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  Sicherheitsgrundlagen erweisen sich als falsch:
  Tödliches Virus aus Versehen hergestellt
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Australische Wissenschaftler wollten ein Mittel schaffen, das die Vermehrungsrate von Mäusen herabsetzt. Im Labor entstand jedoch ein für die Tiere absolut tödliches neues Virus. ( SZ vom 12.1.01)
  Die australischen Forscher Ron Jackson und Jan Ramshaw vom CSIRO (Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation) wollten eigentlich nur Mäuse unfruchtbar machen. Sie nahmen das für Mäuse schwach pathogene Mäusepockenvirus und transportierten damit sowohl Gene für das Eiweiss von Mäuse-Eizellen als auch das Gen für den Botenstoff Interleukin-4. Die Eiweisse sollten eine Immunreaktion gegen die Eizellen hervorrufen und sie dadurch ausschalten und das Interleukin sollte das Immunsystem der Mäuse aktivieren, um den Prozess zu verstärken. 
ZUR ÜBERRASCHUNG DER FORSCHER STARBEN ALLE MÄUSE INNERHALB VON NEUN TAGEN. DAS INTERLEUKIN HATTE IHR IMMUNSYSTEM AUSGESCHALTET, STATT ES ZU AKTIVIEREN. Auch eine Schutzimpfung half nicht wesentlich: Sie wirkte nur bei der Hälfte der Tiere, ein Drittel starb trotz Impfung.
Wolfgang Löhr schreibt in der Taz vom 12.Jan. 2001, es sei nun ein Umdenken bei der Sicherheitsphilosophie nötig, denn bisher sei man davon ausgegangen, "dass, wenn man zwei als ungefährlich eingeschätzte Dinge, ... , zusammenbringt, nichts Gefährliches entstehen kann. Diese, als Additionsmodell bezeichnete Vorstellung wird seit langem von Kritikern in Frage gestellt."

  Bei einer Umfrage von New Scientist vor 5 Jahren unter Genetikern hatten diese angegeben, das Entstehen gefährlicherer Viren sei "sehr schwierig, wenn nicht unmöglich." (FR 12. Jan 2001)

  Bisher hatte man nur die Erfahrung gemacht, dass gentechnische Veränderungen die Viren weniger virulent macht. (New Scientist 10. Jan. 2001, zitiert über das Internet)

  Nun ist dieses Dogma der Verharmlosung gefallen. Alle Sicherheitsbestimmungen gingen bisher davon aus, dass eine Gefahr nur dann existiert, wenn entweder der gentechnisch manipulierte Organismus auch in seiner natürlichen Form bereits gefährlich ist (z.B. ein Krankheitserreger) oder, wenn das eingebaute Gen auch in seiner natürlichen Umgebung schädliche Wirkung hatte (z.B. ein Gen für ein Gift). Entsprechend diesen Überlegungen wurden alle in Frage kommenden Organismen in vier Gefahrenstufen unterteilt und je nach Gefahrenstufe wurden die Arbeiten mit Auflagen belegt. Dass unvorhergesehene Gefahren neu entstehen könnten, wurde in das Reich der Phantasie verwiesen.

  Dabei gab es bereits Beispiele dafür: Sogenannte schlafende Retroviren, die jedes Säugetier in grosser Zahl in seinen Zellen beherbergt, können durch Rekombination mit einem verwandten, von aussen dazu kommenden Virus wiedererweckt werden. Auf dieses Phänomen will ich aber an dieser Stelle nicht weiter eingehen.

  Es gibt auch theoretische Überlegungen zur Möglichkeit, dass sich Gefahren durch Gentechnik verschärfen: Zu Beginn der Gefahrendiskussion der Gentechnik war ein wichtiges Argument: Wenn ein gentechnisch veränderter Organismus in die Umwelt entkomme, sei es unmöglich, dass er sich gegen die „Wildformen“ durchsetzen könne, denn die Evolution hätte die Organismen so optimal für den Lebenskampf ausgerüstet, dass jede Veränderung nur eine Verschlechterung sein könne. 

  Und wie sieht eine solche Optimierung durch die Evolution bei Krankheitserregern aus? Nicht derjenige Erreger ist der perfekteste, der die schwersten Krankheiten verursacht, sondern ganz im Gegenteil. Tötet ein Virus wie das australische Killervirus ALLE befallenen Tiere– man nennt sie in der Fachsprache merkwürdigerweise „Wirte“ –, so geht es dabei mit zugrunde. Es ist also für den Erreger besser, wenn er möglichst viele seiner Wirte am Leben lässt. Deshalb schwächt sich seine krankmachende Wirkung während der Evolution allmählich ab. Das hilft auch dem Wirt. Gleichzeitig verändert sich aber auch der Wirtsorganismus. Es ist in seinem eigenen Interesse, dass er gegen die Krankheit stabiler wird. Das hilft wiederum auch dem Virus. Diesen Vorgang nennt man Koevolution.

  Greifen wir jetzt das Argument wieder auf, dass jede gentechnische Veränderung, zwangsläufig hinter den Zielen der Evolution zurückbleibt, so heisst das, dass die von gentechnisch veränderten Erregern ausgelösten Kranheiten in grösserer Zahl tödlich verlaufen, zumindest dann, wenn der Mechanismus der Krankheitserregung selbst nicht durch den gentechnischen Eingriff gestört ist.

  Was jetzt in Australien passiert ist, geht offensichtlich auf eine Entgleisung von Regulationsmechanismen zurück. Auch das wurde von Kritikern immer und immer wieder als mögliche Gefahrenquelle angeführt. 

  Ein Grund für die jetzt allerseits geäusserten Überraschung existiert also in keiner Weise.
 
 
 


 

. .. Erstellt am 18.02.01

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