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Nach Plasmaspende geborene
Kinder enthalten nachweislich Erbgut von der leiblichen Mutter und
von der Spenderin. Das Injizieren von Eizellplasma einer anderen Frau ist,
verglichen mit der sonst verwendeten Form der In-vitro-Fertilisation, ein
erheblich verstärkter Eingriff in die natürlichen Abläufe
und sollte entsprechend kritisch betrachtet werden.
Jacques
Cohen vom St. Barnabas-Zentrum in Livingstone (USA) hat 1997 zum erstenmal
erfolgreich eine Eizellplasma-Transplantation durchgeführt.
Das ist eine Variante der
In-vitro-Fertilisation (IVF). Bei manchen Frauen
sind die Eizellen zwar befruchtungsfähig,
aber sie können sich nach der
Befruchtung nicht weiterentwickeln.
Schuld sind Defekte im Zellsaft (Cytoplasma). Als Ursache dafür werden
Defekte bei einem Eiweiss vermutet, oder bei den sogenannten Mitochondrien.
Mitochondrien
sind Zellpartikel, die eine Art Eigenleben in der Zelle führen.Tatsächlich
stammen sie auch aus ursprünglich eigenen bakterienähn- lichen
Lebewesen, die in grauer Vorzeit als Parasiten in die Zellen der damals
schon etwas höher organisierten Lebewesen eingewandert sind. Als Erbe
aus diesen uralten Zeiten ihrer Selbständigkeit haben sie eine eigene
DNA, einen eigenen Mechanismus, Eiweisse herzustellen mit allen Faktoren,
die dazu gehören, und sie vermehren sich durch Zweiteilung zwar in
etwa synchron mit den Zellteilungen, aber doch nicht strikt an den Teilungsrhythmus
der Zelle gebunden.
Zurück
zu den Frauen und ihren Eizellen. Frauen, die keine Eizellen produzieren,
können nur nach einer Eizellspende einer anderen Frau ein Kind bekommen,
das dann genetisch das Kind der anderen Frau ist. Im Gegensatz dazu können
Frauen, bei denen nur das Cytoplasma der Eizelle defekt ist, nach einer
Plasmaspende ein Kind bekommen, das mit ihnen beinahe so viel Erbanlagen
gemeinsam hat, wie ein natürlich von ihnen gezeugtes Kind.
In
diesen Tagen (Anfang Mai 2001) ging eine Meldung durch die Presse, dass
nun zum erstenmal nachgewiesen wurde, dass so gezeugte Kinder tatsächlich
in den Mitochondrien Erbmaterial haben, das weder von ihrem Vater noch
von der Mutter stammt. Das bedeutet, das Mitochondrienerbgut der Plasmaspenderin
ist erhalten geblieben.
Ein
Artikel zu diesem Thema in der Taz vom 7. Mai 01 von Matthias Spittmann
ist betitelt: "Gen-Menschen mit drei Eltern".
Im Folgenden mein Leserbrief zu diesem Artikel :
| Das Injizieren
von Eizellplasma einer anderen Frau ist, verglichen mit der sonst verwendeten
Form der In-vitro-Fertilisation, ein erheblich verstärkter Eingriff
in die natürlichen Abläufe und sollte entsprechen kritisch betrachtet
werden. Wenn nun nachgewiesen werden konnte, dass die Kinder tatsächlich
Mitochondrien von beiden "Müttern" enthalten, so sollte das ein Warnsignal
sein. Das ist ein Zustand, der natürlicherweise nicht vorkommt und
den man bisher nicht beobachtet hat. Die Natur hat einen Mechanismus erfunden,
die genetischen Eigenschaften der Tausenden von Mitochondrien einer Zelle
zu vereinheitlichen. Viel weiss man darüber noch nicht, aber die Tatsache,
dass die vielen Mitochondrien einer Zelle normalerweise genetisch weitgehend
einheitlich sind, sollte ein Grund sein, die nun geschaffenen Abweichungen
vom natürlichen Zustand als mögliche Gefahrenquelle zu betrachten.
