| . |
|
|
| . |
Postgenomik
(Teil
II)
. |
|
|
II. Alternatives Spleissen - mehrere Proteine
aus einem Gen
Wie können aus einem Gen mehrere Proteine entstehen?
Die Antwort heisst: hauptsächlich durch alternatives Spleissen.
|
|
|
Erläuterungen:
Spleissen nennt man das Herausschneiden
der nicht codierenden Bereiche aus der mRNA-Vorstufe, der Prä-mRNA,
und das Zusammenschweissen der verbleibenden Abschnitte zur endgültigen
mRNA. Katalysiert und gesteuert wird der Vorgang durch multifaktorielle
Komplexe, genannt Spleisseosomen. Das Herausschneiden erfolgt spezifisch
an bestimmten Sequenzstellen, die das Spleisseosom erkennt. Seit Kurzem
weiss man, dass es von diesen Erkennungssequenzen verschiedene Arten gibt,
so dass alternative Spaltstellen existieren. Je nach dem von welchen Spaltstellen
bei einem Spleissvorgang Gebrauch gemacht wird, können beim
Zusammenschweissen
bestimmte abgelesene, d.h. codierende Abschnitte (Exons) ausgelassen werden,
oder es kann ein im Normalfall nicht abgelesener Teil (Intron) durchgelesen
und ebenfalls in Proteinsequenzen übersetzt werden. Angenommen, ein
Gen hat 6 Exons. Dann kann es Spleissvarianten geben, die aus den Exons
2,3,4,5,6 bestehen oder 1,2,3,5,6 oder so ähnlich (s.a. die Beispiele
unten).
|
|
|
Die Vielfalt der Spleissvarianten nach Anzahl, Ort und Spezifität
ist sehr gross
Bei Genen mit mehreren alternativen Spleissstellen ist durch Kombinationen
theoretisch eine sehr grosse Zahl von Varianten möglich. Man weiss
noch nicht, ob die Natur von der gesamten theoretischen Vielfalt auch Gebrauch
macht, und wenn nicht, wie die Auswahl getroffen und reguliert wird. Für
etliche Gene werden Zahlen für mögliche Spleissvarianten von
mehreren zig-Tausend angegeben. Manchmal sind mehrere Varianten gleichzeitig
in einer Zelle anzutreffen. Es gibt aber auch gewebe- oder entwicklungsspezifische
Spleissmuster (1). Manche Spleissvarianten sind äusserst selten, weil
sie nur in wenigen Zellen in bestimmten Situationen gebildet werden (2).
Wieviele der Gene werden alternativ gespleisst?
Oft heisst es 35% (3) , aber auch 40 und 45% können alternativ
gespleisst werden. Von den selten auftretenden Spleissformen sind längst
noch nicht
alle gefunden und die Gen-Sammlungen enthalten manche der menschlichen
Gene gar nicht und von den übrigen meist nicht die vollständige
Sequenz
(oft nur die EST-Anteile, das sind 200 bis 300 Nucleotide lange, nur
zur Wiedererkennung eines Gens dienende Sequenz-"Schnipsel"), so dass man
die Zahl ihrer Spleissvarianten nicht feststellen kann. Deshalb wird angenommen,
dass der Anteil der Gene mit mehrfachen Spleissmöglichkeiten auf
über
50% steigen könnte (4).
Sind Minivarianten Irrtümer der Zelle?
Da die Varianten Teile ihrer Sequenzen gemeinsam haben, haben ihre Eigenschaften
ebenfalls oft Gemeinsamkeiten. Manche unterscheiden sich in ihrer Wirkung
gar nicht, sie stellen möglicherweise nur eine Art Unschärfe
in den Strukturen dar, die nach den bisherigen Erkenntnissen ohne Auswirkungen
auf die Funktion ist. Diese Minivarianten werden als "noise" bezeichnet,
als eine Art statistisches Rauschen, von dem man vermutet, dass es auf
Irrtümern der Zelle beruht (5). Das erinnert daran, dass die überwiegende
Mehrheit der DNA "Junk" (Abfall) genannt wurde, nur weil man bei ihnen
keine Funktion vermutet hat. Inzwischen mehren sich Anzeichen für
eine ganze Reihe von Funktionen dieser angeblichen Abfall-DNA. Bei den
Minivarianten scheint es ähnlich zu sein, denn bei einem Vergleich
verschiedener Arten der Fruchtfliege (Drosophila) wurde gefunden, dass
einige der Minivarianten konserviert sind (d.h. in der evolutionären
Entwicklung beibehalten wurden) und das ist immer ein Zeichen für
eine Funktion von unverzichtbarer Bedeutung. Nun hofft man auf die Auswertung
der soeben abgeschlossenen Mäusegenom-Sequenzierung (Aug. 02), um
durch einen Vergleich mit dem Menschen Aussagen darüber machen zu
können, welche dieser Varianten bei uns eine Bedeutung haben könnten.
