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| . | XENO-ÖSTROGENE (5) | |
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Der Sonderfall Organozinn-Verbindungen 20mal so giftig wie Dioxin
TBT verhindert die Umwandlung des männlichen
Hormons Testosteron in das weibliche Hormon Östradiol (s.Abbildung
1). Die Folge davon ist, daß die Menge an Testosteron zunimmt
und die an Östradiol sinkt.
Wasserschnecken sind besonders empfindlich Besonders empfindlich reagieren Wasserschnecken,
z.B. die Wellhornschnecke (s.Abbildung
2). Bei den Weibchen unter ihnen kommt es dabei zu einer zusätzlichen
Entwicklung von männlichen Funktionen, während die weiblichen
zunächst erhalten bleiben. Man nennt das Pseudozwittrigkeit oder Imposex.
Durch das zusätzliche Wachsen männlicher Gewebe wird die Vaginalöffnung
sekundär verschlossen. Die Eiproduktion aber läuft weiter und
da die Austrittsöffnung für die Eier verschlossen ist, platzt
schließlich das umgebende Gewebe, woran die Tiere sterben. Diese
Vorgänge wurden für 110 verschiedene Arten von Wasserschnecken
beschrieben. Auf einer Tagung des Niedersächsischen Landesamtes für
Ökologie
im Mai 1997 wurde gesagt, daß die Wellhornschnecke aus der Nordsee
verschwunden sei. Schuld an diesem Aussterben sei TBT.(taz 12.6.97)
Warum Wale, Delphine und Tümmler (aus)sterben 1996 wurden japanische Untersuchungen
veröffentlicht, daß bei toten Tümmlern in sämtlichen
Geweben Konzentrationen an TBT gefunden wurden, die bis zu 2-Millionen-mal
so hoch waren wie die Grenzkonzentration, die bei Wasserschnecken gerade
eine Wirkung zeigten. Bei anderen Meeressäugern wurden ähnliche
Werte gefunden und man sieht jetzt darin eine mögliche Erklärung
für das bisher als mysteriös angesehene Sterben von Tümmlern,
Delphinen und Walen. Diese Säugetiere enthielten aber auch große
Mengen anderer Gifte, einschließlich Quecksilber, verschiedene Pestizide
und andere Industriechemikalien wie polychlorierte Biphenyle (Texte des
Umweltbundesamtes (UBA) 65/95 S.96).
Anreicherungen in Freßketten Es handelt sich also hier sicher um eine Summe verschiedener Einzelwirkungen. Was aber allen Giften gemeinsam ist, sind die hohen Konzentrationen, in denen sie in diesen Tieren angetroffen werden. Wie kommt es zu diesen Anreicherungen? Langzeit-Giftwirkungen sind immer an eine Fettlöslichkeit der Substanzen gebunden. Je fettlöslicher eine Substanz, desto schwerer kann sie über die Niere ausgeschieden werden, und desto länger bleibt sie im Körper. Deshalb beruhen die Entgiftungsmechanismen, über die unser Körper verfügt, darauf, daß an die Giftmoleküle ein chemischer Bindungspartner angeknüft wird, der dem Gesamtmolekül eine größere Wasserlöslichkeit verleiht. Gifte, die der Körper nicht ausscheiden kann, lagert er im Fettgewebe ein, so daß sich die Giftkonzentrationen im Laufe eines Lebens erhöhen. Ein Tier, das ein anderes frißt, übernimmt die dort erreichte Konzentration und steigert sie weiter. So erhöhen sich die Giftkonzentrationen in einer Nahrungskette von Stufe zu Stufe. Bei Fischen wurden Anreicherungsfaktoren um 300 und Spitzenwerte bis 1300 gefunden (UBA-Texte 65/95, S.50). Zu den letzten Gliedern solcher Nahrungsketten gehören die Meeressäuger, aber auch wir Menschen. Die Beluga-Wale im St.Lorenz-Strom
in Kanada sind seit Ende der 70er Jahre streng geschützt und trotzdem
sind sie heute mehr vom Aussterben bedroht denn je, es heißt sie
seien nicht mehr zu retten. Der Anteil trächtiger Weibchen ist wesentlich
kleiner als bei ihren Artgenossen in den weniger belasteten arktischen
Gewässern. Bei Säugetieren, zu denen auch die Belugas gehören,
kommt erschwerend hinzu, daß die trächtigen Weibchen für
die Versorgung der Föten ihre Fettreserven mobilisieren, was besonders
die Erstgeborenen trifft. Es wurde festgestellt, daß an das erstgeborene
Junge 80% der bis dahin angesammelten Giftstoffe des Muttertieres abgegeben
werden. Diese Jungen starten also gleich mit einer sehr hohen Belastung.
Außerdem ist das Gift natürlich auch in den Fettanteilen der
Milch enthalten (New Scientist 1.7.95 S.12-13).