Mich erschreckt
aber noch sehr viel mehr, dass offenbar Herr Cohen selbst hierfür
den Ausdruck "Keimbahnmanipulation" wählt. Soll mit dieser Begriffsverwirrung
(und damit ist der Bereich der Reproduktionstechniken nun wirklich reich
gesegnet) etwas strikt Ablehnensswertes, nämlich der Keimbahneingriff,
hoffähig gemacht werden?
Es ist
richtig, dass diese Kinder, sofern sie Mädchen sind, das gemischte
Mitochondrien-Erbgut über
die Keimbahn an ihre Kinder weitergeben werden. Aber diese Mischung ist
nicht durch gentechnische Manipulation entstanden. Dabei wurde nicht in
eine DNA-Sequenz eingegriffen, sondern es wurden sozusagen naturbelassene
DNA-Ketten gegen andere ausge- tauscht. Die Gefahren bei Keimbahneingriffen,
also bei Veränderungen innerhalb einzelner Sequenzen, sind um
Grössenordnungen höher. Das gilt auch für die ethische Bewertung,
weil bei gentechnischen Keimbahneingrif- fen Änderungen von Eigenschaften
angestrebt werden.
Die Anwendung
des Begriffes "Keimbahnmanipulation" auf die Plasmaspende, mit der bereits
30 offenbar gesunde Kinder geboren wurden, wirkt wie eine Wegbereitung
für die Schreckensvorstellung, Menschen könnten nach eigenen
Vorstellungen veränderte Menschen "schaffen". Wenn das jetzt als Tabubruch
bezeichnet wird, dann heisst das,
die Grenzüberschreitung
hat bereits stattgefunden und kann kein zweites Mal erfolgen, für
den Fall, dass man sich nun die wirklichen Keimbahn- eingriffe mit gentechnischen
Methoden in Angriff nimmt. Eine Methode dafür existiert bereits seit
1989! Allerdings müssen zwei Vorausssetzungen erfüllt sein: 1.
Die DNA in dem Bereich der geplanten Veränderung muss genau bekannt
sein, und 2. Die frühen Embryonalzellen müssen sich
in Zellkulturen züchten
lassen. Die erste Bedingung ist mit dem Abschluss des Genomprojektes näher
gerückt und die zweite durch die Arbeiten von James Thomson Ende 1998,
der als Erster Zellen menschlicher Frühem- bryonen in der Glasschale
züchtete, ohne dass diese ihre Fähigkeit
verloren haben sollen, noch
ganze Menschen entstehen zu lassen, was aber nicht bewiesen ist.
Warum
wählt der Forschungsleiter selbst einen Begriff für seine Ergebnisse,
der sie nach der bisherigen allgemeinen Ansicht in einem negativeren Licht
erscheinen lässt? Warum wählt er diese sensationelle Überhöhung?
Ich denke, es ist Wachsamkeit geboten, wohin die Reise geht.
Übrigens,
daß die Mitochondrien-DNA im Zellplasma keine bekannten Funktionen
habe, ist nicht wahr. Es sind eine ganze Reihe von Erbkrank- heiten bekannt,
die durch Fehler in dieser DNA verursacht werden, Krankheiten mit schweren
Mehrfachsymptomen, darunter Entwicklungstörungen der Nervenfuntkionen,
Blindheit Taubheit und eine Form von Diabetes. Weiter heisst es, die Wissenschaftler
hätten erklärt, das Erbgut der Mitochondrien trete mit dem übrigen
Erbgut nicht in Kontakt. Tatsache ist, die DNAs sind zwar räumlich
getrennt und kommen nicht zusammen, aber Produkte beider DNAs werden zu
komplexen Molekülen zusammengebaut und haben somit gemeinsame Funktionen..
Sie müssen also gut aufeinander abgestimmt sein.
Und ausserdem gilt es, entgegen
der Aussage im Artikel, als erwiesen, dass Mitochondrien nur von der Mutter
vererbt werden. Spermien enthalten zwar einzelne Mitochondrien, aber diese
gehen nach der Befruchtung zugrunde, sodass die Mitochondrien des Kindes
alle von der Mutter stammen.
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