Hierzu sollen RNA-Bibliotheken (s.später) eingerichtet werden mit
RNAs, die komplementär zu alternativen Exons sind. Damit könnte
man Transkripte inaktivieren, die ganz bestimmte Exons enthalten. Hat man
sie auf diese Weise ermittelt, kann man versuchen auf ihre Funktion zu
schliessen (4).
Die Varianten und ihre Eigenschaften sind nicht zählbar
Obwohl die Erforschung des Spleissens noch am Anfang ist, weiss man
von einigen Genen, dass sie Tausende von Proteinvarianten produzieren mit
einem ganzen Spektrum von Eigenschaften, von denen manchen untereinander
sehr ähnlich sind und andere davon stark abweichen. Es können
sogar antagonistische, also entgegengesetzte, Eigenschaften darunter sein
(6,7) oder solche, die gar nichts miteinander zu tun haben. Ein solches
Eigenschaftsspektrum kann sich mit dem eines verwandten Gens überlappen.
Das bedeutet, dass die Funktionsunterschiede der Proteinvarianten ein und
desselben Gens grösser sein können als die Unterschiede zu Proteinen
anderer Gene. Unter solchen Umständen wird ein Abzählen von
Proteinen unmöglich. Das heisst, seriöse Angaben über die
Zahl der Proteine
sind eigentlich nur denkbar, wenn man die Höhe von Unterschieden
definiert, ab denen man zwei Proteine als nicht mehr gleich betrachten
will. Entsprechendes gilt natürlich auch für die damit verbundenen
Eigenschaften. Aber da Definitionen immer eine gewisse Willkür
enthalten, heisst das, dass unanfechtbare, eindeutige Zahlenangaben
über die Anzahl verschiedener Proteine nicht möglich sind.
Abweichende Muster von Spleissvarianten bei Krankheiten
Abweichende Konzentrationen bestimmter Varianten können ein Anzeichen
und/oder eine Ursache für krankhafte Veränderungen sein (8).
15% der Mutationen, die eine Krankheit verursachen, betreffen das Spleissen
(1). Daher wird den Spleissvarianten eine immense Bedeutung für Diagnosen
und die Entwicklung von Medikamenten zugesprochen.
Myotone Dystrophie, eine Folge von zwei falsch gespleissten Genen
Bei der Krankheit Myotone Dystrophie (einer Form von Muskelschwund)
werden in den Skelettmuskeln von zwei Genen abnomale Spleissvarianten produziert.
1. Das eine ist das Gen für ein Protein, das Chloridionen durch
Zellmembranen transportiert, es ist das Protein, das die Chloridionen-Kanäle
bildet. Durch die Wahl einer falschen Spleissstelle wird ein zusätzlicher
Sequenzbereich des Gens abgelesen (es entsteht ein zusätzliches Exon.
Als Folge davon wird ein Kanalprotein mit schwächerer Aktivität
produziert.(9) Wegen des dadurch abgeschwächten Ionenflusses kann
der Muskel nach einer Kontraktion nur verzögert wieder entspannt werden.
Dadurch entsteht die Muskelpannung, die Myotonie, das namengebende Symptom
der Krankheit. (10,11)
2. Das andere in den Muskeln falsch gespleisste Gen ist das Gen für
einen Insulinrezeptor. In diesem Fall wird durch die falsche Spleissstelle
ein Protein produziert, das zwar im gesunden Körper auch anzutreffen
ist, aber in anderen Geweben als den Muskeln. Es verleiht den Zellen eine
verminderte Ansprechbarkeit auf Insulin.
Wie kommt es zur Wahl der falschen Spleissstellen? Im Falle des Insulinrezeptors
gibt es hierfür einige Anhaltspunkte. Man hat herausgefunden, dass
man auch gesunde Muskelzellen dazu veranlassen kann, den falschen Rezeptor
herzustellen, wenn man sie mit einer höheren Konzentration eines bestimmten
Proteins inkubiert. Tatsächlich ist die Konzentration eben dieses
Proteins in kranken Muskelzellen erhöht.
Nähern wir uns dem Problem vom Anfang des Geschehens her: Die genetische
Ursache der Myotonen Dystrophie ist die starke Verlängerung eines
DNA-Bereiches, der aus einer grossen Zahl von Wiederholungen weniger Nucleotide
(Repeats) besteht. Beim Typ 1 der Myotonen Dystrophie sind es die drei
Nucleotide CTG und beim Typ 2 die vier Nucleotide CCTG.(12,13) Ein CTG-Repeat
kann das Trinucleotid CTG bis zu 4000mal enthalten (9) und in einem CCTG-Repeat
können sogar 11 000 Exemplare des Tetranucleotids hintereinander aufgereiht
sein.(14) Bei beiden Krankheitsformen befinden sich die Repeats
in nicht-codierenden Abschnitten. Sie werden also nicht in Proteine
übersetzt, wohl aber werden sie in die entsprechenden RNAs umgeschrieben,
transkribiert. Aus CTG wird dann CUG und aus CCTG wird CCUG, d.h. die Abfolge
„CUG“ kommt in beiden vor.