Trotz extremer Giftigkeit nur partielle Verbote Aufgrund solcher Beobachtungen sind
Organozinn-Verbindungen in Europa und den meisten anderen Ländern
seit etwa 1980 für Schiffe unter 25 m Länge verboten. Also ausgerechnet
die großen Schiffe dürfen es (vorerst bis zum Jahr 2003) weiter
verwenden. Und auch daran muß sich die Bundeswehr nicht halten, denn
für sie gilt die nationale Chemikalienverbotsverordnung nicht (FR
14.3.2000). Der Bewuchs an den Schiffsrümpfen würde die Fahrt
bremsen und damit den Treibstoffverbrauch um 20% erhöhen. Da sind
Umweltauflagen aus Gründen internationaler Konkurrenzfähigkeit
offenbar nicht durchsetzbar. Und mit wem muß die Bundeswehr konkurrieren?
Hierzu heißt es, die besonderen „Einsatzanforderungen der deutschen
Marine“ machten das nötig. Die einfachste und ökologisch beste
Methode wäre wohl den Bewuchs mechanisch abzuschaben.
Reihenfolge der Schutzwürdigkeit:
Vor Reparaturen oder Neuanstrichen von Schiffen muß die Farbe entfernt werden. Das erfolgt mit Sandstrahlgeräten, wodurch die abgesprengten Farbpartikel in die Luft versprüht werden und zur Gesundheitsgefahr für die Werftarbeiter werden. Die Arbeiter an den Sandstrahlern tragen zwar Schutzmasken, aber die in der Nähe arbeitenden Kollegen nicht. Wegen der Gesundheitsgefährdung weigern sich die Stammbelegschaften der Werften seit längerem, TBT-haltige Farbe zu verarbeiten oder zu entfernen. Diese Arbeiten werden daher nur noch an Fremdfirmen vergeben mit internationaler Arbeitnehmerschaft, wie es heißt, und das auch nur außerhalb der regulären Arbeitszeiten (Waterkant 4/97 S.23 u.S.29). Rücksicht genommen wird dagegen
auf fabrikneue Autos, die in Bremerhaven gelagert werden. Bei bestimmten
Windverhältnissen werden keine Farb- und Strahlarbeiten durchgeführt,
um Regressansprüche wegen Lackschäden zu vermeiden. Im letzten
Sommer wurden besonders hohe TBT-Werte im Schlick deutscher Nordseehäfen
festgestellt. In Wilhelmshaven wurde daraufhin das Verklappen von Hafenschlick
in die offene Nordsee verboten. Auch Schlickdeponien - also das Ablagern
von Schlick auf dem Lande - sind wegen des Giftes und der großen
benötigten Flächen ein Problem. Ohne Ausbaggerungen kann ein
Hafen aber nicht auf Dauer funktionsfähig gehalten werden.
TBT in der Kleidung geht durch die Haut Anfang dieses Jahres wurde bekannt,
daß TBT in Textilien, speziell Sporttrikots, gefunden wurde. Trotz
der nun fast 20 Jahre lang bekannten extremen Giftigkeit und obwohl man
weiß, daß TBT durch die Haut aufgenommen wird, wurde es zur
Desinfektion der Textilien eingesetzt. Die Chemie-Industrie sagt dazu heute:
TBT habe in der Kleidung nichts zu suchen. Andererseits hat das Umweltbundesamt
(UBA) 1988 veröffentlicht, daß TBT in der Textilindustrie eingesetzt
wird. Wo bleibt da der von der Industrie propagierte eigenverantwortliche
Umgang mit Chemikalien?, fragt der Präsident des UBA, Andreas Troge
(Die Zeit 20.1.2000). Allerdings muß sich das UBA wohl auch fragen
lassen, warum es außer dieser Veröffentlichung nichts getan
hat, um die Bevölkerung vor der gesundheitlichen Gefährdung zu
schützen.
Auch in Nahrungsmitteln wurde das extreme Gift gefunden Nur kurz danach kam die nächste Schreckensmeldung: TPT wurde in Kartoffeln gefunden. Es ist im Pestizid Brestan flüssig der Firma Aventis enthalten, das als „Standardmittel“ (so die Landwirtschaftskammer) zur Pilzbekämpfung bei Kartoffeln eingesetzt wird. Die Zulassung von Brestan wurde inzwischen gesperrt (taz 3.2.2000). Nach einer Untersuchung der Zeitschrift
Öko-Test waren von 16 untersuchten Fischkonserven alle TBT-belastet
und laut Greenpeace enthalten Flundern und Miesmuscheln aus der Nordsee
erhebliche Mengen an TBT und anderen Organozinn-Verbindungen (FR
25.1.2000).
Symptome beim Menschen Die Symptome von TBT-Vergiftungen beim
Menschen sind vielfältige schwere Muskelschäden, darunter Muskelschwäche,
Störung der Bewegungskoordination, Zittern, Krämpfe, verlangsamter
Herzschlag, Lähmungen bis zur Atemlähmung. Auch Störungen
von Hormonhaushalt und Immunsystem werden beschrieben.
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| . | ..Erstellt am 25.03.00, letzte Änderung am 01.04.2000 |