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Umweltgifte machen unfruchtbar (Allgemeines)

Erste Warnungen wurden immer überhört

Xeno-Östrogene sind Chemikalien in unserer Umwelt, die eine östrogene Wirkung haben. Östrogene heißen die weiblichen Sexualhormone der Eireifungsphase. Ihr Hauptvertreter ist das Östradiol. Die Diskussion über vergleichbare Wirkungen körperfremder Substanzen wurde Ende der 80er, Anfang 
der 90er Jahre in die Öffentlichkeit getragen, nachdem die dadurch bedingten Schäden bereits ein Riesenausmaß angenommen hatten. Jetzt wird gesagt, es handele sich um völlig unerwartete Phänomene, die man nicht hätte voraussehen können. Das aber stimmt so nicht. 

Die Zahl der unfreiwillig kinderlosen Paare nimmt seit Jahrzehnten zu, sie nähert sich bei uns der 20%-Grenze. Anzahl und Qualität der Spermien nehmen ab. Es ist auch schon länger klar, daß die zunehmende Unfruchtbarkeit mit der Umweltbelastung zusammenhängt, denn sie tritt gehäuft in Ballungsgebieten und bei bestimmten Berufen auf, bei Arbeitern in der chemischen Industrie, der Müllverbrennung, bei Lackierern, Anstreichern und Beschäftigten in der Landwirtschaft, die mit Pestiziden umgehen. 

Bereits 1936 und 1938 wurden Befunde veröffentlicht, daß bestimmte synthetische Chemikalien die Wirkung von weiblichen Hormonen haben. Und zwar wurde diese Wirkung schon damals für Bisphenole und Alkylphenole beschrieben (Texte des Umweltbundesamtes (UBA) Nr.65/95; S.85-96). Alkylphenole sind Abbauprodukte von Detergenzien, also Waschmitteln, über die es heute nach 60 Jahren immer noch keine breit angelegten Untersuchungen gibt. Wenn heute, wie z.B. auf einem Fachgespräch des Umweltbundesamtes gesagt wird, diese Erkenntnis, gerade bezüglich Alkylphenole sei 1991 "völlig überraschend und unerwartet gekommen" (UBA-Texte 65/95;S.51), dann ist das nicht wahr. Es hat schon lange Hinweise dafür gegeben, aber sie wurden offenbar erst dann ernst genommen, als die Schäden massiv wurden.
 

Unfruchtbarkeit von Frauen durch Chemikalien

Bei unfruchtbaren Menschen waren in den 80er Jahren überdurchschnittlich große Mengen an Chlorchemikalien gefunden worden, bei Frauen in der Gebärmutterschleimhaut oder in den Eibläschen und bei Männern im Seminalplasma. Und zwar wurden in diesem Fall die Pestizide Lindan und Pentachlorphenol (PCP) untersucht. In einer Untersuchung des Klinischen Arbeitskreises Umweltschäden in Heidelberg wurde bei 22 Frauen mit unerfüllten Babywünschen nachgeforscht, wo die Quelle der Belastung lag, am Wohnort oder Arbeitsplatz. Die, bei denen es möglich war, haben danach die Quelle der chemischen Emissionen (z.B. einen pestizidbelasteten Teppich) entfernt, sind umgezogen oder haben den Arbeitsplatz gewechselt. Außerdem haben alle, also auch die, denen ein solcher Wechsel nicht möglich war, Hormone genommen (schließlich wollten sie ein Kind bekommen und nicht nur an einem Versuch teilnehmen). Die Behandlung war bei denen, die die Giftquelle hatten ausschalten können, erfolgreicher als bei den anderen. Einige wurden schwanger (SZ 21.2.91; ZDF Zündstoff "Vergiften wir unsere Kinder?" 27.4.94). Als Beweis dafür, daß der Giftentzug die Fruchtbarkeit wieder hergestellt hat, war nach Ansicht der Autoren die Zahl der Fälle zu gering. Hier besteht also Forschungsbedarf.
 

Ungleiches Maß bei verschiedenen Gefahren

Auch Frauen, die an Brustkrebs erkrankten, erwiesen sich als stärker belastet. In einer New Yorker Studie wurden alte Blutproben von Frauen ausgewertet und die Proben von inzwischen an Brustkrebs erkrankten mit denen von gesund gebliebenen verglichen. Es zeigte sich, daß die Frauen mit den höchsten Belastungen ein viermal so hohes Risiko hatten wie die Frauen mit den niedrigsten Werten.
Man vergleiche diese Risikozunahme einmal mit der, die ein Brustkrebsgen verursacht. Sie beträgt das 5 1/2-fache, liegt also nicht wesentlich höher. Die genetische Zuschreibung löste weltweite Diskussionen aus, es sei nötig, diese Zusammenhänge zu erforschen, um den betroffenen Frauen helfen zu können. Massenscreenen nach diesem Gen wurde erwogen, Gen-Trägerinnen ließen sich prophylaktisch die Brüste abnehmen. 
Merke: Sind Gewinne für die Industrie zu erwarten (z.B. durch Therapien auf der Grundlage des Brustkrebsgens), so wird das Leid durch Krankheit zum viel diskutierten Thema, stehen der Industrie aber Auflagen ins Haus (wegen der von ihr zu verantwortenden Folgen), so hört man kaum etwas davon.
 
 
 


 

. ..Erstellt am 25.03.00

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