Wenden wir uns nun wieder dem oben erwähnten Protein zu, das auch
in gesunden Zellen falsches Spleissen auslösen kann. Das Protein bindet
spezifisch an CUG und wird als CUG-BP (CUG-bindendes Protein) bezeichnet.(9)
Ausserdem ist es ein Spleissregulator (15) und wird durch erhöhte
Konzentrationen seines Bindungspartners CUG induziert, d.h. vermehrt gebildet.
(15,16)
Damit sieht der Gesamtablauf des Krankheitsmechanismus so aus:
- Das Genom der Erkrankten enthält verlängerte CTG- oder
CCTG-Repeats,
- die CTG-Sequenzen der DNA werden in die entsprechenden
CUG-Sequenzen der RNA transkribiert,
- die CUG-RNA-Sequenzen induzieren die Produktion eines
CUG-bindenden Proteins,
- das CUG-bindende Protein, das gleichzeitig ein Spleissregulator ist,
schaltet auf einen anderen Spleissmodus um,
- da diese andere Spleissstelle für Nicht-Muskel-Gewebe charakteristisch
ist, verliert der Muskel eine seiner essentiellen
Eigenschaften. Er kann nicht
mehr im selben Masse auf Insulin reagieren,
was die Verwertung von
Zucker als Energiequelle beeinträchtigt
und damit die Leistungsfähigkeit
des Muskels verringert. Das ist ein zweites
Symptom der Krankheit.
Die Muskeln sind nicht nur zu stark gespannt
sind (Symptom
Muskelspannung =
Myotonie), sondern auch kraftlos (Symptom
Muskelschwäche). (Zu den an
diesen Vorgängen beteiligten Genen
vgl. Teil
IV, A)
Gewebespezifität durch Spezifität für einzelne Spleissvarianten?
Man denkt daran, Medikamente zu entwickeln, die nur gegen eine
der Spleissvarianten wirksam sind, und damit nur auf das betroffene Gewebe
wirken, das eben diese Variante enthält. Im Umkehrschluss bedeutet
das, dass eine gleichmässige Wirkung eines Medikamentes auf alle Varianten
bei bestimmten Krankheiten eine Ursache für Nebenwirkungen sein kann
(8). Wegen der medizinischen Bedeutung wurden Datenbanken für alternative
Spleissvarianten eingerichtet (6).
Die Deutung von Mutationen muss neu bewertet werden
Die Entschlüsselung des genetischen Codes rief Anfang der 60er
Jahre des vorigen Jahrhunderts bei vielen Menschen, Wissenschaftlern und
Nicht-Wissenschaftlern, eine ungeheure Faszination hervor. Sie galt der
Tatsache, dass die Natur für die Information
in unseren Genen eine Art von Schrift aus dreibuchstabigen Wörtern
erfunden hat und darüberhinaus einen Code entwickelt hat für
die Übertragung dieser Schrift in eine
andere Schrift, nämlich die Abfolge der Aminosäuren in den
Proteinen.
|
|
|
Erläuterungen:
Jeweils drei aufeinanderfolgende
Nucleotide bilden ein Codon, d.h sie bestimmen eine Aminosäure.
Beispiel: ACU bedeutet Threonin, GAG steht für Arginin und ACUGAG
für das Dipeptid Threonyl-Glutaminsäure. Da es vier Nucleotid-„Buchstaben“
gibt (T, A, C und G), lassen sich 64 verschiedene Dreierkombinationen daraus
bilden. Dem stehen nur 22 verschiedene mögliche Bedeutungen gegenüber:
20 Aminosäuren sowie Start- und Stopfunktion. So kommt es, dass die
meisten Aminosäuren durch mehr als ein Codon bestimmt werden können.
|
|
|
Stellen wir uns nun vor, es kommt in einem Triplett zu einer Punktmutation,
dann kann dieses Triplett sich entweder in das Codon einer anderen Aminosäure
verwandeln oder in ein anderes Codon für dieselbe Aminosäure.
Hierfür ein Beispiel:
GAG codiert für die Aminosäure Arginin,
GAA codiert ebenfalls für Arginin
GUG dagegen codiert für die Aminosäure Valin.
Wenn aus GAG durch eine Mutation GUG wird, so ist die Folge, dass ein
Argininrest gegen einen Valinrest ausgetauscht wird. Trifft die Mutation
aber auf das letzte der drei Nucleotide und aus GAG entsteht GAA,
dann bleibt das Protein unverändert, weil GAA ebenfalls für Arginin
codiert. Solche Mutationen werden „stumme“ Mutationen genannt und man hielt
sie für genetisch neutral, d.h. man meinte sie hätten, weil sie
das codierte Protein
nicht verändern, keinerlei Auswirkungen.
