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Ist Gentechnik ein Mittel gegen den Hunger in der Welt? |
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Das Hauptargument für den Einsatz der sogenannten grünen Gentechnik ist heute: Ohne Gentechnik können wir die steigende Zahl von Menschen nicht ernähren. Wir bräuchten diese Technik im Kampf gegen den Hunger in der Welt. Ein Blick zurück: 1974 sagte Henry Kissinger, damals Aussenminister der USA: „In 10 Jahren wird kein Mann, keine Frau und kein Kind mehr hungrig zu Bett gehen.“ Das war die Prognose für 1984. Wir wissen, dass es anders gekommen ist. Damals setzte man grosse Hoffnungen in die sogenannte Grüne Revolution genauso wie heute in die Gentechnik. In den armen Ländern sollten Hochleistungssorten gepflanzt werden, um die Erträge zu erhöhen Die Erträge erhöhten sich z.B. in Indien aber nur vorrübergehend. Und sanken dann wieder. In Mexiko konnten die Erträge zwar deutlich gesteigert werden. Aber der Hauptanteil dieser Steigerung kam nur den 4% Grossbauern zugute und die erhöhten den Anbau von Viehfutter. D.h. sie produzierten für den Markt und nicht für die Ernährung der Hungernden. Auf solche Weise ist es dazu gekommen, dass auf 80% der Ackerböden in der 3. Welt für den Export, also für uns, produziert wird. Das zeigt, dass Hunger ein Verteilungsproblem ist und kein Problem einer landwirtschaftlichen Technologie. Wenn jemand sagt, das Hungerproblem
liesse sich über den Markt lösen, ist das grundlegend falsch.
Zu einem Markt gehören Bedarf UND GELD. Deshalb sind die mittellosen
Hungernden in der Welt kein Markt für Brot oder Reis. Wo völlige
Armut herrscht, ist kein Markt. Also kann der Markt hier auch nicht helfend
eingreifen.
Übrigens war der Einsatz von Gentechnik zunächst gar nicht für die 3. Welt gedacht gewesen. 1997 sagte ein Vertreter des Konzerns Novartis: „Die Entwicklungsländer sind ... kein Markt für uns.“ Das Hauptziel war, Monopole auf den hiesigen Märkten zu erringen, mit einer Kombination aus Gentechnik und den dazugehörenden Patenten. Aber der Widerstand der Verbraucher machte einen Strich durch diese Rechnung. Deshalb wurde die Verantwortung für die Ernährung der Armen in die Argumentation aufgenommen. Und da man mit der moralischen Argumentation in der Medizin so gut gefahren war, versuchte man es hier auch. Und man fand eine geeignete Personengruppe: In den Hungerzonen erblinden jährlich 500 000 Kinder wegen Vitamin-A-Mangel. Diese Kinder sollten mit einer neuen Reissorte gerettet werden. Der sogenannten Goldene Reis ist eine gentechnisch veränderte Reissorte mit mehr Provitamin A, das den Körnern eine orange-goldene Farbe verleiht. Aber in den betroffenen Ländern ist man hierüber anderer Meinung: Philippinische Nichtregierungsorganisationen erklärten dazu öffentlich: „Dieser sogenannte Goldene Reis hat keinen Nutzen, denn Vit.-A-Mangel ist die Folge allgemeiner Mangelernährung, Armut und Umweltzerstörung. Nichts von dem wird durch den Goldenen Reis verbessert.“ Vitamin A ist in vielen Gemüsen enthalten. Man müsste die Menschen mit ortsnah angelegten Gemüsegärten versorgen, meinten sie. Eine andere Alternative ist der Einsatz von reinem Vit.A. In Indien versetzen einige Firmen das Speisesalz damit. Warum also Gentechnik? Die Preise für Reis sind
in Indien in den letzten 10 Jahren um 60 % gestiegen, so dass immer mehr
Menschen keine zweite Mahlzeit am Tag bekommen.
Um glaubwürdig zu erscheinen,
kündigten die Konzerne an, von armen Bauern keine Lizenzen zu verlangen.
Ja, wer will da noch etwas dagegen sagen? Aber in andere Werbekampagnien
stecken sie auch Geld. Warum also nicht einen Lizenzversicht für diese
Werbung?
(Ein anderes Beispiel für
einen solchen Missbrauch von Moralargumenten aus Profitgründen: 1997
schrieben 40 Firmen und Verbänder der USA an Präsident Clinton:
Die amerikanische Landwirtschaft „trägt die grosse Verantwortung,
eine stets wachsende Weltbevölkerung zu ernähren und zu kleiden.“
Mit diesem Argument sollte den EU-Staaten verboten werden, sich gegen Gentechnik-Sorten
zu wehren. Aber wo bleibt diese Verantwortung, wenn im Irak als Folge des
Embargos 500 000 Kleinkinder an Hunger und Krankheiten sterben?)
Ein anderes Projekt will ich
noch kurz erwähnen, die sogenannte Terminator-Technologie. Diese damit
erzeugten Sorten gedeihen nur einen Sommer, bei der Wiederaussaat gehen
sie ein.
Die bereits angeschlagnen Konzerne
beeilten sich zu erklären, das sei nur dazu gedacht, dass Erntereste
auf dem Acker nicht den Anbau des nächsten Jahres verunreinigen. Für
so einen geringfügigen Zweck entwickelt man keinen so hochkomplizierten
Mechanismus wie diesen.
Im vergangenen Jahr gab es
übrigens eine ganze Reihe neuer Patentanmeldungen für verschiedene
Terminator-Sorten. Die Firmen dementieren also nach aussen hin ihre Pläne
mit dem Terminator, hoffen aber in Wirklichkeit auf andere Zeiten und bereiten
sich bereits darauf vor..
Und nun noch stichwortartig etwas über Gefahren der Grünen Gentechnik. 1.Gentechnisch veränderte Sorten sind immer Hochleistungssorten mit einer besonders geringen genetischen Vielfalt. Sie sind generell krankheitsanfälliger und bedeuten eine konkrete Gefahr für die Versorgung in der Zukunft. 2.Bei herbizidresistenten Pflanzen wird mehr gespritzt. Rückstände und Abbauprodukte der Herbizide bleiben aber in der Pflanze zurück, denn Pflanzen haben keine Ausscheidungsorgane. Sie können im Menschen wieder ihre Giftwirkung entfalten. 3. Die neuen Gene produzieren Eiweissstoffe, die in diesen Nahrungsmitteln bisher nicht vorkamen. Das kann Allergien verursachen. Es soll aber künftig neue Konstrukte geben, die kein Eiweiss bilden. 4. Viele unserer Nahrungspflanzen stammen von giftigen Wildformen ab. Die seit Jahrtausenden weggezüchtete Giftproduktion kann durch Gentechnik wiederbelebt werden. 5. Pollen von Gentech-Sorten fliegt weiter als vorausgesagt und kann verwandte Arten befruchten. 6. Pflanzen mit gentechnisch
eingebautem Herbizid, das sind die Bt-Sorten, sind für viele nützliche
Insekten tödlich.
7. Eine echte Gefahr kann aus
einem Mehrfacheinabu von Genen erwachsen. Es ist grundsätzlich nicht
möglich, Saatgutsorten rein zuhalten. Jetzt schon werden Verunreinigungen
mit Gentech-Sorten bekannt. Das wird zunehmen und es wird Pflanzen geben,
die mehrere Fremd-Gene enthalten.
Mit unvorhersehbaren Folgen.
Linde Peters
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| . | .. Erstellt am 10.01.01 |