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.   Taz-Bericht vom 05.05.01:

                       Gen-Menschen mit drei Eltern
 

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                        US-Forscher behandeln Eizellen von unfruchtbaren Frauen
                        mit fremdem Erbgut und verschaffen ihnen so die
                        Möglichkeit, Kinder zu bekommen. Kritiker sprechen von
                        Genmanipulation und sehen ethische Grenzen überschritten 

                                    von MATTHIAS SPITTMANN

                        US-amerikanische Forscher haben die ersten genetisch
                        veränderten Menschen produziert: Die Gene zweier einjähriger
                        Kinder enthalten Erbinformationen von drei Menschen. Ein
                        Sprecher des Instituts für Reproduktionsmedizin und -forschung
                        St. Barnabas bestätigte am Samstag, dass bei den Babys neben
                        dem Erbgut der Eltern auch noch solches von einer weiteren
                        Frau nachgewiesen wurde, betonte aber, es handle sich nicht um
                        Genmanipulation. Dennoch traf die in vielen Ländern - auch in
                        Deutschland - verbotene Methode international auf Kritik.

                        Um Frauen zu helfen, deren Eizellen zwar befruchtet werden
                        konnten, aber auseinander fielen, bevor sie sich in der
                        Gebärmutter eingenistet hatten, entwickelten die Wissenschaftler
                        schon vor mehreren Jahren eine neue Methode. Sie injizierten
                        Zytoplasma von Spenderinnen in die Eizellen der unfruchtbaren
                        Frauen. Im Zytoplasma befinden sich auch die Mitochondrien,
                        die "Kraftwerke" der Zellen, die eigene Erbinformationen
                        besitzen. Nahezu 30 Kinder seien bisher so geboren, berichtet
                        ein Forschungsteam aus St. Barnabas in der Fachzeitschrift
                        Human Reproduction. Das älteste wird demnächst vier Jahre
                        alt.

                        Jacques Cohen, wissenschaftlicher Direktor der St.
                        Barnabas-Klinik, schrieb in Human Reproduction, dies sei der
                        erste Fall einer Keimbahnmanipulation, die zu gesunden Kindern
                        geführt habe. "Wir haben keine Gene verändert", berichtete er
                        dem Nachrichtensender CNN, "aber man könnte sagen, dass
                        die Mitochondrien normalerweise nur aus einer Quelle, der
                        Mutter, stammen". Da das bei seiner Methode anders sei, trügen
                        sie unterschiedliche Erbinformationen. In den "Fragen und
                        Antworten" für interessierte Kinderlose auf der Homepage der
                        Klinik liest sich das noch anders: Aufwändige Tests würden
                        sicherstellen, dass "Baby Emma" die Gene ihrer Eltern erbe.

                        In ihrer Erklärung betonen die Wissenschaftler nun, der Teil der
                        veränderten DNS habe keine bekannte Funktion und trete mit
                        dem restlichen Erbgut nicht in Kontakt. Das jedoch ist umstritten.
                        Die vorherrschende Ansicht, mitochondriale DNS würde nur von
                        der Mutter vererbt, ist bisher nicht bewiesen. Bei einer Pflanze,
                        der Ackerschmalwand, sind einzelne Gene im Laufe der
                        Evolution von den Mitochondrien ins Genom gewandert und
                        umgekehrt.

                        Cohen betonte auch, der Anteil fremder Erbinformationen
                        betrage nur 0,03 Prozent und habe so keinen Einfluss auf die
                        Persönlichkeit der Kinder. 

                        Forscher sowohl aus Europa, als auch aus den USA kritisierten
                        das Verfahren als unethisch. Verändertes Erbgut werde an die
                        folgenden Generationen weitergegeben, der Manipulation an
                        menschlichen Genen eine Hintertür geöffnet. Das Verfahren stelle
                        die Transparenz bei der Genforschung infrage.

                        Auch für Ruth Deech, Präsidentin der britischen Human
                        Fertilisation and Embryology Authority, die für die Zulassung von
                        Fruchtbarkeitsbehandlungen zuständig ist, überwiegen die
                        Risiken. Die Methode sei ein nicht abschätzbares Risiko nicht
                        nur für die Kinder selbst, sondern auch für deren Kinder, sagte
                        sie der britischen BBC. Und sie nannte das Problem beim
                        Namen: Viele solcher Vorstöße gingen auf Profitstreben zurück,
                        nicht auf den Wunsch, anderen Menschen zu helfen.
 

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