Inzwischen stellte sich jedoch heraus, dass solche stummen
Mutationen einen fundamentalen Einfluss auf das alternative Spleissen
haben können, dadurch dass sie neue Spleissstellen schaffen
oder vorhandene zerstören. (1)
Die neuen Erkenntnisse zeigen, dass es falsch war, nur aus der Sequenz
entscheiden zu wollen, welche der Punktmutationen (z.B. welche der cSNPs)
genetisch stumm sind, sondern dafür müssen auch ihre Wirkungen
auf das Spleissen untersucht werden. (1)
|
|
|
Erläuterungen:
SNPs (single nucleotide
polymorphisms = Einzelnucleotid-Polymorphismen) sind Punktmutationen
mit einer Häufigkeit ab 1%. (Wegen SNPs vgl. Pharmakogenetik,
Teil III). cSNPs nennt man SNPs in den codierenden Bereichen.
|
|
|
Auf diese Weise wurden nicht nur Mutationen fälschlicherweise
für stumm erklärt, sondern es wurden möglicherweise auch
Wirkungsmechanismen falsch gedeutet. Angenommen durch den cSNP wird
eine Aminosäure ausgetauscht und man stellt eine Wirkung dieser Mutation
fest, so wurde diese Wirkung der Proteinregion zugeschrieben, die den Austausch
enthält, während in Wirklichkeit durch den Einfluss auf das Spleissen
vielleicht ein ganzes Exon weggefallen ist(1).
Umgekehrt kann ein cSNP als Krankheitsursache übersehen werden,
weil er keinen Effekt auf das Protein hat, während er in Wirklichkeit
durch seinen Einfluss auf das Spleissen sehr wohl Krankheitssymptome verursacht.(1)
Mutationen, die das Spleissen verändern, können ein Protein grossräumig
verändern und somit viel grössere Auswirkungen haben, als wenn
sie nur zu einer anderen Aminosäuresequenz des Proteins an dieser
Stelle führen.
Bis vor kurzem hat man geglaubt, dass die Komplexität multizellulärer
Organismen hauptsächlich durch das Ein- und Ausschalten vieler Gene
bewirkt wird. Nun sieht man, dass komplexe Vielfalt hauptsächlich
durch das alternative Spleissen bewirkt wird. Dadurch kann dasselbe
Genmaterial in unterschiedlicher, abgestufter, variierter Form vielfach
Verwendung finden.
Den bisher in der Gentechnik transferierten Genen fehlt
die natürliche Variationsbreite
Beim Zelloberflächenprotein CD44 wurde eine überraschende
Entdeckung
gemacht: Verkürzt man die Introns, so wird das alternative
Spleissen gehemmt
und nur noch die Grundform exprimiert (konstitutionelle Expression).
Bei den bisherigen Gentransfers (also bei der Produktion transgener
Lebewesen und bei den Gentherapieversuchen) wurden wegen des notorischen
Platzmangels in den Transportmolekülen (Gen-Fähren) alle oder
fast alle Introns herausgeschnitten.
D.h. man hat diesen Genen, ohne es zu wissen, nur eine stark eingeschränkte
Funktionsbreite mit auf den Weg gegeben.
|
|
|
Funktionen von Spleissvarianten
Im Folgenden sollen ein paar Beispiele über bisher bekannte Funktionen
solcher Spleissvarianten aufgeführt werden.
1. Beispiel: Gefäss-Endothel-Wachtumsfaktor (VEGF)
Von VEGF können fünf Varianten gebildet werden, die zwischen
121 und 206 Aminosäuren lang sind. In diesem Fall sind bereits einige
Details über Struktur und Funktion der Varianten bekannt. Sie haben
unterschiedliche Wirkungen auf die Blutgefässe: Bei der kleinsten
Variante mit 121 Aminosäuren (VEGF121) fehlen die Exons 6 und 7, die
zwei unabhängig voneinander agierende Heparin-bindende Domäne
enthalten. Deshalb bindet VEGF121 schwächer und diffundiert besser.
Die Variante mit Exon 6 (VEGF145) bindet an extrazelluläre Matrix,
VEGF165 (mit Exon 7 statt Exon 6) bindet an eine Klasse von Rezeptoren,
die von VEGF121 nicht erkannt werden. Ausserdem spielt VEGF eine wichtige
Rolle in der Embryonalentwicklung (17). Wir sehen daraus, dass durch alternatives
Spleissen ein ganzes Spektrum von körpereigenen Wirkstoffen entstehen
kann, die für verschiedene physiologische Situationen von Bedeutung
sind.
2. Beispiel CD44
CD44, CD45 und CD46 sind Glykoproteine auf der Zelloberfläche
von Lymphozyten mit ähnlichen Eigenschaften. Alle drei werden alternativ
gespleisst, das am besten untersuchte CD44 kann möglicherweise in
1000 Varianten vorliegen. Dabei entstehen für mehrere Funktionen jeweils
ein ganze Reihe von Eigenschaften: Für Adhäsionen, Signalfunktionen
und für das "Homing", das ist die Wanderung zu bestimmten Stellen
des Körpers, z.B. einem Entzündungsherd. Die Varianten sind zum
Teil spezifisch für bestimmte Gewebe und haben Affinitäten für
verschiedene Liganden (Substanzen, die gebunden werden können). Das
können Substanzen der extrazellulären Matrix sein, wie Hyaluronsäure,
Fibronectin und Kollagen oder extrazelluläre Wachstumsfaktoren. Auch
bei der Metastasenbildung von Tumoren können sie mitspielen (18).
