20 000 Liter
von dem Wasser trinken, bis sich eine verhütende Wirkung einstelle.
Damals hat man nur an die verhütende Wirkung gedacht, heute kennt
man die extremen Folgen der Hormon-imitierenden Wirkung bei Menschen und
Tieren. (Taz 16.12.1995).
Bisphenol
A, eine der am stärksten verbreiteten Industriechemikalien
ist schon in winzigen
Menge giftig
Bisphenol A gehört zu
den verbreiteten Industriechemikalien. In der BRD werden jährlich
200 000 Tonnen davon hergestellt. Zwar war die Wirkung der gesamten Stoffgruppe
der Bisphenole als Imitatoren weiblicher Geschlechtshormone schon in den
30er Jahren bekannt (1,2), doch wurde nicht damit gerechnet, daß
diese inzwischen fast überall zu findende Chemikalie auch in sehr
geringen Konzentrationen eine schädliche Wirkung entfalten kann.
Zu dieser Frage gibt es
zwei neue, an Universitäten durchgeführte Studien, eine davon
im Auftrag des Umweltbundesamtes am Internationalen Hochschulinstitut in
Zittau in Sachsen. Sie fand heraus, daß Bisphenol A schon bei
einer Konzentration von einem Millionstel Gramm pro Liter bei weiblichen
Wasserschnecken die Eiproduktion so stark steigert, daß ihre Eileiter
platzen. In einigen Aquarien starben die Tiere bei Konzentrationen, die
in der Elbe und den Brandenburger Seen vorkommen. Dazu heißt es in
dem Artikel (Die Woche 10.3.2000 von Volker Mrasek) „ Den Ökotoxikologen
dämmert nun, dass die Natur wahrscheinlich viel weniger Bisphenol
A verträgt, als man bisher annahm.“ Jetzt, wo das Zeug aus PVC und
Epoxidharzen ausdünstet, im Thermopapier der Faxgeräte enthalten
ist sowie in veränderter Form auch in den Kunststofffüllungen
in Zähnen. Aus den Plastikbeschichtungen von Konservendosen wird es
nachweislich ausgespült, ebenso aus dem Plastikabfall, denn es wurde
im Sickerwasser von Mülldeponien gefunden. Auch im Klärschlamm
ist es und gelangt über die Äcker in die Nahrungsmittel. Jetzt
soll mit der Industrie über eine Verminderung der Produktion verhandelt
werden.
(1) Dodds E.C. und Lawson
W. (1936) Synthetic estrogenic agents without the phenanthrene nucleus.
Nature (London) 137, 996.
(2) Dodds E.C. und Lawson
W. (1938) Molecular structure in relation to oestrogenic activity.
Compounds without a phenanthrene
nucleus, Proc. Roy. Soc.B 125,222- 232.
(Beide Zitate nach: Texte
des Umwelt-Bundesamtes Nr.65 (1995):
Umweltchemikalien mit endokriner
Wirkung)
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