3. Ein Beispiel für Zellspezifität
Das Gen für die Natriumpumpe NCX1 enthält sechs Exons, von
zweien davon – hier mit A und B bezeichnete – muss eins vorhanden sein,
um einen funktionsfähige Natrium/Kalium-Austauscher zu gewährleisten.
In Astrozyten (einer Zellart im Gehirn) wurden drei Varianten gefunden,
die alle das Exon B enthielten, in Neuronen (Nervenzellen) dagegen fand
man zwei Isoformen, beide mit Exon A (19).
4. Ein Beispiel für entgegengesetzte (antagonistische) Eigenschaften
Am programmierten Zelltod (Apoptose) sind mehrere alternativ gespleisste
Gene beteiligt. Hier wird das alternative Spleissen dazu verwendet, entgegengesetzt
wirkende Produkte herzustellen. Die einen bewirken den Zelltod, und die
anderen verhindern ihn (7).
5. Ein Beispiel für völlig unverwandte Eigenschaften
Bei Ratten wurde ein Gen gefunden, von dem eine Variante in der Schilddrüse
Calcitonin produziert (ein Calcium regulierendes Hormon), und eine andere
im Gehirn ein Neuropeptid (20).
6. Beispiel Krebsgeschehen
Auch zwischen Spleissvarianten und Tumoren wurden Zusammenhänge
gefunden, die klinische Bedeutung bekommen könnten. Bei Brustkrebs
wird das Gen für Cyclin E überexprimiert, mit der Folge, dass
Cyclin E in vielen niedermolekularen Varianten vorliegt, die eine verstärkt
aktivierende Wirkung auf die Tumorentwicklung haben (21). Auf dieser Basis
wären Tumormarker denkbar. (Cycline spielen eine Rolle bei der Regulation
der Zellteilung).
7. Ein weiteres Beispiel für die Beteiligung von Spleissvarianten
am Krebsgeschehen
Auch das extrazelluläre Matrix-Molekül Tenascin wird in Tumoren
(u. zw. bei Gliomen, das sind Tumore des Stützgewebes im Gehirn) vermehrt
gebildet, wobei sich ebenfalls das Spektrum der Isoformen ändert.
Vermutlich wird dadurch die Wanderung der Tumorzellen beeinflusst (22).
8. Beispiel Bräunung der Haut durch Sonnenstrahlung
Das Enzym Tyrosinase wandelt die Aminosäure Tyrosin in der Haut
zu Dopa um, einer Vorstufe des schwarzen Farbstoffes Melanin. Das Gen für
Tyrosinase wird alternativ gespleisst und die Regulatoren dafür sind
UV-abhängig. Auf diese Weise wird unter UV-Bestrahlung eine aktive
und in Abwesenheit von UV-Licht eine inaktive Tyrosinase gebildet. Das
ist der Mechanismus dafür, dass unsere Haut durch die Sonne gebräunt
wird (23).
9. Beispiel Neurohormone
Für das Neurohormon 5-Hydroxytryptamin (5HT, auch Serotonin genannt)
gibt es mindestens 14 verschiedene Rezeptoren, darunter auch Spleissvarianten.
Dieses Stoffwechselgeschehen ist besonders brisant, weil Serotonin mit
kognitiven Fähigkeiten und verschiedenen Persönlichkeitseigenschaften
in Zusammenhang gebracht wird, mit Aggressivität, Gewaltverhalten
und Kriminalität (24,25), mit Alkoholismus (26) oder sogar
Autismus (27). Das bedeutet, dass man sich hier von Erkenntnissen auch
Eingriffsmöglichkeiten in die Psyche erhofft(!).
|
|
|
Spleissvarianten erschweren Homologievergleiche zwischen DNA und
Proteinen
Spleissvarianten erschweren es, aus der DNA-Sequenz auf die Proteinsequenz
zu schliessen, was auch Funktionsvorhersagen durch den Vergleich mit
bereits bekannten homologen Proteinen erschwert (s. später). Solche
Funktionsvorhersagen werden besonders dann erschwert, wenn an der
Regulation des Spleissens auch trans-aktive Faktoren beteiligt sind, d.h.
Faktoren, die von einem Gen auf einem anderen Chromosom codiert werden,
so dass sie bei der Analyse des Gen-Umfeldes nicht erfasst werden können.
Das wurde für das BRCA1-Gen gefunden (2). Welche Software soll solche
Reaktionspartner erkennen? Gene für Spleissregulatoren können
ihrerseits selbst alternativ gespleisst werden, wodurch die Komplexität
der Regulation immens erhöht wird (10).
Spleissen, Genzahl und Evolution
Als die niedrige Zahl menschlicher Gene bekannt wurde, war eins der
erschreckten Argumente: Wie kann es sein, dass dieses einzigartige Wesen
"Mensch" nicht mehr und z.T. sogar weniger Gene besitzt als andere Lebewesen?
Wenn der Mensch auf einer höheren Organisationsstufe steht, muss sich
das dann nicht in einer höheren Zahl von Genen widerspiegeln? Der
Genetiker Hermann Muller hat jedoch schon vor der Entdeckung der nicht
codierenden Bereiche vorhergesagt, dass der grösste Teil der DNA höherer
Lebewesen nicht aus Genen bestehen könne. Seine Argumentation dazu
war, dass wegen der festliegenden Mutationsrate die Zahl der neu stattfindenden
Mutationen mit der Zahl der Gene steigen müsse. Würde die DNA
nur aus Genen bestehen, so müsste die Zahl der Mutationen pro Generation
und Mensch mehrere Dutzend betragen statt der tatsächlich vorkommenden
1 oder 2. Und das wäre eine zu hohe genetische Belastung (23). Wird
dagegen ein Gen mit mehreren Spleissvarianten von einer Mutation betroffen,
so werden wahrscheinlich nicht alle Varianten die geschädigte Stelle
enthalten. Da die Varianten oft vergleichbare Aktivitäten besitzen,
wäre der Schaden dann eher kompensierbar. Könnte es sein,
dass die Zahl der Gene durch die Mutationsrate begrenzt wird, so dass nach
Erreichen einer Grenzzahl der bessere Weg für die Fortsetzung der
Evolution in der Erhöhung der Zahl von Varianten liegt?
Wenn eine höhere Zahl von Gen-Varianten einen Schutz gegen Mutationen
darstellt, so müsste eine höhere Zahl von Genen mit überlappenden
Funktionen einen ähnlichen Schutz bieten können. D.h. die Mutationsrate
müsste einen Selektionsdruck zugunsten einer grösseren Zahl von
Genen mit überlappenden Funktionen erzeugen. Auch von dieser Strategie
macht die Natur Gebrauch. Beide Möglichkeiten zusammengenommen bedeuten
jedoch, dass die Zahl der Gene kein strenger Massstab für die Komplexität
und schon gar nicht für die Entwicklungsstufe eines Organismus sein
kann.
Gehirnentwicklung: grosse Steigerung der Funktion durch geringe Erhöhung
der Gen-Zahl
Das Problem, dass die Komplexität einer hohen Entwicklungsstufe
zu hoch werden kann für eine Erfassung in der Sprache der Gene tritt
auch bei der Funktion des Gehirns auf. Hierzu schreibt der Nobelpreisträger
Christian de Duve: Zu Anfang der Evolution sei die Verknüpfung der
Neuronen in allen Einzelheiten genetisch festgelegt gewesen, z.B. noch
beim Fadenwurm Caenorhabditis elegans (s. Teil
VII, C). Mit fortschreitender Evolution nahm die Zahl der Neuronen
und ihrer Verbindungsmöglichkeiten dann so stark zu, "dass die Information
für den gesamten Aufbau des Netzwerkes unmöglich im Genom untergebracht
werden konnte. Nur die Genkombination für die verschiedenen Typen
differenzierter Nervenzellen blieben streng vorgegeben, und daneben gab
es eine kleine Zahl chemischer Richtlinien, die die Zusammenlagerung der
Zellen räumlich und zeitlich steuern, meist über Zelladhäsionsmoleküle
und Substratadhäsionsmoleküle sowie über gezielt freigesetzte
Wachstumsfaktoren. Der übrige Bauplan entsteht epigenetisch, d.h.
im Laufe der Entwicklung (28)." Mit einer solchen Kombination aus genetisch
vorgegebenen Anstössen und einer durch die komplexe Gesamtsituation
weitergeführten Entwicklung kann eine hohe Steigerung der Funktion
mit einer geringen Erhöhung der Genzahl erreicht werden.
Diese Schilderung der Gehirnentwicklung macht ausserdem anschaulich,
dass man kaum damit rechnen kann, Gene zu finden, die für die eine
oder andere Form von Intelligenz oder einer anderen Gehirnleistung zuständig
sind, sondern nur Gene, die auf kaum spezifische Weise für besere
Entwicklungsanstösse sorgen können.
Alternatives Spleissen ist in hochkomplexen Systemen häufiger
Übrigens kommt alternatives Spleissen am häufigsten bei Genen
für Membranrezeptoren, Immunglobuline und Genen für Proteine
des Nervensystems vor (29). Das ist in Übereinstimmung mit der Vorstellung,
dass es seine Hauptrolle in hochkomplexen Prozessen spielt.
Noch ein Wort zur Organisationshöhe des Menschen. In Bezug auf
"alte" biologische Funktionen ist der Mensch nicht höher organisiert
als (andere) Säugetiere. Die Sonderstellung verdankt er nur einer
Sonderentwicklung
seines Gehirns und die ist biologisch derartig jung, dass sie schon
deshalb
eher in peripheren Bereichen der Funktionen angesiedelt sein muss als
in den evolutionär sich nur langsam verändernden Genen. Andererseits,
warum sollten einem gut funktionierenden Verstand mehr Gene zukommen als
z.B. dem hoch komplexen Geruchssinn eines Hundes, der ihm eine Wahrnehmungswelt
erschliesst, von der wir uns keine Vorstellung machen können? Ganz
abgesehen von vielen Spezialfähigkeiten bei anderen Lebewesen, wie
z.B. dem dem Aussenden von Lichtblitzen oder elektrischen Schlägen
bei einigen Meerestieren oder dem Erkennen der Polarisationsebene des Lichtes
bei Vögeln u.v.a.
|
|
|
(1) J.F. Caceras u. A.R. Kornblihtt, Alternative splicing: multiple
control mechanisms
and involvement in human disease, Trends in Genetics Vol. 18, S. 186 –
192
(Apr. 2002).
(2 ) T.I. Orban u. E. Olah, Purifying selection
on silent sites – a constraint from
splicing regulation?,
Trends in Genetics, Bd. 17, S. 252-253 (Mai 2001).
(3) T. Reiss, Drug discovery of the future: the
implications of the human
genome project,
Trends in Biotechnology Bd. 19, S. 496-49 (Dez. 2001).
(4) B.R. Graveley, Alternative splicing: increasing
diversity in the proteomic world, Trends
in Genetics Bd. 17 S.100-107
(Feb. 2001).
(5) H. Michel, Die Sequenzierung des Humangenoms
– aufs falsche Pferd gesetzt?
Biospektrum 1/99
S. 4.
(6) I. Dralyuk, M. Brudno, M.S. Gelfand, M. Zorn
u. I. Dubchak, Nucleic Acid Research,
Bd. 28, S. 296-297
(2000) und M.S. Gelfand, I.Dubchak, I. Dralyuk u. M.Zorn, Nucleic
Acid Research, Bd.
27, S. 301 (1999) References to the alternative splicing database:
ASDB: database of
alternatively spliced genes; unter http://devnull.lbl.gov.8888/alt/
(7) Jane Y. Wu, Pre-mRNA splicing and regulation
of alternative splicing, Alzheimer´s
disease: molecular
pathogenesis, vertebrate neural development, apoptose,
http://research.medicine.wustl.edu/ocfr/Research.nsf/Abstracts/
77507629A4E708AC8625677D00594464?OpenDocument&VW=Gerontology
(8) Webside der Firma Compugen: Juli 2001
http://www.labonweb.com/sitehtml/solutions/splice_variants.html
(9) http://www.neuro.wustl.edu/neuromuscular/musdist/pe-eom.html#dmdismech
Myopathies & neuropathies
with EOM weakness ? face & periocular involvement
(Jan. 2003) )
(10) http://www.niams.nih.gov/ne/highlights/spotlight/2002/myotonic.htm
Katie Lai,
Faulty gene
is key to understanding myotonic dystrophy, (Nov. 2002).
(11) http://public.bcm.tmc.edu/pa/myotonicdys.htm
John Tyler, Misstep in protein formation
causes disorder
in myotonic dystrophy, (Juli 2002).
(12) Jane Alfred, Myotonic dystrophy comes into
focus, Nature Reviews Genetics Bd. 2,
S. 736
(Okt. 2001).
(13) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/htbin-post/Entrez/query?
db=m&form=6&uid=11590133&Dopt=r
A. Mankodi
et al. Muscleblind localizes to nuclear foci of aberrant RNA in myotonic
dystrophy
types 1 and 2, Hum. Mol. Gent. Bd. 15, S. 2165-2170 (Sep. 2001).
(14) C.L. Liquori et al., Myotonic dystrophy type 2 caused
by a CCTG expansion in intron 1
of ZNF9, Science
Bd. 293, S. 864-867 (Aug. 2001).
(15) http://www.nature.com/cgitaf/DynaPage.taf?file=/ng/journal/v29/n1/abs/ng704.html
&dynoptions=doi1044702250
Rajesh Savkur, Anne
V. Philips u. Thomas A. Cooper, Aberant regulation of insulin
receptor alternative
splicing is associated with insulin resistance in myotonic dystrophy.
(Aug. 2001).
(16) http://courses.washington.edu/phcol535/data/May16_5.pdf
S. Sato et al. Identification
of transcriptional
targets for SIX5: implication for the pathogenesis of myotonic dystrophy
type 1, Hum.
Mol. Genet. Bd.11, S.1045-1058 (2002).
(17) Z. Poltorak, T. Cohen u. G. Neufeld, The VEGF
splice variants: Properties, receptors
and usage for the
treatment of ischemic diseases, Department of Biology, Technion,
Israel Institute
of Technology, Haifa, Israel, Herz, Bd. 25, S. 126-129, (2000).
http://www.bnk.de/herz/herzeng/herz00_2e/polteng.htm
(18) G. Screaton, Combining clinic and lab – Alternative
splicing (Apr. 1999)
Internet-Seite des
Wellcome Trust,
http://www.wellcome.ac.uk/en/l/biosfgcdpinfcsfalt.html
(19) D.H. Schulze, A. Ruknudin, S. He u. W. J. Lederer,
Alternative splicing of NCX1:
Demonstration of
cell-specific quantitation and functional differences of isoforms (1998)
http://www.mcmaster.ca/inabis98/lytton/schulze0881/.
(20) D. S. Chekmenev, Pre-mRNA splicing in eukaryotes
– Intron structure, intron deletion,
algorithms and data
structures. GNII genetika, 1st Dorozhny proezd, Moscow, 113545,
Russia; e-mail: chicha@mail.cir.ru; http://www.bionet.nsc.ru/bgrs/thesis/75/
(21) D.C. Porter u. K. Keyomarsi, Novel splice variants
of cyclin E with altered substrate
specificity, Nucl.
Ac. Res. Vol. 28 No. 23 (2000) bzw.
http://nar.oupjournals.org/cgi/content/abstract/28/23/e101.
(22) C. Herold-Mende, M. Bonsanto, A. Buttler, S. Kunze
u. H.-Herbert Steiner, Expression
of tenascin splice
variants in gliomas, Neurochirurgische Universitätsklinik Heidelberg,
http://www.med.uni-heidelberg.de/nch/literat/abstr029/abstr029.htm.
(23) C. Wills, Das vorauseilende Gehirn – Die Evolution
der menschlichen Sonderstellung,
S. Fischer-Verlag,
1996, S.361.
(24) W.W. Gibbs, Trends in behavioral science: seeking
the criminal element, Scientific
American,
S. 76-83 (März 1995).
(25) J. Flint, The genetics of crime: irrsponsible science?
(Besprechung des Buches:
Genetics of criminal
and antisocial behaviour, ein Buch des Ciba Foundation
Symposiums
(Hrsg. G.R. Bock u. J.A. Goode) John Wiley&Sons, 1996.
(26) B.J. Culliton, Genes and Discrimination, Nature Medicine,
Bd.1, S.385 (Mai 1995).
(27) FR 3.5.1997.
(28) Christian de Duve, Aus Staub geboren - Das Leben
als kosmische Zwangsläufigkeit,
rororo-Sachbuch
Nr. 60160, Rowohlt-Taschenbuch-Verlag GmbH, Reinbek bei
Hamburg, 1997;
S. 365.
(29) C. Lee, The incredible shrinking human genome,
Trends in Genetics,
Bd.17, S. 187-188
(Apr. 2001).
|
|
|
III. Die Suche nach den
Genen
Die Sequenz des menschlichen Genoms liegt nun also mehr oder weniger
vor.
Von den drei Milliarden Basenpaaren gehören nur 1.5% zu einem
Gen. Noch
bis vor kurzem glaubte man, dass es 3 – 5% seien, aber mit dem Absturz
der
Zahl der Gene musste auch dieser Anteil entsprechend nach unten korrigiert
werden. Wie findet man diese Stecknadeln im Heuhaufen? [
mehr
]
IV. Die Funktionsaufklärung
von Genen
Den Ort eines Gens zu kennen, hat nur dann einen Sinn, wenn man etwas
über seine Funktion weiss. Deshalb ist die Aufklärung der Genfunktionen
nach dem Abschluss der Sequenzierung die Hauptaufgabe der Forschung. [
mehr
]
V. Proteomik, die Gesamtheit
aller Proteine, ihrer Aktivitäten und Regulationen
Zum Verständnis der Genfunktionen gehören Kenntnisse über
die Beschaffenheit,
Aktivität und Wechselwirkungen ihrer Produkte, der Proteine. Das
Arbeiten mit Proteinen ist schwerer zu automatisieren als das mit Genen
und daher sehr aufwendig.[ mehr
]
VI. Die Raumstruktur der
Proteine
Die Aufklärung der räumliche Strukturen von Proteinen ist
ein ganz
entscheidendes Problem der postgenomischen Forschung. Die Kenntnis
der räumlichen Beschaffenheit, besonders die der aktiven Zentren und
Bindungsstellen,
ist unverzichtbar für das ursächliche Verstehen ihrer Funktionen
und sie bildet
die Grundlage für die Bindung möglicher Wirkstoffe und damit
für die neue Art, Medikamente zu entwickeln. Aber gerade hier gibt
es Probleme, deren Lösung
noch in den Anfängen steckt. [
mehr
]
VII. Entdeckung von Medikamenten
mit den neuen Technologien
Das Hauptziel aller geschilderter Bemühungen, die Funktion der
Gene
aufzuklären, ist es, auf eine neue Art Wirkstoffe zu finden, die
als Medikamente verwendet werden können. Neu ist dabei in jedem Fall
die Art der Suche.
Die Wirkstoffe selbst sind generell nicht neuartig. Grundsätzlich
geht es
darum, auf der Grundlage der Kenntnisse aus der Genomsequenz mit Hilfe
automatischer Methoden Substanzen zu finden, die in ein Krankheitsgeschehen
eingreifen können. [ mehr
]
VIII. Wieviel kostet die
Entwicklung eines Medikamentes?
Die angegebenen Kosten für die Entwicklung eines Medikamentes sind
astronomisch hoch und steigen weiter an. Aufgrund der letzten Studie
vom
November 2001 liegen sie bei 802 Mio.$. Verbraucherorganisationen
kommen zu anderen Ergebnissen. [mehr
]
|
|
|
|
|
|
|
|
| . |
..
Erstellt am 26.07.02 / ergänzt am 25.03.03 |
|